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Kondom gerissen, Pille vergessen, Durchfall? Keine Panik!

Pannen bei der Verhütung kommen vor. Eine ungewollte Schwangerschaft lässt sich aber trotzdem noch verhindern. Bis es zu einer Befruchtung kommt, irren die Spermien oft tagelang durch den weiblichen Körper. Damit sie dabei nicht auf eine Eizelle treffen, hat die Medizin ein Notfallmittel geschaffen: die Pille danach.

Wir beantworten alle wichtigen Fragen zur Pille danach

Bei der Verhütung lief etwas schief, was jetzt?

Ab zum Arzt! Oder direkt in die Apotheke. Je früher die Pille danach eingenommen wird, desto besser schützt sie vor einer Schwangerschaft. Seit 15. März dieses Jahres bekommen Frauen die Pille danach im Notfall in der Apotheke auch ohne Rezept. Wer erst mehr als fünf Tage nach der Panne reagiert, sollte direkt zum Arzt gehen. Dann darf die Pille danach nicht mehr eingenommen werden.

Bekommt jeder die Pille danach in der Apotheke?

Der Apotheker kann selbst entscheiden, wem er das Medikament gibt und wem nicht. Die Apothekerkammer empfiehlt jedoch, die Pille danach nur an die Betroffenen selbst abzugeben und nicht etwa an Freunde, Familienmitglieder oder andere Boten. Außerdem sollen Frauen die Pille danach nur im Notfall kaufen können und nicht auf Vorrat.

Ein weiterer Punkt ist das Alter: Mädchen unter 14 Jahren sollen Apotheker zum Arzt zu schicken. Ältere können das Medikament zwar direkt in der Apotheke kaufen, allerdings zahlt sich ein Arztbesuch auch bei ihnen aus. Bis zum Alter von 20 Jahren übernehmen die Krankenkassen die Kosten des Medikaments – jedoch nur, wenn es ein Arzt verschrieben hat.

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Wie wirkt die Pille danach?

Sie verschiebt den Eisprung, verhindert also, dass sich eine Eizelle aus den Eierstöcken löst und Richtung Gebärmutter wandert. Die Spermien sterben unverrichteter Dinge ab. Um möglichst gut vor einer Schwangerschaft zu schützen, muss die Pille danach deshalb so schnell wie möglich eingenommen werden: Hat der Eisprung schon stattgefunden, kommt das Medikament zu spät.

Ist das nicht Abtreibung?

Nein, ist es nicht. Sobald sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet hat, verliert das Medikament seine Wirkung. Eine bestehende Schwangerschaft kann es also nicht abbrechenanders als bei der Abtreibungspille, die Frauen nur unter strengen Auflagen schlucken dürfen.

Wie sicher verhindert die Pille danach eine Schwangerschaft?

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch ist sie weniger zuverlässig als Verhütungsmittel wie Kondome oder die normale Antibabypille. Unter anderem deshalb sollte die Pille danach wirklich nur als Notlösung dienen.

Gibt es nur die eine Pille danach oder mehrere?

Es gibt tatsächlich mehrere, zwischen denen sich Frauen im Notfall entscheiden müssen. Auf dem deutschen Markt sind zwei verschiedene Wirkstoffe zur Notfallverhütung zugelassen, Levonorgestrel (in der Regel vertrieben unter dem Handelsnamen Pidana) wird schon seit mehr als einem Jahrzehnt in Pillen danach verwendet. Ulipristalacetat (Handelsname Ellaone) hingegen ist seit etwa fünf Jahren auf dem Markt.

Was unterscheidet sie?

Beide Medikamente haben Vor- und Nachteile. Die Entscheidung für eins der beiden sollte deshalb immer individuell und in Absprache mit einem Arzt oder Apotheker fallen. Hier die größten Unterschiede der zwei Wirkstoffe:

  • Die Zeitspanne, für die sie zugelassen sind: Die seit Längerem etablierte Pidana dürfen Frauen nur bis zu 72 Stunden (also drei Tage) nach der Verhütungspanne schlucken. Die modernere Ellaone hingegen kann den Eisprung auch noch entgegenwirken, wenn er kurz bevorsteht. Sie ist bis zu 120 Stunden (also fünf Tage) nach der Verhütungspanne zugelassen.
  • Erfahrungsdaten: Aufgrund der längeren Erfahrung existieren deutlich mehr Daten zur Pidana, vor allem über mögliche langfristige Nebenwirkungen lässt sich bei Ellaone bisher wenig sagen. Dennoch spricht viel dafür, dass auch sie sicher ist.
  • Der Pries: Ellaone ist mit etwa 35 Euro etwa doppelt so teuer wie die Pidana, die um die 18 Euro kostet.
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Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Pille danach gilt als relativ gut verträglich. Allerdings kommt es häufig zu Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, einem Spannungsgefühl in der Brust, Schmerzen im Unterbauch sowie einer verspäteten, stärkeren Regelblutung.

Um Übelkeit zu vermeiden, wird empfohlen, vor der Einnahme der Tablette eine Kleinigkeit zu essen, etwa eine Scheibe Butterbrot. Erbricht man sich trotzdem innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme, hat der Körper die Wirkstoffe möglicherweise noch nicht vollständig aufgenommen. Dann sollte so schnell wie möglich eine weitere Pille danach einzunehmen.

Die Pille danach ist geschluckt. Reicht das an Verhütung bis zum Ende des Zyklus?

Nein, es muss unbedingt weiter verhütet werden. Vor allem wer mit der Antibabypille verhütet, muss aufpassen und bis zur nächsten Monatsblutung zusätzlich mit Kondom verhüten. Denn bis dahin verliert die Pille ihre Wirkung.

Was muss ich nach der Einnahme beachten?

Nach der Einnahme der Pille danach kann die Regelblutung etwas früher oder später auftreten. Erst wenn deine Tage länger als sieben Tage auf sich warten lassen, solltest du einen Schwangerschaftstest machen und zum Arzt gehen.

Versagt die Pille danach bei Übergewichtigen?

In der Packungsbeilage der Pidana warnt der Hersteller tatsächlich davor, dass die Schutzwirkung der Pille danach bei stark übergewichtigen Frauen nachlässt. Laut einer Studie nimmt die Wirkung der Pidana ab einem Gewicht von etwa 75 Kilogramm, bei Ellaone ab einem Gewicht von etwa 90 Kilogramm ab. Die Untersuchung ist allerdings umstritten, mehrere andere Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnten einen derartigen Zusammenhang nicht finden.

Deshalb empfiehlt unter anderem die Europäische Arzneimittelagentur Ema beide Medikamente unabhängig vom Körpergewicht, der Berufsverband der Frauenärzte hingegen warnt auch vor einem Wirkungsverlust bei Übergewicht (Einen ausführlichen Artikel zum Thema gibt's hier).

Gibt es eine Alternative zur Pille danach?
Ja, die Spirale danach: eine Kupferspirale, die ein Arzt spätestens am fünften Tag nach dem ungeschützten Sex einsetzten sollte. Dann schützt sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent vor einer Schwangerschaft. Die Spirale danach kostet zwischen 130 und 180 Euro und ist damit deutlich teurer als die Pille danach. Sie kann jedoch je nach Modell zwischen drei und fünf Jahren in der Gebärmutter bleiben und eine Schwangerschaft zuverlässig verhindern.