Bild: Screenshot NDR

"Wer schön sein will, muss eben leiden. Vor allem wenn er hässlich ist."

Ein Video von den "Poetry Slam Meisterschaften" in Hannover geht gerade bei Facebook rum. Die 20-jährige Poetry-Slammerin Lucia Lucia erzählt darin die emotionale Geschichte von Mathilda, einer jungen Frau, die erwachsen wird – und an sich selbst (ver)zweifelt. 

Sie beschreibt, wie es ist, vor dem Spiegel zu stehen und sich selbst kaum ertragen zu können. Wie es ist, in einer Welt zu leben, in der irgendwie alle wunderschön zu sein scheinen – aber man sich selbst sehr hässlich fühlt. Eines Abends trifft sie einen jungen Mann – und wird Opfer von sexueller Gewalt. Bei Facebook haben mehrere Tausend Menschen auf das Video reagiert. 

Da es sich dabei nur um einen gekürzten Ausschnitt handelt, kannst du dir hier das ganze Video bei YouTube anschauen:

(Hinweis: In dem Video wird die Vergewaltigung und der Suizid einer jungen Frau beschrieben.)

Wir haben mit Lucia Lucia über ihren Auftritt und das Video gesprochen - und darüber, warum sie sich missverstanden fühlt: 

Lucia, dein Video ist zur Zeit überall - wie geht es dir damit?

Ich freue mich natürlich, dass so viele Menschen mein Video sehen. Aber ich lese diesen Text schon seit über einem Jahr auf der Bühne, deshalb hab ich nicht damit gerechnet, dass das plötzlich passiert. Durch einen Mitschnitt vom NDR ist es groß geworden. Gleichzeitig finde ich es aber schade, zu sehen, was die meiste Aufmerksamkeit bekommt. 

Warum?

Ich fühle mich missverstanden. Für mich geht es in diesem Text nicht in erster Linie um das Thema Vergewaltigung und Suizid.  Sondern um Minderwertigkeitskomplexe und die Schwierigkeit für junge Frauen, neben all den Werbegesichtern zufrieden mit sich zu sein. Der Text richtet sich gegen die Annahme, dass eine Frau nur etwas wert sei, wenn sie auf männliches Gefallen trifft. 

Wie bist du auf das Thema gekommen?

Ich wollte die Geschichte einer jungen Frau erzählen, mit der man sich identifizieren kann. Deswegen hat sie auch einen Namen, also Mathilda. Und ich wollte das Thema und die Gefühle auch für Männer greifbarer machen. Sie sollen sich in jemanden hineinversetzen und die Gefühle miterleben können.

Und gibt es etwas, was du mit dem Text gern erreichen würdest?

Ich will nicht den moralischen Zeigefinger heben. Mir geht es darum, diesen schwierigen Themen Raum zu geben. Das geht jeden etwas an. Nach meinen Auftritten werde ich von Frauen und Männern angesprochen. Viele sind dankbar, weil ich das Thema angesprochen habe und Worte dafür gefunden habe. Das hat mir gezeigt, dass Poetry Slam ein guter Weg ist - weil die Menschen zuhören müssen und sich auch mit komplexen Sachen auseinander setzen. 

Erlebst du keine negativen Reaktionen?

Doch, klar. Aber ich gebe mir Mühe, auch auf schwierige Kommentare zu antworten. Ich will ja niemanden bloßstellen, sondern ich versuche, ganz viel zu erklären. Aber es macht mich schon fassungslos, dass es noch Menschen gibt, die meinen, nur weil eine Frau sich schön macht, dürfte sie auch sexuelle Gewalt erfahren, nach dem Motto "Sie hat es doch gewollt."

Wenn du mehr von Lucia lesen, hören oder sehen willst, kannst du hier Fan ihrer Facebook-Seite werden. Oder dir hier ihren Text "Deine Seite meines Bettes" anhören.

Suizid - Hilfe in scheinbar ausweglosen Lebenslagen

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen? Rede mit anderen Menschen darüber. Per Chat, Telefon, E-Mail oder im persönlichen Gespräch. Hier findest du - auch anonyme - Hilfsangebote in scheinbar ausweglosen Lebenslagen.


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Benannt wurde die LGBT-Serie nach einer Studie, die die Stufen der Versteifung beim Mann mit der Stabilität von Lebensmitteln verglich. Je nach Erregung fühle sich der Penis wie ein Stück Tofu, eine geschälte Banane, eine ungeschälte Banane oder eben eine Gurke an.