Bild: Philipp Awounou

Es gibt wohl nur wenige Ereignisse, die eine Frau stärker prägen als die Geburt eines Kindes. Die Wehen. Das Pressen. Das Glücksgefühl, ein Kind zur Welt gebracht zu haben. Bürden, aber auch Privilegien, über die schon viel geredet und geschrieben wurde.

Doch wie läuft eine Geburt eigentlich aus Perspektive von Männern ab? Welche Gefühle haben sie im Kreißsaal? Wie gehen sie mit der Partnerin um? Und was empfinden sie, wenn sie erstmals ihr Kind im Arm halten?

Das haben wir drei Männer gefragt, die in den vergangen zwölf Monaten Vater geworden sind.

Stefan, 24, Destillateur

(Bild: privat)

Durch die Geburt meines Sohnes Paul habe ich noch größeren Respekt vor meiner Freundin als ohnehin schon. Sie war unglaublich willensstark, das hat mich sehr beeindruckt.

Als sie gegen 5 Uhr morgens die ersten Wehen bekam, wusste ich gar nicht, was ich machen soll. Für mich war das eine komplett neue Erfahrung, ich war überfordert. Im Krankenhaus schickte man uns wieder nach Hause, erst am späten Nachmittag ging es richtig los. 

Im Kreißsaal war es furchtbar heiß, bestimmt 30 Grad. Dazu kam noch meine Aufregung. 

Ich hätte fünfmal das T-Shirt wechseln können und wäre immer noch nassgeschwitzt gewesen.
Stefan

Nach ungefähr eineinhalb Stunden begannen die Presswehen. Als Mann steht man da blöd daneben und weiß nicht genau, was man machen darf oder soll. Ich orientierte mich an meiner Freundin: Sie sagte mir, wie ich mich verhalten soll.

Die meiste Zeit massierte ich ihren Rücken und redete ihr gut zu. Stundenlang ging das so. Viel geholfen hat es leider nicht, sie hatte höllische Schmerzen. Das Kind hing fest. 

Es war schlimm, sie mit schmerzverzerrtem Gesicht vor mir liegen zu sehen und nicht wirklich helfen zu können. Ich fühlte mich so machtlos. Umso mehr beeindruckte mich meine Freundin. Sie hat unglaublich viel geleistet – bis Paul endlich da war. 

Doch dann begann erst der schlimmste Teil.
Stefan

Die Nabelschnur hatte sich zweimal um seinen Hals gelegt, er atmete nur sehr flach. Die Kinderärztin nahm ihn sofort mit in den Nebenraum, wo er künstlich beatmet wurde. Es war der Horror: Mein Sohn wurde gerade geboren, aber ich konnte mich nicht richtig freuen. Wir wussten nicht genau, was los war, und bekamen keine Antworten.

Nach 20 Minuten durften wir dann zu ihm. Pauls Atmung normalisierte sich langsam. Ich war stundenlang voller Adrenalin und Sorge. Als er dann endlich auf meinem Arm lag, ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Freude pur.  

Andreas, 34, Sportredakteur

(Bild: Philipp Awounou)

Die Geburt meines Sohnes Valentin war ein echter Marathon. Meine Frau hatte schon neun Tage über dem errechneten Termin gelegen, also entschieden wir uns, ins Krankenhaus zu fahren. 

Dort wurde nachts um 2 Uhr die Geburt eingeleitet – und die Tortur begann. Bis Valentin auf der Welt war, vergingen 23 Stunden. 

Der Kreißsaal war riesig. An der Wand stand eine kleine Couch für Angehörige und in der Mitte des Raumes war dieser überdimensional große Stuhl aufgebaut, auf dem meine Frau unseren Sohn gebären sollte. 

In den ersten Stunden waren ihre Wehen noch schwach, im Laufe des Tages wurden sie dann immer stärker. 

Je schlimmer die Schmerzen wurden, desto weniger konnten wir kommunizieren.
Andreas

Da die Geburt sehr lange dauerte, wurden wir von drei verschiedenen Hebammen betreut. Die zweite war schrecklich: eine ältere Frau, die sehr unsensibel und grob mit meiner Frau umging. Zum Glück war ihre Schicht vorbei, bevor es richtig losging. 

Irgendwann waren die Schmerzen meiner Frau so stark, dass sie eine Peridualanasthäsie brauchte. Drei-, viermal musste der behandelnde Arzt nachspritzen, um die Schmerzen zu lindern. Zu sehen, wie meine Frau leidet, war schwer. 

Ich machte mir Sorgen um sie, aber auch um unseren Sohn. Er lag nicht richtig im Geburtskanal, deshalb musste der Arzt ihn mit einer Saugglocke herausholen. Die Prozedur war schwierig, seine Herztöne wurden immer schwächer. Ich hatte Angst um seine Gesundheit – bis er endlich draußen war. Als Valentin dann in meinen Armen lag, war ich einfach nur glücklich und erleichtert. Und verdammt müde. 

Aaron, 27, studiert Maschinenbau

(Bild: Philipp Awounou)

Ein Kind zu gebären ist echt eine krasse Leistung. Als wir nachmittags im Kreißsaal ankamen, habe ich erstmal Musik angemacht. Für Krankenhausverhältnisse war der Raum ziemlich gemütlich gestaltet. 

Ich habe direkt ein paar Erinnerungsfotos geschossen und versucht, meine Freundin durch Plaudern abzulenken. Ich handelte die meiste Zeit intuitiv. 

Es gab zum Beispiel immer wieder diesen Moment, in dem meine Freundin mir in die Augen geschaut hat und ich wusste: Jetzt kommt die nächste Wehe. Sobald sie dann den Bauch anspannte, spannte ich auch meinen an. Sobald sie losschrie hat, brüllte ich mit. 

Ich dachte mir: Ist ja blöd, wenn sie allein rumschreit.
Aaron

Die Hebamme fand unsere Teamarbeit ziemlich gut, sie lobte uns. Trotzdem kam ich als Mann an meine Grenzen: Deine Freundin schreit dich an, du selbst bist bereit, alles zu tun, um ihr die Schmerzen nehmen. Aber das geht eben nicht. 

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie qualvoll eine Geburt für eine Frau in einem Entwicklungsland sein muss, ohne Ärzte und Hebammen. 

Irgendwann am Abend ging es kaum noch voran, die Geburt stagnierte. Meine Freundin bekam schließlich Schmerzmittel. Sie wirkten so stark, dass sie einschlief – und ich mit ihr. 

Im Nachhinein ist das schon komisch: Inmitten der Geburt unseres Sohnes haben wir zwei Stunden gepennt. 

Als wir aufwachten, ging alles ganz schnell. Auf einmal war Arno da – unglaublich, wie klein neugeborene Babys sind! Ich durfte die Nabelschnur durchschneiden und ihn im Arm halten. Das war ein besonderer Augenblick: Ich habe Arno ja nicht neun Monate lang im Bauch getragen wie meine Freundin. Für mich wurde er erst in diesem Moment real.

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Grün

Hambacher Forst: Polizei räumt Protestcamp von "Ende Gelände", reißt Zelte ab
Weitere Proteste am Wochenende

Die Polizei hat ein Protestcamp von "Ende Gelände" in der Nähe des Hambacher Forstes am Mittwochabend geräumt und zusammen mit RWE-Mitarbeitern Zelte abgebaut. Das Camp befand sich auf einem ehemaligen Sportplatz in Manheim, rund 40 Minuten vom S-Bahnhof Buir.

  • Einige Aktivisten hätten passiv Widerstand gegen die Räumung geleistet. Von Dutzenden Aktivisten seien Personalien aufgenommen worden, anschließend hätten sie einen Platzverweis bekommen.
  • Rund ein Drittel der etwa hundert Aktivisten dort hätten das Camp in Kerpen-Manheim zuvor freiwillig verlassen, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen.
  • Das Zeltcamp war auf einem ehemaligen Sportplatz ohne Zustimmung des Energiekonzerns RWE auf dessen Gelände errichtet worden. Das Unternehmen hat laut Polizei Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt.
  • Die Polizei hatte mehrere Hundertschaften zusammengezogen. Den Demonstranten sei angeboten worden abzuziehen, wenn sie die größeren Zelte des Camps zurücklassen, damit sie nicht an anderer Stelle wiederaufgebaut werden können.