Wehe, wenn mir noch einer mit der Konsum-Kapitalismus-Keule kommt

Ja, ich bin einer dieser Menschen. Einer, der am Sonntagabend lieber eine Schnulze statt Tatort guckt. Einer, der mit dem Finger Herzen an die Duschwand malt. Und einer, der im Supermarkt einfach nicht an diesem glitzernden Schoko-Froschkönig mit dem Glöckchen um den Hals vorbeigehen kann.

Am 14. Februar werde ich ihn meinem Freund überreichen. Dafür werde ich einen innigen Kuss und ein knappes Danke bekommen, dann landet der Frosch auch schon im Kühlschrank. Dort verbringt er etwa ein halbes Jahr, bis er nach einer durchtanzten Partynacht geköpft wird. Es war nichts anderes mehr da.

Ich bin einer dieser Menschen: Ich liebe den Valentinstag.

Nein, ehrlich. Auch wenn mein Freund Schokolade in Tafelform appetitlicher findet als den Froschkönig. Und auch wenn andere die Euphorie nicht teilen, von Kitsch und Konsum reden. Mir egal.

Denn: Alle wollen mehr Liebe auf der Welt. Und wenn sie uns dann im Schaufenster, in YouTube-Videos und der Facebook-Timeline begegnet, können wir sie plötzlich nicht ertragen?

Mich nervt es, wenn Freunde den Tag als Werbemaßnahme der Pralinen-Industrie abtun: "Kauf doch was Vernünftiges von deinem Geld", sagen sie dann. Wenn ich mal wieder vor dem Schokoregal oder dem Schaufenster mit Eimern voller roter Rosen stehen bleibe und am liebsten gleich alles mitnehmen würde. <3

(Bild: Katharina Hölter)

Blumen und Pralinen sind schön, aber ein aus der Mode gekommener Luxus. Sie haben keine politische Botschaft, sind kein feministisches Statement, dienen nicht deinem Nachhaltigkeitsimage – sondern zeigen einfach nur: Ich mag dich!

Kann es etwas Vernünftigeres geben, als sein Geld für die Liebe auszugeben?

Außerdem muss eine Liebesbotschaft gar nichts kosten. An Valentinstag geht es doch nur um eine kleine Aufmerksamkeit: ein fertig zubereitetes Frühstück im Bett, eine Markierung unter einem romantischen YouTube-Video, ein selbstgekritzeltes Bild – eben einen einzigen Rosamunde-Pilcher-Moment, in dem du beginnst zu lachen, dein Herz einen kleinen Sprung macht, du denkst: Das ist der richtige Mensch, mit dem ich zusammen bin.

Ja, wir müssten unserem Partner täglich sagen, dass wir ihn lieben. Aber tun wir es auch? Ist doch schön, wenn uns ein Tag mal wieder darauf aufmerksam macht.

Wer es weniger kitschig mag – hier singen britische Fußballfans für ihre Partnerinnen:
Schuld an meiner Zuneigung zum Valentinstag ist übrigens die Schule.

Jedes Jahr kamen zwei Oberstufenschüler mit einem Stapel roter Pappherzen zu uns in den Klassenraum. Irgendjemand hatte sich die Aktion überlegt, dass sich Schüler anonym per Botendienst eine Liebesnachricht senden können. Den Erlös haben die Organisatoren vermutlich auf ihrer Abifeier versoffen, aber Fakt ist: Jeder wünschte sich natürlich so ein Herz, doch die Karten reichten nicht für alle.

Also teilte sich die Klasse in zwei Lager – die einen arbeiteten mit enttäuschten Gesichtern schnell weiter an ihren Matheaufgaben, die anderen tuschelten den Rest der Stunde nur noch mit dem Sitznachbarn. Wer war wohl der verliebte Absender?

Meine Freundinnen und ich wollten unbedingt zu Gruppe zwei gehören und halfen ein bisschen nach. Im nächsten Jahr ging keiner leer aus, denn wir hatten uns einfach untereinander geschrieben und es niemandem verraten.

Daraus habe ich zwei Sachen gelernt: Vergesst an Valentinstag nicht, euren Single-Freunden eine kurze Nachricht zu schicken. Und: Um deinen Schwarm zu erobern, helfen auch rote Pappherzen.

Mein Freund bekommt noch heute welche. Sie hängen über seinem Schreibtisch – er mag sie lieber als Schokofrösche.

Was sagst du zum Valentinstag?


Art

Diese Mauer in Kanada verbindet Menschen, anstatt sie zu trennen
Und warm hält sie auch noch.

Die meisten Menschen lachen, wenn sie gegen diese Mauer anrennen. Viele tun es immer wieder. Denn die Kunstinstallation "Open Border" steht auf einer Eislaufstrecke und ist in alle Richtungen durchlässig. Mit der Aktion wollen die niederländischen Künstler des Ateliers ARI gegen die Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump protestieren. Trump hatte angekündigt, eine Mauer zwischen Mexiko und den USA bauen zu lassen (bento).