Bild: Unsplash

Sie kommen einfach nicht: Unterschiedliche Studien (zum Beispiel diese) zeigen, dass Frauen seltener einen Orgasmus haben als Männer. Wissenschaftler nennen das den "Orgasm Gap". Aber muss das so bleiben?

Liegt es in heterosexuellen Beziehungen daran, dass der angeblich so komplizierte weibliche Körper für Männer schwer zu verstehen ist? Oder ist es etwa anatomisch bedingt?

Nein, es ist viel simpler: Glaubt man Sexualtherapeuten, können Frauen lernen, mehr zu spüren. 

Dania Schiftan betreibt seit etwa elf Jahren ihre eigene Praxis. Vorher forschte sie und arbeitete in Kliniken. Sie ist der Meinung: Frauen investieren deutlich weniger in ihren Genuss als sie könnten. Also leitet sie mit einer Kollegin eine Orgasmusgruppe, in der Frauen ihren Körper besser kennenlernen und hat nun den Ratgeber "Coming Soon: Orgasmus ist Übungssache" geschrieben. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Im Gespräch mit Freundinnen höre ich oft, dass sie beim Sex nicht jedes Mal kommen. Und auch, dass viele es noch nie ohne direkte Stimulation der Klitoris geschafft haben. Es sind Sätze dabei wie: "Das geht bei mir einfach nicht" oder "Ich kann meinen Kopf nicht abschalten". Ist es wirklich so, dass das bei manchen nicht funktioniert?

Dania Schiftan ist Sexual- und Psychotherapeutin und kommt aus der Schweiz.

(Bild: privat)

Dania Schiftan: "Um mit einem Vorurteil schon mal aufzuräumen: Der sogenannte 'vaginale Orgasmus' geschieht nie ganz ohne die Klitoris. Denn die Klitoris hat Schenkel, die um die Vagina herum reichen – sie ist viel mehr als dieser kleine Knopf. Daher: Immer, wenn es um die Vagina geht, wird die Klitoris mit stimuliert.

Aber zur Frage: Nein, das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Total bescheuert! Jede Frau kann vaginal zum Orgasmus kommen. Doch das muss man erst trainieren."

Was meinen Sie mit "trainieren"?

"Ich meine: Frauen, bei denen 'es nicht klappt', haben sich vermutlich kaum in der Vagina angefasst, sich kaum dort stimuliert. Bei vielen Frauen gilt: Wenn sie sich selbst befriedigen, dann meistens außen und nicht in der Vagina. Dadurch entstehen im Inneren der Vagina keine Nervenverbindungen zum Gehirn. Wie soll die Vagina Gefühle hergeben, wenn sie dies nie gelernt hat? 

Damit muss man sich nicht abfinden, man kann es ändern. Doch wenn man die Einstellung hat 'Ich kann das nicht, aber ist schon okay', dann investiert man auch nichts in das eigene Empfinden."

Die Klitorisspitze ist also bei den meisten Frauen eine gute Bekannte und dadurch auf Empfindungen trainiert. Welche Bereiche können bei Frauen noch Erregung auslösen?

"Ganz banal gesagt: Alle. Dazu sind Untersuchungen interessant, die gemeinsam mit Querschnittsgelähmten durchgeführt wurden. Selbst Ohrläppchen können demnach auf mehr Empfindsamkeit sensibilisiert werden. Unser Körper ist ein unglaubliches Wunderwerk, er hat überall Nervenenden, die sich theoretisch mit dem Gehirn verknüpfen lassen. Doch die Hirnforschung zeigt, dass wir nur einen Bruchteil unseres Gehirns nutzen. Wir haben unendliches Potenzial, das wir nicht nutzen.

Grundsätzlich ist also das gesamte Geschlecht hoch erregbar – nicht nur Bereiche, wie der 'G-Punkt', über den schon so viel geschrieben wurde. Das Wichtigste ist: Je mehr ich meinen Körper anfasse und bewege, desto mehr lerne ich auch, meinen Körper zu spüren."

"Coming soon: Orgasmus ist Übungssache" kann man hier bestellen.

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Es gibt also Übungen, mit denen man diese Verbindungen zwischen Körperteil und Gehirn stärken kann. Wie muss man denn Körperregionen berühren, damit die am Ende sexuelle Erregung auslösen können – muss die Berührung immer im sexuellen Kontext sein?

"Ja, aber erst im im zweiten Schritt. Viele Frauen, mit denen ich arbeite, sagen: 'Ach, ich übe jetzt nicht weiter, denn das fühlt sich nicht erregend an.' Sie gehen die Sache falsch an. Erstmal muss man die Wahrnehmung des Körperteils allgemein steigern – egal mit welchen Absichten. 

Sprich: Wenn man das eigene Geschlecht gut zu spüren lernt, dann merkt man später beim Sex oder der Selbstbefriedigung, dass es plötzlich viel mehr hergibt."

Womit könnte man am einfachsten beginnen, um den eigenen Körper mehr zu spüren?

"Es kommt sehr darauf an, wo die Leute stehen. Manche sagen: 'Sex und Geschlecht finde ich total eklig, damit möchte ich mich gar nicht beschäftigen.' Da helfen ganz kleine Übungen. Zum Beispiel: Die Zeit beim Duschen verlängern und das eigene Geschlecht mit der Hand waschen, anstatt mit einem Schwamm oder dem Duschkopf.

Wenn aber jemand sagt, 'Mein Geschlecht finde ich gut, ich fasse es gerne an, ich möchte nur lernen, bei der Selbstbefriedigung mehr zu spüren', dann braucht es andere Übrungen. Zum Beispiel von der bewährten Methode leicht abzuweichen, etwas langsamer oder etwas mehr nach links – was auch immer.

An welchem Punkt man sich persönlich befindet, muss jeder selbst herausfinden und davon ausgehend die jeweiligen Schritte machen."

Wer an der eigenen Erregbarkeit arbeitet, dessen sexuelles Verlangen bleibt auch eher während einer kleinen Krise mit der Partnerin oder dem Partner bestehen – so die Theorie des Buches.

(Bild: Nicole Kim)

Warum bestehen diese Nervenverbingungen bei Männern automatisch und Frauen müssen dies erst trainieren?

"Das ist ein weiterer Mythos. Männer haben einfach viel mehr trainiert. So wie viele Frauen ihre Klitoris gut kennen, kennen Männer ihren Penis sehr gut. Männer haben es einfacher, weil sie in vielen Situationen ihren Penis anfassen – zum Beispiel mehrmals täglich beim Pinkeln. Und auch bei der männlichen Selbstbefriedigung ist alles viel greifbarer, wortwörtlich. Das ist auch die Kernaussage des Buches: Je mehr man bestimmte Körperregionen anfasst, desto mehr entwickelt sich die Empfindung. Das hat nichts mit 'Kopf abschalten' und all diesen unnützen Tipps zu tun, die Frauen immer bekommen."

Bei Männern klappt ja auch nicht immer alles. Was können sie tun?

"Stimmt. Viele Männer, die ich in der Praxis sehe, haben zwar für die Selbstbefriedigung ihre Methode gefunden, die funktioniert, aber viele haben Bedarf im Genussbereich. Ich höre beispielsweise immer wieder von Männern, die nicht kommen können, zu früh kommen, mit Kondom nicht kommen können oder bei denen es nicht mehr klappt, wenn sie älter werden. Da kann es helfen, sich Beratung zu suchen und zu informieren.

Wenn ein Mann beispielsweise bei der Selbstbefriedigung an einen festen Händedruck und eine bestimmte Geschwindigkeit gewöhnt ist, dann würde es dieser Person helfen, das Repertoire zu erweitern, den eigenen Körper besser kennen zu lernen und am Ende durch mehr Empfindungen auch mehr vom Sex zu haben."

Einige Ihrer Patientinnen erzählen auch von negativen Gefühlen, die sie während des Sex ihrem Partner gegenüber haben. Woher kommen die?

"Meistens geht es dabei gar nicht konkret um den Partner oder die Partnerin. Wenn eine Frau beim Sex nur erregt werden kann, wenn die andere Person beispielsweise rechts von der Klitoris auf bestimmte Art reibt und sie sehr eingeschränkt ist auf genau diese Handbewegung, dann ist das ein Problem. Je spezialisierter eine Frau ist, desto mehr ist sie darauf angewiesen, dass alles genau stimmt. 

Häufig liegen Frauen da und ärgern sich, dass das Gegenüber es einfach nicht richtig macht – anstatt das eigene Repertoire an Gefühlen zu erweitern."

Auch ist es für den weiblichen Orgasmus nicht besonders hilfreich, immer nur passiv zu sein. Wer nur daliegt und den Beckenboden anspannt, um zum Orgasmus zu kommen, empfindet oft negative Gefühle gegenüber der Partnerin oder dem Partner – reine Biologie, so das Buch. Wer sich allerdings bewegt, wechselt zwischen den Stadien und hat mehr Chancen auf ein schönes Erlebnis.

(Bild: Nicole Kim)

Letzte Frage: Alle Beispiele in dem Buch sind heterosexuelle Beziehungen. Was ist mit gleichgeschlechtlichem Sex?

"Das Buch ist für alle Arten von Beziehungen gedacht. Es richtet sich vorrangig an Frauen. Egal, mit wem die Frau in einer Beziehung ist, sie kann lernen, sich um sich selbst zu kümmern. Egal mit wem man am Ende ins Bett geht: Zunächst muss man üben. 

Anhand der Beispiele gebe ich Männern die Möglichkeit, ebenfalls lernen. Denn viele Männer scheuen sich davor, selbst Ratgeber-Bücher zu lesen. Es ist ein kleiner Trick von mir. Vielleicht blättert der eine oder andere Mann mal durch, wenn es bei der Freundin auf dem Nachttisch liegt."


Gerechtigkeit

Die Studenten, die McDonalds einen Streich gespielt haben, bekommen jetzt 50.000 Dollar dafür
Drei Fragen, drei Antworten und eine riesige Überraschung

Zwei Stundenten aus den USA haben McDonalds einen Streich gespielt – und werden jetzt auch noch dafür belohnt.

Wie kam es dazu?

Jevh und Christian aus Houston, Texas haben ein Poster von sich einer McDonalds-Filiale aufgehängt – und zwei Monate lang hat es niemand gemerkt.

Erst als die beiden mit ihrem Streich an die Öffentlichkeit gingen, fiel auf, dass das Bild an der Wand gar keine von McDonalds-Werbung ist. (bento)     

Dafür haben die beiden keine Kosten und Mühen gescheut.
Sie stellten ein typisches Stockfoto mit Burger und Pommes in der Hand nach, bearbeiteten es so, dass es zu den anderen Bildern in der Filiale passte, ließen es drucken und hängten es schließlich heimlich auf. Um nicht aufzufallen, verkleidete sich Jevh sogar als McDonalds-Mitarbeiter.