Den meisten Menschen macht der Tod Angst, sie meiden das Thema, wollen nicht mal darüber nachdenken. Doch es gibt Menschen, die können gar nicht anders, als sich mit dem Tod auseinanderzusetzen: Männer und Frauen, die beruflich mit Toten zu tun haben – freiwillig. Sie arbeiten im Altenheim, Krankenhaus und im Bestattungsinstitut.

Wie geht es ihnen dabei? Wir haben sie gefragt.
Anne, 30
Anne, 30, lebt in Dresden und ist seit 13 Jahren Altenpflegerin

"In meinem zweiten Ausbildungsjahr bekam eine Bewohnerin einen Herzinfarkt, als ich sie ins Bett brachte. Ich habe sofort meine Kollegin gerufen, nach wenigen Minuten war auch der Notarzt da. Er könne nichts mehr tun, sie sei schon tot, sagte er.

Ich fing an zu weinen, sagte, dass er trotzdem etwas versuchen soll. Er nahm sich Zeit und erklärte mir, dass nichts mehr helfen würde.

Mit den Jahren bin ich etwas ruhiger und gelassener geworden. Vor allem in der Altenpflege weiß man, dass die Menschen ins Heim kommen und ihre letzten Lebensjahre dort verbringen. Die meisten verlassen uns nicht mehr lebend.

Ich sage mir immer, dass viele ein langes und erlebnisreiches Leben hatten. Viele Bewohner wünschen sich auch den Tod. Im ersten Moment respektiere ich das, dennoch versuche ich, ihnen Hoffnung zu geben, indem ich sie zum Beispiel an ihre Enkelkinder erinnere.

Wenn einer unserer Bewohner gestorben ist und ich ihn gut kannte, dann gehe ich meist in sein Zimmer, um mich zu verabschieden. Das hilft mir, damit umzugehen. Außerdem spreche ich mit Kollegen. Aber auch nach so vielen Jahren geht mir der Tod noch immer nah. Vor allem, wenn ich eine Person beim Sterbeprozess begleitet habe."

Kerim, 25
Kerim, 25, studiert Flugzeugbau in Hamburg – nebenbei hilft er im Bestattungsinstitut seines Vaters

"An meinen ersten Tag im Bestattungsinstitut kann ich mich noch gut erinnern. Mein Vater ist seit knapp 20 Jahren selbstständiger Bestatter, mit 16 habe ich angefangen, ihm zu helfen. An diesem Tag hatten eine Mutter und ein Vater angerufen, ihr Kind war bei einem Autounfall gestorben.

Eine Bestatterin fotografiert Menschen, die nicht tot sind – auf ganz besondere Weise:
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Das war natürlich sehr emotional. Anfangs haben mich solche Gespräche bedrückt – mit der Zeit habe ich aber gelernt, die Gefühle etwas auszuschalten. Man stumpft nicht direkt ab, aber man versetzt sich nicht mehr so stark in die Situation der Angehörigen hinein wie zu Beginn. Man versucht, objektiver zu sein.

Mein Vater ließ mich erst sehr spät eine Leiche waschen, das ist im ersten Moment sehr komisch. Aber mit der Zeit geht es – auch wenn es mir manchmal immer noch schwerfällt."

Rieke, 21
Rieke, 21, studiert Medizin in Potsdam – und arbeitet auf einer onkologischen Station

"In meinem Freiwilligen Sozialen Jahr arbeitete ich auf einer onkologischen Station, hier werden Krebspatienten behandelt. Schon nach ein paar Tagen betreute ich einen Mann mit Hirntumor, er war halb bewusstlos, konnte nicht mehr richtig sprechen und redete wirres Zeug. Er ist kurz darauf gestorben. Anfangs war ich oft traurig, wenn jemand gestorben ist. Aber aus der Traurigkeit ist ein Interesse geworden – deswegen studiere ich jetzt auch Medizin. Das hat mir geholfen, damit umzugehen.

Neben dem Studium helfe ich immer noch auf der Onkologie- und Palliativstation, dort möchte ich auch nach dem Studium arbeiten. Ich möchte schwer kranken Menschen helfen – oder zumindest ihren Tod angenehmer gestalten.

Bekannte und Freunde schreckt dieser Wunsch oft ab. Klar, viele sind verwundert, meist sagen sie, dass sie es nicht könnten. Meine Familie fragt mich oft, ob mir das nicht alles zu viel wird. Ich glaube, jeder hat Angst, dass jemand aus der Familie oder aus dem Freundeskreis stirbt. Aber vielleicht kann ich dann die Person sein, die Antworten gibt."

Jonika, 20
Jonika, 20, lebt in Essen und macht eine Ausbildung zur Krankenschwester

"Schon in meiner Heimat Südafrika arbeitete ich freiwillig in einem Krankenhaus. Nach meiner Au-Pair-Zeit in Deutschland machte ich deswegen einen Bundesfreiwilligendienst im Krankenhaus. Das gefiel mir – jetzt mache ich eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Einmal waren während meines Bundesfreiwilligendienstes morgens um 6 Uhr in einem Zimmer schon die Lichter an – ein Patient war gestorben. Ich hatte ihn in den Wochen zuvor gepflegt.

Ich versuche immer, Distanz zwischen Arbeit und Privatleben zu halten. Wenn die Angehörigen weinen, muss man professionell wirken. Es hilft mir wenig, wenn ich jeden Todesfall mit nach Hause nehme und ewig darüber nachdenke. Das würde mich nur noch mehr bedrücken.

Ich musste aber erst lernen, mit Todesfällen auf der Arbeit umzugehen. Anfangs hat mich das mehr mitgenommen. Heute fällt es mir gerade bei Jüngeren immer noch schwer. Denn dann wird mir oft bewusst, dass der Tod jeden treffen kann, dass der Tod kein Alter kennt.

In meiner Ausbildung sprechen wir natürlich auch über Tod. Anders ist es bei meinen Freunden im privaten Umfeld: Mit ihnen kann ich nicht gut darüber sprechen. Dabei sollte Tod kein Tabu-Thema sein. Darüber zu sprechen befreit und hilft, damit umzugehen."

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Das war Mord: Hartes Urteil nach illegalem Autorennen

Dieses Urteil ist eine deutliche Ansage: Zwei Männer sind am Montag in Berlin wegen Mordes verurteilt worden. Lebenslange Haftstrafe, 25 Jahre Gefängnis, lebenslange Führerscheinsperre.

Die jungen Männer hatten sich nachts in der Berliner Innenstadt ein Rennen geliefert – mit bis zu 170 km/h und ohne Rücksicht auf rote Ampeln. Dabei crashte einer von ihnen seinen Audi in den Jeep eines 69-Jährigen, der noch im Wrack an den Folgen des Unfalls starb. (Welt)

Das Urteil des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig, die Verurteilten können in Berufung gehen. Es wäre das erste Mal, dass Raser wegen Mordes verurteilt werden. (Deutschlandfunk)