Denn sie können jeden betreffen.

Psychische Krankheiten können jeden betreffen – fast 30% der deutschen Erwachsenen leiden innerhalb eines Jahres an einer psychischen Störung. (Der Nervenarzt)

Und trotzdem sind psychische Probleme noch immer etwas, über das wenig gesprochen wird. Und worüber deshalb Missverständnisse, Vorurteile und Unsicherheiten in Umlauf sind.

Auf Twitter gibt es gerade einen Hashtag, der das ändern will: "ThingsYouShouldKnowAboutMentalIllness", also "Dinge, die du über psychische Krankheiten wissen solltest", heißt er. 

Darunter schreiben Menschen, die psychische Störungen haben oder hatten, was sie anderen darüber schon immer mal sagen wollten.

Begründerin der Aktion ist Hattie Gladwell. Die Britin hat eine bipolare Störung, Zwangsstörungen und Angststörungen. Sie setzt sich schon länger für einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen ein, auf ihren YouTube- und Twitter-Kanälen erzählt sie von ihrem Leben mit ihren Krankheiten.

In ihrem Ursprungspost schreibt sie:

Antwortet auf diesen Tweet mit einer Sache, von der ihr euch wünscht, dass andere sie über psychische Krankheiten wissen.

Ihr erster Beitrag:

Ich wünschte, Menschen wüssten, wie leicht es ist, sie zu verbergen. Wie leicht es ist, deinen Kampf hinter einem Lächeln zu verstecken. Und nur, weil ich "okay" aussehe, das nicht heißt, dass ich es bin.

Auf Hatties Aufruf folgten Tausende Antworten. Und wer sie liest, merkt, dass sich viele Menschen Ähnliches wünschen.

Oft sind es ganz grundsätzliche Dinge:

Traurig oder gestresst zu sein, ist nicht dasselbe, wie eine Depression oder eine Angststörung zu haben. Ordentlich zu sein bedeutet nicht, eine Zwangsstörung zu haben. Rede nicht die Krankheiten anderer Leute klein, indem du behauptest, an etwas zu leiden, wenn du es gar nicht tust.
Manche der intelligentesten, kreativsten, ehrgeizigsten Menschen sind psychisch krank. Manche der nettesten, mitfühlendsten und mutigsten Menschen haben psychische Krankheiten.
Psychische Krankheiten sind wie andere Krankheiten – manchmal minderschwer, manchmal kräftezehrend, manchmal ein Ärgernis, manchmal behandelbar, manchmal heilbar. Aber wie bei jeder physischen Krankheit, können Menschen nicht einfach "darüber hinweg kommen".
Psychische Krankheiten sind NICHT für jeden gleich. Jeder hat andere Gefühle und Gedanken.
Ich wünschte, Menschen wüssten, dass jeder mit jedem Hintergrund eine psychische Erkrankung haben kann. Und dass es dich als Person nicht definiert.
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Andere wollen mit Missverständnissen aufräumen.

Ich wünschte, mehr Leute wüsste, dass auch wenn man psychisch krank ist, man manchmal "gute" Tage hat. Ich habe es so satt, dass Menschen sagen "Aber gestern ging es dir doch gut!", wenn ich wieder einen schlechten Tag habe.
Nur, weil ich eine psychische Erkrankung habe, heißt das nicht, dass ich anders bin als du. Vielleicht siehst du mich nur während meiner Krise, aber ich bin auch eine normale 28-Jährige. Ich mag Boxen und Fußball. Ich liebe Welpen. Ich freue mich auf Weihnachten. Ich lache über alberne Sachen.
Was du aus TV, Filmen und Büchern kennst, ist nicht zutreffend. In Wahrheit sind psychische Krankheiten nicht lustig oder hübsch oder romantisch – sie sind hart und durcheinander und kompliziert.
Nur weil ich depressiv bin und eine Angststörung habe, heißt das nicht, dass ich nicht gut in meinem Job bin. Leider wurde ich in der Vergangenheit stigmatisiert, weil ich mich öffentlich geäußert habe, meine Geschichte erzählt habe. Es ist traurig, dass das in 2018 immer noch passiert.
Nur weil ich "stabil" bin, heißt es nicht, dass ich geheilt bin. Es heißt nicht, dass ich nicht jede Sekunde jeden Tages daran arbeite, meinen Kopf über Wasser zu halten.
Nur, weil ich nicht laut sage, wie ich mich fühle, heißt das nicht, dass ich es nicht erlebe. Meistens bin ich am leisesten, wenn meine Welt gerade in sich zusammen fällt.
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Viele wünsche sich einfach nur: ein bisschen mehr gegenseitiges Verständnis.

Ich wünschte, Menschen würden verstehen, dass ich mich nicht absichtlich so verhalte, wenn ich depressiv bin. Dass ich nicht aktiv versuche, anderen Schaden zuzufügen. Dass mir in dem Moment nicht klar ist, wie ich mich verhalte, und dass mein Urteilsvermögen und mein gesamter Kopf getrübt ist.
Selbst die scheinbar fröhlichsten Menschen, die keinerlei Gründe haben, traurig zu sein, können Phasen haben, in denen sie mit Depressionen kämpfen.
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Manche Nutzer haben Tipps für den Umgang mit Betroffenen.

Wenn jemand zugibt, dass es ihm nicht gut geht, HÖR ZU. Nimm nicht an, dass er übertreibt, nur weil er es vielleicht durch ein Lächeln sagt.
Ich wünschte, dass Menschen wüssten, dass eine psychische Krankheit dich nicht zu einem schwachen Menschen macht. Ich hasse es, wenn Menschen mich mit Samthandschuhen anfassen, weil ich "zerbrechlich" bin. Ich bin nicht aus Glas. Ich kann das verkraften.
Ich wünschte, Leute würden verstehen, dass man eine psychische Erkrankung nicht heilen kann, indem man sagt "sieh’s mal positiv". Aber ein "Ich bin bei dir, du wirst wieder gesund werden" kann manchmal helfen.
Auch wenn ich an schlechten Tagen Unterstützung brauche, bin ich trotzdem mehr als fähig, an guten Tagen selbst Unterstützung zu geben.
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Und auch ein wichtiger Tipp an die Betroffenen selbst ist dabei:

#ThingsYouShouldKnowAboutMentalIllness If you are struggling reaching out for help is the right move. And if the support you get doesn't suit that's okay, you can shop around there's more than one path to wellness.

— Brydee Strang (@BrydeeBJJS) April 7, 2018
Wenn du dir schwer tust, ist es richtig, dir Hilfe zu suchen. Und wenn dir diese Hilfe nicht passt, ist es auch okay – du kannst weitersuchen, es gibt mehr als einen Pfad zur Genesung.

Die Aktion zeigt erneut: Über psychische Störungen gibt es noch immer viele Vorurteile, mit denen Betroffene konfrontiert werden. Sie sind auch deshalb nicht nur Probleme von Einzelnen – sondern ein Thema, dem sich unsere ganze Gesellschaft annehmen sollte.

Und je mehr wir alle darüber wissen, desto leichter wird es für alle Beteiligten.


Tech

Datenschützer werfen YouTube vor, illegal die Daten von Kindern zu sammeln
YouTube soll erst ab 13 sein – tatsächlich sind dort aber jede Menge Kinder unterwegs.

YouTube soll die persönlichen Daten von Kindern illegal weiter verwerten. 

Mehr als 20 Organisationen wollen bei der amerikanischen Verbraucherschutzbehörde FTC (Federal Trade Commission) eine Klage gegen die zu Google gehörende Videoplattform einreichen. (FAZ)

Wogegen klagen die Verbraucherschützer?

Der Vorwurf lautet, dass YouTube die Rechte von Kindern auf Privatsphäre und Datenschutze verletze. Das Google-Unternehmen soll persönliche Daten von unter-13-Jährigen gesammelt haben und dann mit zielgerichteter Werbung Geld verdient haben.

Josh Golin, Vorsitzender der "Kampagne für eine werbefreie Kindheit", wirft YouTube vor, spezielle Pakete mit Video-Content für unter-13-Jährige für Werbekunden zusammenzustellen. Die Organisation beruft sich beispielsweise auf Screenshots von "Barbie"-Werbeanzeigen, die zwischen Videos für Kinder abgespielt wurden. (New York Times)

Was sagt YouTube zu den Vorwürfen?

In einem Statement heißt es nur, das Unternehmen wolle sich die Vorwürfe genau ansehen. Der Schutz von Kindern und Familien habe oberste Priorität.