Reale Morde sorgen für exzellente Verkaufszahlen – was stimmt nicht mit den Leuten?

True Crime boomt seit Jahren. Seit dem Erfolg des US-amerikanischen "Serial"-Podcasts sind auch in Deutschland zahllose Formate über wahre Verbrechen an den Start gegangen. Serien, Podcasts, Magazine, Filme, Bücher, die Nachfrage ist groß und die Leute lesen die blutigen und schockierende Geschichten in der Badewanne, hören sie am Strand und in der U-Bahn.

In einem Land, das sich einmal pro Jahr eine alberne Debatte über die Gefahr von "Killerspielen" liefert, sorgen Erzählungen über Mord und Vergewaltigung für grandiose Verkaufszahlen.

Einige der True-Crime-Serien ("Der Unglücksbringer" und "Unbelievable") haben sich der Aufklärung von Justizskandalen verschrieben, oder wollen neuen Schwung in alte Ermittlungen bringen. Im Podcast "Death in Ice Valley" wurden die Hörerinnen und Hörer sogar miteinbezogen und konnten Fotos der Hinweise und Dokumente selbst in einem Internetforum einsehen. 

Doch viel zu oft setzen True-Crime-Formate auf Voyeurismus und Schock. Die Nacherzählungen glorifizieren den Täter – wie beispielweise den Serienmörder Ted Bundy in der aktuellen Verfilmung mit Zac Efron – während sie die Opfer und deren Angehörige in den Hintergrund drängen. Und obwohl es laut polizeilicher Kriminalstatistik in Deutschland immer sicherer wird, steigt heutzutage die Angst vor Verbrechen. 

Im Video oben erfährst du mehr darüber, warum der True-Crime-Hype ein fraglicher Trend ist. 


Gerechtigkeit

Thüringer Juli-Chef: "Ich bezeichne mich nicht als Antifaschist"
Ein Interview über das Verhalten der FDP und mögliche Neuwahlen.

Am Mittwoch wurde Thomas Kemmerich mit Hilfe der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt, noch am selben Abend gingen Tausende gegen die Wahl auf die Straße, am Donnerstag kündigte der Liberale an, er werde sich zeitnah zurückziehen. 

Die 25 Stunden zwischen der Wahl Kemmerichs und seinem Rückzug werden das ostdeutsche Bundesland noch lange beschäftigen. 

Vor allem die FDP muss sich erklären: Kann sich die Demokratie noch auf eine Partei verlassen, deren Vertreter sich von Rechtsextremen ins Amt wählen lassen? 

Schon gestern schienen die Liberalen in dieser Frage zerrissen: Vorsitzende mehrerer Landesverbände und verschiedene Spitzenpolitiker forderten ihren Parteifreund Kemmerich auf, sein Amt wieder abzugeben und Neuwahlen zu ermöglichen. Der junge Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle sprach vom "Gift des Faschismus". 

FDP-Chef Lindner verteidigte die Wahl dagegen – nur um einen Tag später nach Thüringen zu reisen und den Rückzug des von ihm unterstützten Ministerpräsidenten zu erreichen. (SPIEGEL)

Philip Riegel, der Thüringer Vorsitzende der Jungen Liberalen findet die Kandidatur Kemmerichs anders als seine Parteispitze immer noch richtig. Wir haben den 26-jährigen Lehramtsanwärter aus Erfurt gesprochen.

bento: Die FDP hat am Mittwoch einen Ministerpräsidenten ins Amt gebracht, der mit den Stimmen der AfD gewählt wurde. Einen Tag später kündigte Thomas Kemmerich nach anhaltender und massiver Kritik an, dass er sich zurückziehen wird. Kann er politisch noch eine Rolle spielen?

Philip Riegel: Das kann ich jetzt noch nicht sagen, wir werden in den kommenden Tagen darüber reden. Ich möchte erst einmal klären, warum genau er sich zu diesem Schritt entschlossen hat. 

bento: Ist das nicht offensichtlich?

Philip Riegel: Ich finde es immer noch richtig, dass Thomas Kemmerich sich gestern zur Wahl gestellt hat und das Amt angenommen hat. Ich kann es gut verstehen, wenn ihm die Proteste zu nahe gehen.