Bild: Daniel Reinhold
Influencerin Samantha Justus und ihr (Ex-)Mann Oleg im Interview über ihre softe Trennung

Vor einem Jahr beschlossen Samantha (30) und Oleg Justus (32), dass ihre Ehe gescheitert ist. Die Influencerin und der Personal Trainer machten ihre Trennung nach knapp drei Jahren Beziehung öffentlich. 

Während andere Ex-Partner im Streit auseinandergehen, entschlossen sich die beiden zugunsten ihres gemeinsamen Sohnes Ilja, die Trennung gemeinsam zu durchleben – und ein freundschaftliches Verhältnis zueinander aufzubauen. In der Psychologie ist diese friedliche Trennung unter dem Begriff "Conscious Uncoupling" bekannt. 

Im Interview erzählen Samantha und Oleg, wie es ihnen gelungen ist, die negativen Gefühle beiseite zu schieben und warum nicht alle Menschen in ihrem Umfeld mit Verständnis darauf reagieren. 

bento: Eure Trennung ist nun knapp ein Jahr her. Wie geht ihr heute miteinander um? 

Samantha Justus: Seit wir die Trennungsphase überwunden haben, verstehen wir uns viel besser. Wir haben gemerkt, dass Egoismus in dieser Konstellation nichts bringt, da wir ewig Eltern sein werden und man allein an seine Grenzen stößt. Wir wechseln uns ab, damit der andere zum Beispiel zum Sport gehen kann, oder helfen uns, indem wir füreinander einkaufen. 

Oleg Justus: Mittlerweile unternehmen wir regelmäßig etwas zusammen mit Ilja, zum Beispiel gemeinsame Ausflüge in den Tierpark. Im Dezember sind wir sogar einige Tage mit ihm in den Urlaub gefahren und haben die Feiertage zusammen verbracht. Das funktioniert ganz gut. 

Conscious Uncoupling

Für den Weg, den Samantha und Oleg eingeschlagen haben, gibt es in der Psychologie einen Fachbegriff: "Conscious Uncoupling" – auf Deutsch so viel wie "bewusstes Ent-paaren". Die amerikanische Beziehungs- und Familientherapeutin Katherine Woodward Thomas hat den Begriff geprägt und entsprechende Ratgeber herausgebracht. Dabei gehen Betroffene Schritt für Schritt gemeinsam durch die schmerzhafte Auflösung einer Partnerschaft. Indem beide Partner Verantwortung annehmen und den Trennungsprozess bewusst gestalten, soll es möglich werden, negative Gefühle loszulassen und positiv in die Zukunft zu blicken. Die Methode wurde weltweit durch die Trennung der Schauspielerin Gwyneth Paltrow und dem Sänger Chris Martin bekannt. 

bento: Warum habt ihr als Paar nicht funktioniert? 

Samantha: Ich glaube, wir haben nie richtig darauf geachtet, ob wir wirklich zusammenpassen. Erst als ich ungeplant schwanger wurde und wir plötzlich mehr Zeit miteinander verbrachten, zeigte sich, wie unterschiedlich wir eigentlich sind. 

Oleg: Mein Fokus lag auf der Arbeit und nicht bei meiner Partnerin. Außerdem gehen wir beide ganz unterschiedlich mit Stress um. Sam ist sehr impulsiv und will alles ausdiskutieren, ich bin das Gegenteil und sehe viele Dinge gelassen. Für sie kam das oft so rüber, als sei mir alles egal. 

bento: Wann habt ihr begriffen, dass es endgültig aus ist? 

Samantha: Das war ein längerer Prozess. Nach der Geburt unseres Sohnes hat sich herauskristallisiert, wie schwer es werden würde. Wir haben uns sehr viel gestritten. Das Scheitern nach nur einem Jahr Ehe zu akzeptieren, fiel mir jedoch unheimlich schwer. 

Oleg: Ich habe etwas eher als Sam erkannt, dass es nichts mehr bringt und es zwangsläufig auf eine Trennung hinausläuft. Für mich hätte da auch eine Paartherapie oder Ähnliches nichts mehr gerettet. 

(Bild: Laura Matzen)

bento: Wolltet ihr von Anfang an ein gutes Verhältnis zueinander aufbauen? Direkt nach einer Trennung ist das sicherlich nicht leicht. 

Oleg: Das stimmt, gerade weil ich die ersten Wochen nach der Entscheidung weiterhin mit in der Wohnung gelebt habe. Es war nicht einfach, sich vor unserem Sohn zusammenzureißen.

Samantha: Wäre Ilja nicht gewesen, hätten wir diesen Weg wahrscheinlich nicht eingeschlagen. Ich war eigentlich nie der Typ dafür, weiterhin mit den Ex-Partnern befreundet zu sein. In dieser Zeit kamen aber unheimlich viele Ängste hoch, wie man das künftig allein schaffen soll. Wir haben versucht, uns einigen guten Freunden anzuvertrauen, aber das Ganze nicht zu zerreden, damit es nicht weiter hochkocht.

bento: Was habt ihr getan, damit sich das Verhältnis wieder entspannt? 

Samantha: Kurz nach der Trennung haben wir zwei Wochen komplett Abstand voneinander gehabt. Ich habe angefangen, mein eigenes Verhalten stark zu reflektieren und auch mal Dinge herunterzuschlucken, anstatt in kritischen Situationen immer wieder nachzulegen. Man muss lernen, die eigenen Gefühle nicht immer in den Vordergrund zu stellen. Als Oleg ausgezogen ist, habe ich außerdem unsere gesamte Wohnung umgestaltet. Das hat mir zusätzlich geholfen. 

Oleg: Und am wichtigsten: Wir haben uns an einen Tisch gesetzt, um Dinge zu besprechen.  

bento: Eure Art der Trennung bezeichnen Psychologen als "Conscious Uncoupling". Habt ihr dieses Konzept bewusst gewählt? 

Samantha: Ich bin erst darauf gestoßen, als wir schon mitten in dem Prozess waren. Mir hat das aber unglaublich geholfen, weil ich durch die viele Kritik von außen teilweise dachte, wir wären nicht normal. Denn aus unserem Umfeld kamen auch viele kritische Stimmen. Einige Freunde und Familienmitglieder waren sich sicher, dass wir es auf Dauer nicht durchhalten würden oder es mit neuen Partnern nicht umsetzbar ist.

Es war deshalb schön, von Experten darin bestätigt zu werden, dass es in Ordnung ist, den Groll gegen den Ex abzulegen und ich würde mir wünschen, dass mehr Paare sich nach diesem Prinzip trennen würden.  

bento: Euer Sohn ist nun fast zwei Jahre alt. Habt ihr das Gefühl, euer gutes Verhältnis wirkt sich auf ihn aus? 

Samantha: Ilja ist dadurch definitiv entspannter. Als wir noch zusammen waren und viel gestritten haben, hat er teilweise schlecht geschlafen und war oft quengelig. Selbst wenn man sich nicht direkt vor seinen Kindern streitet, spüren sie die schlechten Vibes. 

bento: Samantha, du arbeitest hauptberuflich als YouTuberin und Influencerin. Auch du, Oleg, bist auf Instagram sehr aktiv. Dort zeigt ihr euch nach wie vor zusammen. Kommt das gut an? 

Samantha: Viele Follower haben das gerade am Anfang nicht verstanden und uns immer wieder eine Fake-Trennung vorgeworfen. Das hat uns gezeigt, wie ungewöhnlich so eine Bindung offenbar ist. Ich pushe Oleg aber gerne – auch beruflich – weil das letztendlich unserem Kind zugutekommt. Außerdem unterstützt er mich sogar dabei, Zeit mit meiner neuen Bekanntschaft zu verbringen, indem er währenddessen auf Ilja aufpasst.

Oleg: Um ehrlich zu sein, bin ich es mittlerweile leid, dagegen anzureden oder mich dafür zu rechtfertigen. Die Leute denken immer, da muss doch noch etwas laufen. Das ist aber nicht so. Sam gehört als Mutter meines Kindes zu meinem Leben dazu. Das wird auch so bleiben, wenn eine neue Partnerin dazukommt. 

bento: Apropos neue Partner. Ist das bei euch aktuell ein Thema und wenn ja, wie stehen diese zu eurem guten Verhältnis? 

Oleg: Ich bin momentan nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung. Ich konzentriere mich auf meinen Job und auf Ilja. Trotzdem merke ich, wie schwer es Frauen fällt, das gute Verhältnis zu Sam zu akzeptieren. 

Samantha: Bei mir ist das akuter. Ich bin gerade dabei, einen potenziellen neuen Partner kennenzulernen und für ihn ist es ungewohnt, dass mein Ex-Partner noch so in mein Leben involviert ist. Einiges, was zur Gewohnheit geworden ist, müssen wir bei neuen Beziehungen wieder beschränken. Zum Beispiel hat Oleg noch einen Schlüssel zu unserer Wohnung, weil er Ilja manchmal ins Bett bringt, wenn ich noch beim Sport oder verabredet bin.

Momentan trenne ich noch mein Leben als Mutter und ein Leben mit einem Partner. Oleg und ich wollen uns aber nicht verbieten lassen, etwas gemeinsam mit unserem Sohn zu unternehmen. Im Idealfall kommen die neuen Partner irgendwann einfach mit. 


Gerechtigkeit

Anne Helm über Neonazi-Anschläge in Neukölln: "Einmal wurde mein Briefkasten gesprengt"
Im Interview spricht die Linken-Politikerin über ihren Alltag und neue Erkenntnisse.

Es passiert immer wieder, seit Jahren. Im Berliner Stadtteil Neukölln werden Autos angezündet. Morddrohungen, rechtsextreme Parolen und Hakenkreuze an Hauswände geschmiert. Scheiben von Galerien und Cafés eingeworfen. Ziel der Attacken sind Menschen, die sich gegen rechts engagieren, Politikerinnen und Aktivisten. 

Seit 2016 wurden laut "Tagesspiegel" mehr als 50 rechtsmotivierte Angriffe in Neukölln verübt, 16 davon waren Brandanschläge. Schon davor gab es ähnliche Attacken. Aufgeklärt werden konnte bisher keiner der Fälle. Es gibt zwar Verdächtige aus der Neonaziszene, für Haftbefehle fehlen bislang aber konkrete Beweise. 

Ein kleiner Erfolg ist den Ermittlern jetzt immerhin gelungen. Es gelang, eine Festplatte zu entschlüsseln, die bei einem verdächtigen Neonazi beschlagnahmt worden war. (RBB) Darauf fand sich offenbar eine "Feindesliste" mit Namen und Adressen. Nach Informationen des Rundfunk Berlin-Brandenburgs finden sich die Daten von Personen "im niedrigen zweistelligen Bereich" auf der Liste. 

Eine von ihnen ist Anne Helm. Die 33-jährige Politikerin sitzt für Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus. Auf Twitter veröffentlichte sie, dass das LKA sie darüber informiert habe, dass ihr Name seit 2013 auf der Liste stehe und auch ihre Privatadresse ausgespäht worden sei.