Unsere Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet.

Sofia, 25, fragt: 

Ich war fast acht Jahre lang nacheinander in zwei festen Beziehungen. Der Übergang war fließend. Jetzt bin ich Mitte 20, plötzlich Single – und weiß gar nicht mehr, wie das geht.

Gemeinsame Reisen, Familienfeiern, Geburtstage, Hochzeiten: All das habe ich immer mit meinem Freund gemacht. Natürlich habe ich Freunde, mit denen ich das machen könnte – aber auch die haben einen festen Partner, mit dem sie wegfahren oder Silvester feiern. 

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Es ist schon etwas anderes, wenn es jahrelang die eine feste Person gab, und die plötzlich weg ist. Nach der Trennung fühlte ich mich etwas hilflos. Ich haderte mit mir selbst, war zwischendurch einsam und manchmal auch frustriert. Wie fühle ich mich allein wieder wohl?

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Sofia, 

du hast vollkommen recht – Single sein muss man nach so langer Zeit in einer Beziehung erst wieder lernen. Du bist es gewohnt, immer jemanden an deiner Seite zu haben, mit dem du deine Zeit verbringen kannst und der dich auf Treffen und Feiern begleitet. 

Fehlt dieser Mensch nach einer Trennung plötzlich, entsteht zunächst eine große Leere und nicht selten das Gefühl, einsam zu sein. Auf einmal bist du damit konfrontiert, ohne Begleitung Dinge zu unternehmen. Zunächst ist das natürlich sehr ungewohnt und kann sogar Angst machen, wenn es etwa darum geht, allein in den Urlaub zu fahren. Bei Treffen mit Freunden, die als Paare da sind, fühlst du dich womöglich fehl am Platz. 

Mehr Notfälle? Hier: 

"Oft fühle ich mich erfolglos und allein. Was kann ich tun?"
"Meine Schwiegereltern mögen mich nicht – soll ich sie dennoch besuchen?"
"Meine Oma kommt auch nach zehn Jahren noch immer nicht mit meiner Homosexualität zurecht. Auf Familienfeiern geraten wir immer wieder aneinander – was kann ich tun?"
"Ich liebe meine Tante, aber sie geht an Weihnachten immer total herzlos mit meiner Cousine, um. Was kann ich tun?"
"Jedes Jahr an Weihnachten findet ein Klassentreffen statt. Was kann ich gegen Gefühl tun, dass alle anderen viel mehr erreicht haben als ich?"
"Ich bin überzeugter Vegetarier, will aber den Familienfrieden beim Weihnachtsessen nicht stören. Lasse ich mich auf die Diskussion mit meinen Eltern ein?"
"Meine Mutter sieht nicht ein, dass ich erwachsen bin. –Was soll ich tun?"
"Warum fürchten wir uns so vor einem Terroranschlag, aber nicht vor einem Fahrradunfall?"
"Ich habe Panik, keinen Job zu kriegen – Ist meine Angst berechtigt?"
"Ich verliebe mich zu schnell – was kann ich dagegen tun?"
Mein Studium überfordert mich und lässt mich jeden Tag leiden. Wo sind nur meine Träume und Ziele hin?"
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Ich denke es ist wichtig, dass du trotzdem weiterhin deine Pärchen-Freunde triffst und eine gewisse Selbstverständlichkeit entwickelst, dass du jetzt eben allein mit dabei bist. Du bist ja deshalb nicht weniger wertvoll oder weniger gern gesehen als zuvor. Aber natürlich ist es auch wichtig, dass du dein Leben im Hinblick auf dein Single-Sein anpasst und die Chance nutzt, dich ein Stück weit "neu zu erfinden".

Vielleicht helfen dir diese Fragen dabei:

  • Was hast du früher (vor deinen langen Beziehungen) gerne gemacht, das vielleicht während der Beziehung zu kurz gekommen ist?
  • Was wolltest du schon immer mal ausprobieren, worauf dein Partner keine Lust hatte?
  • Was kannst du endlich bleiben lassen, was du nur deinem Freund zuliebe gemacht hast?
  • Welches neue Hobby könntest du beginnen?
  • Wo würdest du gerne mal hinfahren?
  • Welche Freunde und Bekannte hast du schon lange nicht mehr getroffen?
  • Welche Orte und Unternehmungen würden die Gelegenheit bieten, neue Leute kennenzulernen?
  • Wer deiner Freunde hätte Lust, abends mit dir auszugehen?
  • Wie kannst du deine Abende schön gestalten, wenn du allein zu Hause bist?

Eines ist klar – das Leben als Single ist definitiv anders als mit Partner. Eine Beziehung gibt das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, dafür kannst du als Single deine Freiheit genießen und musst weniger Kompromisse machen. 

Es ist eine große psychische Umstellung, die einige Zeit braucht und in der es immer wieder Momente des Haderns geben wird. Versuche, diese unangenehmen Gefühle zuzulassen, sie sind natürlich und sollten nicht unterdrückt werden. Nur, wenn du deine Trauer durchlebst, und es schaffst, ganz bei dir anzukommen, wirst du wieder bereit sein für eine neue Beziehung, die auf echter Sympathie beruht – und nicht nur dazu da ist, die Leere auszufüllen.

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin

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