Bild: Unsplash/ Josh Rose
Trennung? Erstmal Selfie machen!

Von manchen Menschen sieht man monate-, oder jahrelang nichts in sozialen Netzwerken. Doch dann kommt die Trennung vom Langzeitpartner. Und auf einmal sind die Neusingles online ständig präsent, mit breitem Lächeln, starken Bizeps, und auf weißem Sandstrand. 

Es wirkt, als seien Menschen nach einer Trennung oft aktiver auf Social Media. 

Ein Beispiel: Kürzlich haben sich Sängerin Lena Meyer-Landrut und Basketballer Max von Helldorff nach acht Jahren Beziehung getrennt. Die Botschaft überbrachte Lena ihren Followern auf Instagram. Und auch Exfreund Max, der sonst eher sporadisch postete, meldete sich in einem Post: "Thanks for the memories and good times", schrieb er zum Abschied. 

In der dazugehörigen Bilderstrecke sieht man ihn, mit schiefgelegtem Kopf und Blick durch die verspiegelte Sonnenbrille, die Hände in den Hosentaschen. Außerdem: Wahnsinnsausblicke, ein Foto vom Sport, ein teures Auto und der Spaziergang am Traumstrand. Und das alles auch noch mit Buddy-Fotograf Paul Ripke.

Max von Helldorf ist nicht der Einzige, der nach einer Trennung sein Instagram-Profil aufpoliert.

"Single-Selfies" nennt eine Kollegin die Selbstporträts ihrer Freunde kurz nach dem Beziehungsaus. Das Wichtigste dabei: lächeln, fröhlich aussehen. Ein Kumpel teilte in den Wochen nach seiner Trennung auffällig oft Bilder vom Training auf der Hantelbank, auch sein Essen (frische Salate und grüne Smoothies) war zu bewundern. Und dann ist da diese Freundin, die man auf einmal nur noch auf coolen Partys sieht.

Beobachtet man die Social-Media-Profile von Bekannten und Freunden nach ihren Trennungen, ergibt sich ein Muster: auffällig oft sieht man dort noch mehr Sport, noch schönere Reisen und noch lustigere Abende in noch besserer Gesellschaft. 

Der Gedanke dahinter: Bloß nicht traurig und frustriert wirken, oder noch schlimmer: verzweifelt. 

Stattdessen nahtlos weitermachen und unbedingt glücklich sein. Wenigstens im Feed muss es nach Spaß aussehen. Die Botschaft: Hey, mir geht's wirklich gut! Und das sollen alle – Freunde und Bekannte, potentielle neue Partnerinnen und Partner, aber natürlich auch der oder die Ex – sehen.

Und wenn auf die ganzen Fotos dann Kommentare und Likes kommen, füttert das natürlich auch das eigene Ego. Das kann das Selbstbewusstsein nach einer gescheiterten Beziehung gut gebrauchen. Komplimente kamen vorher meistens von Freund oder Freundin. Wenn die wegfallen, muss die virtuelle Bestätigung erstmal aushelfen.

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Elevator gang in Berlin winter

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Dass wir unsere Trennungen in sozialen Netzwerken verarbeiten, ist dabei aber eigentlich wenig überraschend. Denn schließlich findet ein Großteil unseres Lebens ohnehin online statt.

Die "Generation Social Media", die mit digitaler Kommunikation aufgewachsen sind, empfindet das Internet und damit auch soziale Netzwerke als Teil ihrer Lebenswelt, in der sie keinen Unterschied zwischen echt und virtuell macht, so schreibt es der Schweizer Autor Philippe Wampfler in seinem gleichnamigen Buch. Junge Leute sind es also gewohnt, ihr Leben über Social Media zu teilen. Die glückliche Beziehung wird genauso in Insta-Bildern verewigt, wie die vermeintlich noch glücklichere Phase nach der Trennung. 

Dass Menschen in dieser Phase aber noch aktiver werden, lässt sich vielleicht durch ein Urbedürfnis des Menschen erklären: 

Wir Menschen fürchten den sozialen Ausschluss, Isolation und Zurückweisung. Wir wollen nicht alleine sein. 

Und soziale Netzwerke wie Instagram sind Räume, in denen sozialer Austausch stattfindet. Die Social-Media-Forscherin Danah Boyd beschreibt in ihrem Buch "It's Complicated", wie Jugendliche soziale Netzwerke als soziales Konstrukt begreifen: Instagram, Twitter und Facebook erlauben ihnen, Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein. Auch Erwachsene nutzen die Netzwerke, um zu einer größeren Welt gehören, einem gemeinschaftlichen Netzwerk, in dem sie sich mit anderen verbinden können. Und sich eben nicht allein zu fühlen.

Auf den Profilen von Max von Helldorff und Lena Meyer-Landrut sieht man, dass von ihren Followern tatsächlich viel Unterstützung kommt. Ihre Follower wünschen ihnen "viel Kraft" oder auch einfach nur: "eine schöne Zeit in LA".

Aber könnte man solche Unterstüzung nicht auch mit ehrlicheren Posts bekommen statt mit Poserei?

Nach einer Trennung scheuen viele Mensche wohl die eigene Verletzbarkeit. Verständlich – denn Trennungen sind schlimm, stellen Dinge in Frage, tun weh. 

Aber: Es sollte auch in Ordnung sein, Schwäche zu zeigen – oder auch einfach mal gar nichts zu zeigen. In dieser schwierigen Zeit nicht das Gefühl zu haben, auf Instagram ständig über das Leben berichten zu müssen, dabei immer im Hinterkopf, dass der oder die Ex gerade zusehen könnte. 

Denn sonst wird aus digitaler Selbstdarstellung schnell digitale Selbstverleugnung. 

Und das brauchen wir nach einer Trennung nun wirklich nicht.


Gerechtigkeit

Deutschland hat kein Sicherheitsproblem – es kann nicht sein, dass die Polizei trotzdem immer mehr Macht bekommt

Deutschland wird immer sicherer. Weniger Diebstähle, weniger Gewaltverbrechen, weniger Wohnungseinbrüche. Die Polizei könnte sich auf die Schulter klopfen. Gute Arbeit.

Aber stattdessen tun sie geradezu so, als stünde Deutschland kurz vor dem Ende. Sie fordern neue Rechte, neue Befugnisse, mehr Zugriff, mehr Kontrolle. (bento)

Warum Horst Seehofer sich selbst widerspricht und unsere Bürgerrechte ohne Grund beschnitten werden, siehst du oben im Video.