Bild: dpa/Patrick Pleul
Es ist ein Meilenstein für Mütter, die als Männer geboren wurden.

Mütter stillen ihre Babys. Aber was ist, wenn eine Mutter als Mann geboren wurde – und sich später zur Frau angleichen ließ? Ihrem Körper fehlt eigentlich die Möglichkeit, Milch zu produzieren. 

Nun ist es Ärzten erstmals gelungen, einer jungen Transfrau den Wunsch zu erfüllen, ihr Kind stillen zu können.

Mit einer Hormontherapie konnte die Ärztin Tamar Reisman bei ihrer 30-jährigen Patientin die Milchbildung einleiten. Ihren Erfolg hat sie nun im Magazin "Transgender Health" veröffentlicht. Es ist der erste dokumentiere Fall über eine geglückte Still-Therapie für Transmenschen.

Reisman sagt: 

Transmüttern das Stillen zu ermöglichen sei ein "Schlüssel zu glücklichen und gesunden Transfamilien".
Tamar Reisman (Romper)

Reisman arbeitet am Mt. Sinai Center for Transgender Medicine and Surgery in New York. Die Klinik ist auf Geschlechtsangleichungen spezialisiert. 

In "Transgender Health" verrät Reisman den Namen ihrer Patientin nicht. Nur so viel: Das Baby hatte die Partnerin der 30-Jährigen zur Welt gebracht, sie wollte aber nicht stillen, die Transfrau hingegen schon. Tatsächlich konnte sie, nach der Therapie, dem Baby sechs Wochen lang die Brust geben. 

Wie gelang die Therapie?

Reisman gab ihrer Patientin vor der Geburt drei Monate lang den Wirkstoff Domperidon. Sie musste das Arzneimittel drei Mal täglich nehmen, die Dosis wurde immer weiter gesteigert. Außerdem veränderte die Ärztin die Zugabe weiblicher Geschlechtshormone, die die Transfrau sowieso bereits erhält. Und die Patientin sollte mit einer Brustpumpe vorab das Stillen trainieren.

Domperidon soll Übelkeit und Bauchschmerzen kurieren, regt aber auch die Milchproduktion an. In den USA ist das Mittel eigentlich nicht zugelassen, da es unter Umständen Herzstillstand auslösen kann. Die Patientin bezog es daher aus Kanada.

Warum ist das wichtig?

Die Behandlung von Transgendern ist noch ein sehr junges Feld in der Medizin und wenig erforscht. "Medizinische Fragen, die Transmenschen betreffen, werden oft ignoriert", sagt die Forscherin Madeleine Bair. (Romper

  • Dass eine Frau mit den biologischen Geschlechtsmerkmalen eines Mannes nun stillen kann, ist also ein großer Schritt in der Transgender-Medizin. 

Jahrelang wurde versucht, die Milchbildung bei Transfrauen einzuleiten – jetzt ist es erstmals gelungen. Der Mediziner Joshua Safer hat den Fall beobachtet. Er bezeichnet ihn als "Meilenstein":

Viele Transfrauen wollen die gleichen Erfahrungen machen wie Nicht-Transfrauen. Diese Methode wird sicher viel verändern.
Joshua Safer (The Guardian)
Das Baby ist mittlerweile sechs Monate alt. Es ist gesund und entwickelt sich im gleichen Tempo wie andere Babys.

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