Freundinnen und Freunde sind Menschen, die dich kennen und trotzdem mögen. Klingt wie "Nachdenkliche Sprüche mit Bilder"? Dann habt ihr nie ein Coming-Out mitgemacht – als die Person, die sich outen muss! 

Logisch, Freundinnen und Freunde sind nicht nur dazu da, Spaß und großartige Erlebnisse zu teilen. Sie bekommen auch die weniger glamourösen Momente deines Lebens mit – oft so direkt und ungefiltert wie nicht einmal eine Partnerin oder ein Partner. Beziehungsprobleme, Misserfolge, Trauerfälle, peinliche Fails – wer aus nächster Nähe deine Wege miterlebt, erfährt auch ein paar deiner Geheimnisse

Zur Person

Lex Marmor heißt eigentlich anders und verwendet im Alltag zwei unterschiedliche Vornamen, einen Männer- und einen Frauennamen. Hier schreibt Lex, was das bedeutet: im Alltag, in der Liebe und bei der Arbeit. 

Und doch kostet ein Coming-Out vor Freunden viel Mut. 

Denn von Menschen, die so nah an der eigenen Herzgegend leben, schmerzt Ablehnung besonders schlimm. Egal, ob sie fast vorwurfsvoll die Freundschaft in Frage stellen ("Habe ich dich je wirklich gekannt, wenn ich das nicht wusste?"), deine Identität anzweifeln ("Bist du dir sicher?") oder sie schlichtweg als Nonsens abtun: "Nö, sorry, ich sehe dich nicht als...".

Deshalb fällt es unglaublich schwer, Luft zu holen, mit "Ich muss dir was sagen" anzusetzen – und den magischen Satz auszusprechen. Wie auch immer er lautet: "Ich bin ein Mann." "Ich möchte, dass du mich ab jetzt Lena nennst." "Ich bin trans." 

Was jetzt passiert, weißt du erst hinterher.

Ich selbst hatte Glück: Die meisten Freundinnen und Freunde, vor denen ich geoutet bin, wollen weiterhin mit mir befreundet sein.

Von Menschen, die so nah an der eigenen Herzgegend leben, schmerzt Ablehnung besonders schlimm

Meine queeren Freunde reagierten mit "Na endlich!" und der routinierten Frage nach meinen Pronomen. Er? Sie? They? Xier?

Sie wissen schließlich, was ein Coming-Out bedeutet und wollten es mir so angenehm wie möglich machen. Sie verwendeten plötzlich in jeder Unterhaltung meinen neuen Namen und zeigten Interesse dafür, wie es weitergeht: ob ich transitionieren will und in welchen Schritten

Für unsere Freundschaft schien das bei ihnen sogar mehr Bedeutung zu haben als für mich. Aber das bedeutet dennoch nicht, dass damit alles klar war.

Denn mit einem Coming-Out erreicht jede Freundschaft einen Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt. Je öfter meine Freunde und ich uns nach dem Coming-Out trafen, desto mehr haben sich die kleinen Dinge gezeigt, die neu geklärt werden mussten.

Kann man mit seinem besten Kumpel noch so befreit über den letzten One-Night-Stand reden – jetzt, da klar ist, dass sie auch eine Frau ist? Spricht man mit einem Transmann über Regelschmerzen oder lieber nicht, weil ihn das triggert und ihm schmerzhaft in Erinnerung ruft, wie unwohl er sich in seinem Körper fühlt? Verändern sich jetzt die Interessen oder Sichtweisen auf das Leben? Schiebt sich dadurch eine unsichtbare Barriere zwischen uns?

Tatsächlich mussten einige meiner Freunde erst einmal verstehen, dass man einen Transmann plötzlich mit Handschlag begrüßen und in die Seite boxen darf – oder muss, wenn man ihn genauso behandelt wie die anderen Kerle im Freundeskreis. Sie mussten verstehen, dass man einer befreundeten Transfrau auf dem Heimweg aus der Kneipe Begleitung anbieten sollte, weil sie jetzt stärker von Gewalt und Übergriffen bedroht ist als vor ihrem Coming-Out. 

Schiebt sich eine unsichtbare Barriere zwischen uns?

Den Frauen in meinem Freundeskreis schien die Umstellung leichter zu fallen als den Männern. Mehrere Freundinnen sagten mir, dass sie das Gefühl haben, mich seit meinem Coming-Out besser zu kennen. Dass sie meine Identität jetzt besser begreifen und wir dadurch offener miteinander umgehen können.

Bei den Männern brach hingegen das große Schweigen aus – oder jedenfalls gab es, nachdem das Wichtigste ("Aber deine Genitalien behältst du?", "Deine Körperhaltung ist ganz anders!", "Ähm... willst du 'n Bier?") geklärt war, nichts mehr zu reden. Und auch die "Wie geht es dir?"-WhatsApps blieben erstmal weg.

Als ich einige von ihnen fragte, wie sich unsere Freundschaft nach meinem Coming-Out verändert habe, sagten die meisten dann aber: gar nicht. Oder jedenfalls: nicht dadurch.

Erst später verstand ich, dass das wohl ihre Art war, mir ihre Akzeptanz zu zeigen. Die neue Realität hinzunehmen und das Gequatsche darüber einfach wegzulassen. 

Deshalb habe ich mir neulich in einer schwierigen Situation einen Ruck gegeben, einen meiner scheinbar verstummten Freunde angerufen und ihm gesagt, dass ich jetzt einfach seinen Rat brauche – auch wenn das vielleicht unmännlich oder unweiblich oder was auch immer ist. 

Er antwortete, dass er diesen Schritt sehr männlich fand. Einen brauchbaren Rat hatte er auch für mich.

Da spürte ich: In dem Maß, in dem ich meine eigene Identität als selbstverständlich annehme, tun das auch meine Freunde. 


Grün

Diese Familie aus Ostfriesland hat gerade die EU verklagt
Und will damit unser Klima retten.

Es reicht einfach nicht, was die EU gegen den Klimawandel unternimmt. Und darunter leidet die Natur und damit dann auch der Mensch. Auch wirtschaftlich. 

Zehn Familien verklagen deshalb jetzt die EU. 

Die Familien stammen aus Portugal, Kenia, Rumänien – und eine auch aus Deutschland. Sie sehen alle ihre Gesundheit, Eigentum, Lebensgrundlagen und (traditionellen) Berufe sowie Bildungschancen vom Klimawandel betroffen.