Bild: Becca Tapert/Unsplash

90 Minuten lang knistert es gewaltig zwischen zwei Personen, dann kommen sie zusammen und versprechen sich ewige Liebe – es gibt Hunderte solcher Filme. Menschen lieben diese perfekten Geschichten. Was häufig vergessen wird: "Die Liebesfilme hören immer genau da auf, wo es spannend wird: Wenn sich das Paar gefunden hat", sagt die Berliner Paartherapeutin Vera Matt. Denn gemeinsam glücklich bleiben, die Liebe halten und den anderen nicht verlieren, das ist die eigentliche Kunst.

Zerbrechen Beziehungen, fragt man sich: Warum? Wie konnte das passieren? Eigentlich wollten wir doch für immer zusammenbleiben?

Aber wie führt man eine glückliche Beziehung? Wie hält man die Gefühle fest?

Du hast das Gefühl, du hast dein Leben nicht im Griff? Das ist erstens ganz normal und zweitens bist du nicht allein

Manchmal fühlt man sich von allem überfordert: dem "normalen" Leben, den Möglichkeiten, die einem offenstehen, den Entscheidungen, die man treffen muss. Du verstehst dich und die Welt nicht mehr? An dieser Stelle erklären wir mit Hilfe von Experten, Ratgebern und unseren eigenen Erfahrungen Probleme, die uns im Alltag beschäftigen. Und wir suchen Lösungen, damit nach dem Tief wieder ein Hoch kommt. 

Paare lernen sich heute länger kennen als früher. Sie heiraten erst, wenn sie sich einander wirklich sicher sind und sich bereit fühlen, sich zu binden (New York Times). Vielleicht sind diese jungen Leute vorsichtiger als ihre Eltern und Großeltern, was feste Beziehungen betrifft. Vielleicht ist das aber auch gar nichts Schlechtes, weil sie dann wirklich zusammen bleiben wollen (Time). 

Die Sehnsucht nach Verlässlichkeit und funktionierenden Beziehungen von jungen Leuten bemerkt Vera Matt auch in ihrer Praxis. 

Vera Matt leitet eine Praxis für Paartherapie in Berlin.

(Bild: Vera Matt)

Früher kamen kaum junge Paare zu ihr – mittlerweile mindestens eines pro Monat. Die jungen Paare wollen mit Matt an ihrer Beziehung arbeiten, um lange glücklich zu bleiben. "Diese Paare sind frisch verliebt, aber haben schon Krisen ihrer Eltern oder aus dem Bekanntenkreis erlebt. Das wollen sie in der eigenen Beziehung verhindern."

„Sie wissen, dass es nicht immer reicht, sich innig zu lieben. Der Alltag ist oft gnadenlos und hart. Er macht auch vor der Liebe keinen Halt.“
Vera Matt

Mit diesen Paaren arbeitet die Paartherapeutin prophylaktisch, also vorbeugend, damit es gar nicht erst zu Problemen in der Beziehung kommt.

Wie bleibt man in einer Beziehung als Paar glücklich? Dafür hat die Therapeutin drei grundlegende Regeln.

1 Kommunikation

Wenn ein Paar in die Praxis von Matt kommt, achtet die Therapeutin als erstes auf die Kommunikationsstruktur. "Reden sie in Ich-Form, sind sie konstruktiv, ist es authentisch? Das erste, was ich Paaren beibringen möchte, ist: Man muss nicht immer einer Meinung sein – aber man kann ohne zu verletzen Feedback und Kritik geben.“ Meinungsverschiedenheiten werde es immer und in jeder Beziehung geben, erklärt Matt. 

Paare müssten ihre eigenen "Spielregeln" finden. Insbesondere jüngere Paare, die bisher nach den Regeln des eigenen Elternhauses gelebt haben. Sie werden in ihren eigenen Beziehungen mit neuen Regeln konfrontiert – und müssten die alten hinterfragen. 

„Vor allem junge Menschen glauben, dass die eigenen Regeln die richtigen sind.“
Vera Matt
(Bild: Christina Lu @cplu/Giphy)

2 Ziele und Werte

Genauso wichtig sind gemeinsame Ziele und Werte für eine glückliche Beziehung. Ein Paar sollte sich fragen: Was ist uns in Bezug auf unsere Partnerschaft wirklich wichtig? Dabei sollte sich jeder erst einmal für sich selbst darüber klar werden, für wie wichtig er beispielsweise Treue, Offenheit oder Freiraum in der Beziehung hält und dann darüber sprechen. "Manchmal reicht es auch zu wissen, wie der andere darüber denkt, und sich zu fragen, ob man überhaupt die gleichen Ansichten und Bewertungen teilen muss", sagt Matt. Während es also für den einen vielleicht vollkommen in Ordnung ist, wenn sich der andere mit dem Ex trifft, ist es das für den anderen vielleicht nicht. "Nur, wenn man sich als Paar damit auseinandersetzt, kann eine Art Landkarte entstehen, die beiden bei der Orientierung hilft."

3 Nähe und Distanz

Um langfristig miteinander glücklich zu sein, sollte ein Paar herausfinden, wie viel Nähe und Distanz beide brauchen.

„Eine der schwierigsten Aufgaben ist es, jungen Paaren beizubringen, dass es in einer Partnerschaft nicht um eine Symbiose geht. Sondern immer noch um zwei Menschen, die in ihrer Individualität sichtbar sein müssen.“
Vera Matt

Nur, wenn man sich vom anderen differenziere, könne man sich auch zeigen, sagt Matt. Das zeige sich vor allem bei Trennungen. "Akzeptiert man die Trennung und beginnt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, kann man versuchen, eine neue und bessere Beziehung daraus zu gewinnen", erklärt die Therapeutin.

Das sind die wichtigsten Tipps der Paartherapeutin:

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Ausgehend von diesen Regeln für eine glückliche Beziehung stellen sich allerdings noch mehr Fragen.
Was ist zum Beispiel mit dem Sex?

Dass zu viel Symbiose einer Beziehung nicht guttut, ist für Matt beim Thema Sex ganz eindeutig. Denn der fände nur statt, wenn zwei unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen. Ist ein Paar immer der gleichen Meinung, trägt die gleichen Klamotten und spricht wie aus einem Mund, klammert die Therapeutin das Thema Sexualität in der Therapie erst einmal aus. Sie wisse dann: "Das spielt bei diesem Paar gerade keine große Rolle."

Der Sex selbst hätte bei manchen Paaren einen hohen Stellenwert, bei anderen stünde er eher auf den hinteren Plätzen. Das sei aber immer individuell, betont Matt. Wichtig sei herauszufinden, wie wichtig es einem selbst ist, wie wichtig dem Partner und was man daraus macht. Auch hier ist Kommunikation der Schlüssel: Wer anspricht, dass ihm gerade etwas fehlt oder dass er sich nicht gut fühlt, kann gemeinsam mit dem Partner etwas an der Situation ändern.

Muss ich mich oder meinen Partner ändern, um glücklich zu sein?

Veränderung gehört zu einer glücklichen Beziehung dazu, sagt Matt. Um langfristig glücklich miteinander zu bleiben, müssten sich sogar beide Partner in der Beziehung verändern. Dabei hört für die Therapeutin die Freiheit des einen da auf, wo die des anderen eingeengt wird: "Ja, man muss sich in einer Partnerschaft verändern. Aber nicht, weil der Partner das will, sondern weil man sich selbst verändern und wachsen will." Der Partner sei der Mensch, der einem am besten dabei helfen könne, nicht nur selbst ein besserer Partner, sondern auch ein besserer Mensch zu werden.

Wann lohnt es sich, um eine Beziehung zu kämpfen?

Die Therapeutin empfiehlt, sich selbst zwei Fragen zu stellen, um das herauszufinden:

  1. Angenommen, alles bleibt, wie es ist – wie geht es dir damit in ein, zwei oder drei Jahren?
  2. Stell dir vor, du bist sehr alt, hast eine schwere Grippe und weißt nicht, ob du das überlebst – in welches Gesicht möchtest du dann blicken, wenn du morgens aufwachst? Ist es wirklich das, was du jetzt gerade siehst?
„Wenn man dazu "Ja" sagt, dann lohnt es sich auf jeden Fall, für eine Beziehung zu kämpfen.“
Vera Matt
(Bild: Toby Garrow @tobygarrow/Giphy)

Was kann ich auch alleine für meine Beziehung tun?

Wenn man eine glückliche Beziehung führen möchte, müsse man aufhören, sich selbst in die Tasche zu lügen, sagt Matt. "Wer sich ärgert und es nicht sagt, betrügt sich selbst und den anderen. Der oder die hat dann keine Möglichkeit, sich zu korrigieren oder eben nicht zu korrigieren."

Außerdem sollte man authentisch und individuell bleiben, die eigenen Interessen hochhalten – und pflegen. 

„Wer von sich selbst weiß, wer er ist und was er will – und das gut kommunizieren kann, damit der andere das auch sieht, – legt den Grundstein für eine glückliche Beziehung.“
Vera Matt



Gerechtigkeit

"Wie kann man so schlecht beraten sein?" – So kritisieren junge CDU-Mitglieder ihre Partei

Es scheint, als hätte die Union die junge Generation endgültig verloren. Erst mit den Diskussionen um Artikel 13, dann beim Kleinreden der Klimaproteste, schließlich mit den verheerenden Reaktionen auf das Rezo-Video – immer wieder gibt es Konfliktpotenzial, immer wieder versagen CDU und CSU in der Kommunikation mit den Jungen. Bei der Europawahl stimmten gerade einmal elf Prozent der Erstwählerinnen und Erstwähler für die Union (bento).

Doch anstatt die Probleme ernst zu nehmen, entfernt sich die Parteispitze nur immer weiter von der Lebenswelt der Jüngeren. In einer internen Wahlanalyse wird die Schuld am desaströsen Ergebnis zum Teil der eigenen Parteijugend zugeschrieben (Welt), anschließend irritiert die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer mit Aussagen zu "Regeln im digitalen Bereich" (SPIEGEL ONLINE). Das klingt, als wolle sie die Meinungsäußerung im Internet einschränken, weil mehr als 80 YouTuber dazu aufgerufen haben, nicht die CDU zu wählen. 

Wir haben mit jungen CDU-Mitgliedern gesprochen und sie gefragt, wie sie die letzten Wochen erlebt und welche Meinung sie zu den Äußerungen von Annegret Kramp-Karrenbauer haben.

Lukas, 33, CDU-Abgeordneter des Landtages Schleswig-Holstein: