Eine Woche Einsamkeit

Ich liege bäuchlings auf dem Sofa und scrolle durch meinen Facebook-Feed, als mich die nächste Push-Nachricht erreicht. „Er ist 27 aus Werneuchen“, teilt sie mir mit. „Berliner Umland?“, denke ich skeptisch, öffne die App und breche in hysterisches Gelächter aus.

Ich teste gerade die neue Dating-App Once und habe soeben mein bisheriges Highlight an Partnervorschlägen erhalten: Ronny. Er kommt aus dem Speckgürtel Berlins. Und dank der Rechtschreibfehler in seinem Profil und seiner hübschen Lonsdale-Jacke komme ich nicht umhin, mich zu fragen, ob er vielleicht einer dieser Rechtsruck-Wähler ist, von denen gerade alle reden. Ich kichere noch ein bisschen und tippe mehr als bestimmt auf das rote X.

Anders als bei Tinder wischt man sich bei Once nicht durch alle potenziellen Partner im angegebenen Alter. Stattdessen bekommt man pro Tag jeweils einen Vorschlag von der App. Mehr Flirtchancen gibt es nur gegen Geld, aber dazu gleich mehr.

Mehr als eine Woche auf Once. Schritt 1: Profil ausfüllen.
Beim Öffnen der App bekommt man die Zeit bis zum nächsten Match angezeigt.
Das erste Match – Berat, 28, Hemdträger, Tennisspieler, Irgendwas-mit-Wirtschaft-Harvard-Absolvent.
Optisch einfach gar nicht mein Fall. Kommt vor. Isso. Machste nix. Bis morgen.
Immer mehr Hemdträger...
Once verspricht 24 Stunden ungeteilte Aufmerksamkeit. Aber einige Matches gucken mich nicht mal an.
Hübsche Lonsdale-Jacke aus der Vorstadt  – das passt offensichtlich nicht.
Und Ronny schreibt mir trotzdem. Wo sind nur all die tollen Männer?
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Matchmaking nennen die Once-Macher ihre Vorauswahl. Vanessa Ulrich betreut Once im deutschsprachigen Raum und erklärt, wie es geht: „Erstmal trifft ein Algorithmus anhand von etwa 40 Kriterien – beispielsweise Alter, Standort und sexueller Orientierung – eine Vorauswahl von 15 bis 20 potenziellen Machpartnern.“ Danach werden die Fotos – und laut Ulrich aus Datenschutzgründen auch nur diese – an einen Matchmaker übergeben, der anhand von Details auf den Bildern die Paare zusammenstellt.

Die Matchmaker achten dabei zum Beispiel auf die Gesichtszüge, die Mimik und den Stil potenzieller Flirtpartner, aber auch darauf, ob man sie im Museum, beim Reisen oder mit Freunden sieht. Doch im Endeffekt entscheiden sie nach Bauchgefühl, wer zusammenpassen könnte.

Bisher durfte nur meine beste Freundin die Tinder-Agentin mimen und für mich wischen. Die kennt mich wenigstens. Dass da jemand, dem ich und auch mein potenzieller Partner fremd sind, für uns vortindert und anhand unserer Optik entscheidet, ob wir ein gutes Paar abgeben, erscheint mir absurd. Sehr absurd sogar für eine App, die aufgrund ihrer ach so personalisierten Partnerauswahl als Alternative zu Tinder gehandelt wird - auch von vielen Medien.

Dabei ist so ein Matchmaker wahrscheinlich auch nicht weniger oberflächlich als meine beste Freundin und ich nach zwei Bier.

Aber so ist das mit diesen Apps nun mal. Darüber möchte ich mich gar nicht beschweren und mich an dieser Stelle vorab für alle vielleicht vorschnell getroffenen Urteile meinerseits entschuldigen. Denn ich habe Once, das laut Ulrich in Deutschland bereits Nutzerzahlen im sechsstelligen Bereich verzeichnen kann, natürlich trotzdem ausprobiert. Dabei war ich bereits am ersten Tag verwirrt und hätte die App am dritten gern wieder gelöscht.

Mein allererster Once-Vorschlag ist Berat, 28, Hemdträger, Tennisspieler, Irgendwas-mit-Wirtschaft-Harvard-Absolvent und optisch einfach gar nicht mein Fall. Kommt vor. Isso. Machste nix. Bis morgen.

Denkste. Der abgelehnte Berat schreibt mir trotzdem eine Nachricht. Und keine Stunde später bekomme ich bereits meinen zweiten Vorschlag. Denn wer in der App mit sogenannten Kronen bezahlt, darf sich sein nächstes Match aus den Vorschlägen des Algorithmus’ selbst aussuchen und wird diesem mit etwas Glück auch einfach sofort vorgeschlagen. Eine Krone pro selbstausgesuchtem Vorschlag.

„Wenn aber an einem Tag zwei oder mehr Leute Sie als nächstes Match haben wollen, dann entsteht eine Warteliste. Von uns kreiert bekommen sie normalerweise maximal zwei Matches am Tag“, sagt Ulrich. Die erste Krone zum Selbstwählen gibt es für die Anmeldung geschenkt. Alle weiteren müssen brav in Euro bezahlt werden.

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Nach über einer Woche Once-Test frage ich mich, ob mein Matchmaker vielleicht betrunken ist oder ob ich einfach die falschen Männer anziehe, die ständig Kronen ausgeben und mir damit meine Traummatches blockieren. Eventuell versuchen die von Once auch ganz perfide, mich mit ihren Vorschlägen so sehr zu frustrieren, dass ich ihnen freiwillig all mein Geld in den Rachen werfe, um mir - wie bei Tinder - meine Matches dann doch selbst auszusuchen.

Fünf Kronen gibt es dabei für 4,99 Euro, für 30 Kronen zahlt man 24,99 Euro.

Mir schlägt die App in der ersten Woche unter anderem den ganzkörper-tätowierten und bis zum Stiernacken trainierten Tim und den schlacksigen, ziemlich sicher bei seinem Alter schummelnden Metal-Fan Jens vor, dazu vier weitere Männer in weißen Hemden und Anzügen. Dabei hieß es doch kürzlich in einem Interview mit Once-Gründer Jean Meyer, dass die Männer im Sakko tendenziell mit den schickeren Frauen zusammengebracht werden.

Ich finde mich ziemlich okay, aber ich bin definitiv auf keinem meiner Bilder in „schicker“ Kleidung zu sehen. Vanessa Ulrich erklärt mir dazu: „Wir haben einen selbstlernenden Algorithmus. Wenn Sie jetzt mehrmals nacheinander jemanden mit einem bestimmten Stil bekommen und Sie jedes Mal ablehnen, dann lernt das der Algorithmus. Und je öfter sie die App verwenden, desto besser werden die Matches.“ Ausreißer wie Tim und Jens seien dazu da, zu testen, was mir gefällt.

Lonsdale-Ronny wird mir deswegen wohl erst an Tag sieben vorgeschlagen. Nachdem ich die Anzugträger aussortiert hatte, ging man bei Once wohl davon aus, dass ich mal ein anderes Extrem brauche.

Angeblich soll Once eine 35-prozentige Erfolgsquote haben. Ein erfolgreiches Match ist aber bereits ein solches, bei dem die einander Vorgeschlagenen sich gut finden und ein Gespräch beginnen. Den entscheidenden Vorteil gegenüber Tinder sieht Ulrich dabei in der Effizienz: Man habe ja jeweils 24 Stunden lang die ungeteilte Aufmerksamkeit, um sich in Ruhe kennen zu lernen, sagt sie.

Das klingt in der Theorie gut, aber auch nur dort.

Denn praktisch scheint das Ganze noch nicht aufzugehen, da man sich die Aufmerksamkeit seiner potenziellen Matches eben doch teilt, mit deren Leben. Einige meiner Vorschläge haben sich mein Profil in 24 Stunden nicht einmal angesehen – vielleicht haben sie die App schon längst wieder gelöscht. Und mit genau zweien kam es für mich zwar zum „erfolgreichen“ Match, die folgenden Gespräche jedoch schliefen erstaunlicherweise schneller als bei Tinder wieder ein.

Bei all der Skepsis muss ich allerdings zugeben, dass die Vorschläge tatsächlich mit der Zeit etwas brauchbarer wurden. Zuletzt wurde mir etwa Timo vorgeschlagen, Journalist und recht ansehnlich. Und Once teilte mir soeben per Push-Nachricht mit, dass auch ich Timo gefalle - hurra.

Vielleicht verlasse ich mich bei der Partnerwahl eben doch lieber auf meine eigene Oberflächlichkeit.

Eine Woche will ich der App noch geben, bevor ich den Smartphone-Speicherplatz wieder für Fotos brauche. Denn ich werde das Gefühl nicht los, dass Once mich einschränkt, irgendwie bevormundet und mir eine ganze Stadt voll toller Männer einfach vorenthält.

Lass uns Freunde werden!


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