Bild: Lana Petersen
Unsere Sexkolumnistin und ihr Verlobter suchen Frauen und Paare für Sex, Flirt, Freizeit und Party.

Vaginal- oder Analfisting? Natursekt, CFNM oder lieber CMNF? Wo bin ich hier gelandet?

Vor zwei Wochen habe ich meinem Freund Leo gesagt, dass ich auch mit anderen Männern und Frauen schlafen möchte – kurz nachdem er mir einen Heiratsantrag gemacht hatte. Jetzt wollten wir eigentlich nur den ersten Schritt in Richtung offene Beziehung wagen und Gleichgesinnte suchen.

Und wo findet man die besser als auf einer Datingplattform? Wir standen nämlich vor folgendem Problem: Ist man bereits einige Jahre ein Paar, so scheint sich der Freundeskreis diesem sozio-romantischen Zustand anzupassen.

Wir hatten kaum Singles in unserem Freundeskreis, und bei den Paaren drehte sich bereits alles um Eigenheim und Kindernamen; Sex hatten sie nur noch an den vier fruchtbaren Tagen im Monat.

Überhaupt: Wollen wir überhaupt mit Freunden ins Bett gehen?

Wir waren schließlich nicht bei GZSZ, wo jeder mal mit jedem durch die Laken tobt. Und auch wenn Hollywood-Streifen es gerne so verkaufen: Friends with benefits gibt es nicht. Zumindest für einen von beiden nicht, der ist nämlich doch verliebt in den guten Freund, wenigstens ein bisschen.

Gleiches gilt wohl auch für Arbeitskollegen. Es gäbe durchaus den einen oder die andere, die mich interessieren oder erregen. Aber was, wenn der Sex schlecht war? Dann musste man sich an der Kaffeemaschine in erdrückendem Schweigen den Kaffee zapfen oder die Snackbox durchwühlen, obwohl darin nur noch das ekelhafte Lakritz lag, das ohnehin niemand aß.

Nur wenige können Sex und Gefühle trennen. Vielleicht half es also, wenn von vornherein alle Beteiligten wussten, auf was sie sich einlassen.

Wir googelten "Datingportal Swinger" und landeten schließlich auf einem Portal mit angeblich 2,5 Millionen Mitgliedern. Da sollte doch jemand zu finden sein, der attraktiv und intelligent war – und kein Axtmörder.

Drei Klicks und wir waren drin. Schnell einen Nickname ausdenken, nicht zu niedlich, aber auch nicht zu öde. Zur Inspiration klicken wir uns durch ein paar Profile. Das geile Duo folgt Mirimumu, PaarBER2011 und Beowulf. Ob er wohl so behaart ist, wie der Name vermuten lässt?

Als nächstes sollen wir über uns erzählen, wahlweise mit Hilfe von vorgegebenen Textbausteinen oder DIY. Mal sehen, was sie vorschlagen:

  • Religiös? Da wir keine Sekte gründen wollen, tut unser Glaube wohl kaum was zur Sache.
  • Zickig? Eine Eigenschaft, die bestimmt sehr anziehend wirkt.
  • Tageslichttauglich? Soll das die nette Version von "wir sehen nicht aus wie vom Trecker überfahren" sein? Selbst Vampire sind heute tageslichttauglich, glitzer, glitzer und Chopin spielen sie auch.

Zehn "Eigenschaften" dürfen angegeben werden, wobei ich mich wirklich frage, was "Hamster" für eine Eigenschaft sein soll. Ich horte ja schließlich nichts in meiner Backe – fürchterliches Kopfkino.

In der Fotostrecke haben wir alle Sexkolumnen gesammelt:
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Letztlich entscheiden wir uns gegen die Textbausteine und stellen uns so vor:
Gesucht und gefunden: glücklich mit unserer Zweisamkeit spielen wir im Bett auch gerne zu Dritt oder zu Viert. Wir sind begeisterte Weltenbummler; von Island in die Antarktis, von China nach Chile.
Wir sind begeisterte Sportler, ob zu Wasser, Land oder Schnee, Hauptsache es macht Spaß!
Kontakte lernen wir am liebsten auf "neutralem" Terrain bei einem Barbesuch oder in einem Club kennen; unsere eigenen vier Wände hingegen bleiben unser Privatvergnügen. Sie mag auch Frauen, Er ist hetero.

Und weiter: Was suchen wir und wofür suchen wir? Frauen und Paare; Sex, Flirt, Freizeit und Party. Jetzt muss jeder von uns noch solo ran: Größe, Alter, Gewicht. Das war leicht.

Zusehen oder lieber zusehen lassen?

Zum Schluss wirds schwieriger: Was mögen wir? Intimbehaarung oder lieber Intimrasur? Mann-Mann-Frau, Frau-Frau-Mann oder auch FMFM? Zusehen oder lieber zusehen lassen? Obwohl ich mich selbst nicht als prüde bezeichnen würde, merke ich schnell, wo meine Grenzen liegen. Natursekt oder Kaviar? Nein, Danke!

Obwohl der erste Schritt getan ist, fühlt es sich unwirklich an, in dieser anonymen Masse zu schwimmen. So gesehen bin ich wohl doch altmodisch. Zwar bietet diese Form des Onlinedatings die Möglichkeit, ohne viel Geplänkel zu schreiben, was man will und sucht – besonders was sexuelle Vorlieben angeht.

Aber bereits nach einigen Tagen des Surfens merken wir, was fehlt: Im Netz gibt es kein Funkeln, wie man es bei einem neuen Flirt spürt, keinen ausgiebigen Blickkontakt, kein zärtliches erstes Armstreicheln. Es bleiben nur Worte – und für viele, die mit uns Kontakt aufnehmen, ist "Hi!" das Höchste der Erotik. Deshalb suchen Leo und ich uns schon nach einer Woche eine Party für das kommende Wochenende aus.

Auf dem Portal wird zweierlei angeboten: Während Clubs meist um die 300 Gäste aller Altersklassen fassen, versuchen Veranstalter von Privatpartys mit kleiner Gästezahl in angemieteten Wohnungen oder Hotelzimmern eine intimere Atmosphäre zu schaffen.

Wir entscheiden uns schließlich für eine privat organisierte Party mit 50 Gästen. Gefeiert werden soll in einem Loft über den Dächern der Stadt. Ich hoffe, der Name ist Programm: Sex and the City.

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