Bild: Screenshot / "Not Alone"

"Woher sollte ich wissen, dass dieses fröhliche Mädchen, das mich zum Lachen brachte, an Suizid dachte?"

Als Jacqueline 16 Jahre alt war, nahm sich ihre beste Freundin das Leben. Ein unfassbarer Schock. Es folgten Trauer, Wut – und Schuldgefühle. Hätte sie etwas tun können?, fragte sich Jacqueline. 

Sie versuchte, diese Gedanken wegzuschließen, die Gefühle waren zu viel. Doch am Ende ihrer Highschool-Zeit hatten sich bereits sechs Teenager auf ihrer Schule umgebracht. Und die Frage war wieder da: Wie kann das passieren?

Jacqueline beschloss im Alter von 18 Jahren, endlich eine Antwort zu finden und traf sich mit etlichen Teenagern, die ihr von ihren Depressionen und  Suizidgedanken erzählten. Aus diesen emotionalen Gesprächen entstand der Dokumentarfilm "Not Alone", den es jetzt auf Netflix gibt. 

In den 50 Minuten, die der Film dauert, sitzen die Protagonisten auf einer Bank und sprechen mit Jacqueline. Dazwischen sieht man Szenen von Schulhöfen, Freundesgruppen, Sportevents – eben alles, was das Aufwachsen ausmacht. Doch für manche Kinder und Jugendliche ist dies nicht die unbeschwerte Zeit, die es eigentlich sein sollte. Sie kämpfen mit inneren Qualen, fühlen sich allein oder ausgeschlossen. Und sehr vielen merkt man das nicht mal an. 

Dass Suizid bei jungen Menschen ein Thema ist, hat auch die Serie "Tote Mädchen lügen nicht" gezeigt. Darin geht es um die Schülerin Hannah Baker, die sich das Leben nimmt. Doch die Serie wurde von Gesundheitsexperten scharf kritisiert: Suizid würde verharmlost und die Selbsttötung romantisiert, hieß es.

In "Not Alone" ist das anders. Die jungen Menschen erzählen der gleichaltrigen Jacqueline ihre Geschichten – ganz offen und schonungslos. Das ist nicht immer leicht zu ertragen. Das sollte man sich klarmachen, bevor man den Film ansieht. Trotzdem sind die Geschichten wichtig für uns alle.

Jacqueline tut in der Doku das, was Menschen in diesen Situationen am meisten brauchen: Sie hört ihnen zu. 

Das Ergebnis sind emotionale Gespräche, aus denen man sehr viel über das Erwachsenwerden lernen kann, über das Alleinsein und Freundschaften – und vor allem darüber, wie wir miteinander genau die Gespräche führen können, die am schwersten sind – aber auch am wichtigsten.

Suizid - Hilfe in scheinbar ausweglosen Lebenslagen

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen? Rede mit anderen Menschen darüber. Per Chat, Telefon, E-Mail oder im persönlichen Gespräch. Hier findest du - auch anonyme - Hilfsangebote in scheinbar ausweglosen Lebenslagen.

Was die Erzählungen zeigen: Depressionen können unendlich viele Gründe haben. Manche der Jugendlichen erzählen von Mobbing, andere von Gewalt, die ihnen angetan wurde. Andere von dem Gefühl, immer noch besser sein zu müssen. 

Eine der jungen Frauen erzählt, sie sei in dem perfekten Zuhause aufgewachsen, mit den besten Eltern, hatte viele Freunde, gute Noten und war in ihrer Schule in allen Bereichen involviert – trotzdem habe sie an Depressionen gelitten. Sie sagt:

Ich habe mich so schuldig gefühlt. Ich habe lange geglaubt, meine Depression sei nicht echt, weil ich keinen Grund hatte, depressiv zu sein. Aber es braucht keinen Grund.

Das Thema Depression ist noch immer mit Vorurteilen belegt. Betroffene müssen sich häufig anhören, sie sollten doch einfach versuchen, nicht so traurig zu sein und das werde schon wieder.

Doch das ist meist überhaupt nicht hilfreich. Wie sich Depressionen anfühlen, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Das zeigen auch die Geschichten der Teenager. 

So beschreiben sie das Gefühl:
"Es fühlt sich an, als würdest du ertrinken und allen anderen dabei zusehen, wie sie weiteratmen."
"Es ist, als ob man vor einem offenen Fenster sitzt. Draußen stürmt und donnert es, der Wind fegt dir ins Gesicht, aber du kannst das Fenster nicht schließen. Es ist so anstrengend, jeden Tag an diesem Fenster zu stehen."
"Als ob ich jeden Tag gegen den Strom in einem reißenden Fluss laufen müsste."
"Die Depression ist für mich wie ein schwarzes Loch. Du weißt, dass da eigentlich Gefühle sein müssten – aber da ist nichts."
"Du willst nicht mal aus dem Bett aufstehen. Als ich in der 5. Klasse war, habe ich zu meiner Mutter gesagt, dass ich schlafen und niemals wieder aufwachen will."
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Die Doku endet damit, dass die Teenager selbst Tipps geben, wie man Menschen in solchen Situationen am besten helfen kann. 

Und genau das ist das Wichtige an diesem Film: Dass so viele Menschen wie möglich durch ihn lernen, welche Zeichen es gibt, wie man sie erkennen kann und was man tun kann. Damit sich die Betroffenen eben nicht so fühlen, als seien sie mit dem Problem vollkommen allein. 

Denn sie sind es nicht: Sehr viele Menschen leiden an psychischen Problemen und sie brauchen jede Unterstützung, die sie kriegen können. Depressionen und Angstzustände sind Krankheiten, für die es Hilfe gibt – solange man die richtige Unterstützung findet.

Das alles ist wichtig zu wissen, damit man nicht hilflos zusehen muss – so wie Jacqueline es bei ihrer Freundin tun musste. 


Haha

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