Sechs Prozent der Studierenden in Deutschland haben ein Kind oder sogar mehrere Kinder. Das geht aus der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Im Sommersemester 2016 absolvierten also 131.000 Studierende ihr Studium mit Kind, darunter etwa 71.000 Frauen und 60.000 Männer.

Was spricht dafür, schon im Studium ein Kind zu bekommen? Welche Erfahrungen machen junge Eltern, wie finanzieren sie sich? Und wo stoßen sie auf Probleme?

Wir haben ein Paar besucht:

Und zwei weitere Mütter nach ihren Erlebnissen gefragt:
Linda, 26, studiert Medizin und hat gerade ihr praktisches Jahr begonnen.
(Bild: Privat)

"Mein Mann und ich haben beide junge Eltern. Wir waren uns immer einig, dass wir das cool finden – und dass wir auch früh Kinder bekommen wollen, auf jeden Fall bevor wir 30 sind. Wir wollten aber sicher sein, dass wir ein Kind finanzieren können. Also warteten wir, bis mein Mann mit seiner Ausbildung zum Erzieher fertig war. Kurz danach wurde ich schwanger.

In unserem Umfeld reagierten die meisten verwundert. Ich musste mir immer wieder Fragen anhören wie: Willst du nicht warten, bis du dein Studium beendet hast? Oder, noch schlimmer: War’s geplant? Mich machte das traurig, ich wollte, dass sich die anderen mit mir freuen.

Am 17. Februar 2016 kam unser Sohn Janosch auf die Welt. Mein Staatsexamen verschob ich um ein halbes Jahr nach hinten, statt im Oktober 2016 legte ich es im April 2017 ab.

In den Monaten, in denen ich mich auf die Prüfungen vorbereitete, war Janosch morgens in der Kita, ich saß am Schreibtisch. Den Nachmittag verbrachten wir zusammen, abends lernte ich weiter. Ich konnte frei planen, wann ich meine Zeit fürs Studium nutze und wann ich sie mit meinem Kind verbringe.

Diese Freiheit hat man im Berufsleben nicht mehr.​

Manchmal war das aber auch anstrengend: Ich konnte nicht den ganzen Tag lernen wie meine Kommilitonen, ich musste die fünf Stunden am Vormittag wirklich nutzen – und abends weitermachen. Am Wochenende musste ich fast immer Stoff nachholen, den ich unter der Woche nicht geschafft hatte.

Das ist ein Nachteil am Studium: Man hat nie wirklich frei. Und für mich gab es noch einen Nachteil: Wegen der Prüfungen musste ich meinen Sohn schon mit neun Monaten in die Kita geben. Hätte ich gearbeitet, wäre ich ein ganzes Jahr zuhause geblieben.

Vor ein paar Wochen sind wir zurück nach Dortmund gezogen. In Hamburg hatten wir keinerlei Unterstützung. Hier können unsere Eltern auch mal auf unseren Sohn aufpassen.

Wenn ich jetzt zurückblicke, kann ich sagen: Für mich war das Studium definitiv die beste Zeit, um ein Kind zu bekommen. Ich würde es auf jeden Fall wieder so machen."

Judith, 33, hat Psychologie studiert und arbeitet jetzt in einer Unternehmensberatung in Köln.
(Bild: Privat)

"Ich wurde während meiner Promotion schwanger, im Mai 2010 kam unser erster Sohn zur Welt. Mein Mann und ich sind beide nicht so die Sicherheitstypen. Wir wollten, dass das Kind sich in unser Leben einfügt und ein bisschen nebenbei läuft – so blöd das klingt. Meine Mutter war zuhause, bis ich 14 war. Ich wollte das anders machen. Die vielen Helikoptereltern finde ich eher abschreckend.

Nach dem Master wusste ich nicht so richtig, wohin mit mir. Also entschied ich mich für die Promotion – und schuf mir mit dem Kind eine Lebensaufgabe, durch die ich andere Fragen erst mal nicht beantworten musste. Mein Mann arbeitete schon, deshalb machte ich mir um Geld keine Sorgen. Ich will aber nicht ausschließen, dass wir auch ein Kind bekommen hätten, wenn er noch studiert hätte.

Ich bekam ein Jahr lang das Basiselterngeld von 300 Euro, ansonsten hatte ich damals kein eigenes Geld. Das war aber ok, für uns beide. Wenn man frisch aus dem Studium kommt, hat man noch nicht so hohe Ansprüche. Eineinhalb Jahre lang blieb ich mit unserem Sohn zuhause, schrieb meine komplette Dissertation von dort. Das hat gut geklappt, weil ich ein sehr disziplinierter Mensch bin.

Als mein Sohn ein Jahr alt war, fing ich an, mich zu bewerben – für ganz verschiedene Stellen. Ich hatte ein bisschen Panik, fragte mich: Wie kriege ich jetzt einen Berufseinstieg hin? Ich hatte nicht viel Praxiserfahrung, keine Kontakte zu Unternehmen. Und mir war klar, dass ein Kind den Einstieg nicht leichter macht.

Ich war mir anfangs nicht mal sicher, ob ich im Vorstellungsgespräch sagen würde, dass ich Mutter bin.

Am Ende habe ich es gemacht. Vier Jahre lang, von 2011 bis 2015, arbeitete ich Vollzeit. Ich wollte meine Karriere auf den Weg bringen – und ich hatte auch wirklich Lust, zu arbeiten.

Im Nachhinein hat mich die Tatsache, dass ich schon ein Kind hatte, sogar entlastet: Als ich zum zweiten Mal schwanger wurde, bezweifelte keiner meiner Kollegen, dass ich zurückkommen würde. Ich hatte mich schon bewiesen, mit Kind. Im Juli 2015 kam mein zweiter Sohn zur Welt. Seit Februar 2016 arbeite ich Teilzeit, etwa 30 Stunden pro Woche.

Ich habe den direkten Vergleich: Ein Kind habe ich im Studium bekommen, das andere im Job. Ein Vorteil im Studium war auf jeden Fall, dass ich unbeschwerter war. Jetzt mache ich mir mehr Sorgen, ich habe mehr Ansprüche – an mich und an die Kinder. Vielleicht liegt das aber auch am Alter. Außerdem ist meine Zeit jetzt begrenzter. Wenn ich Zeit mit der Familie verbringe, genieße ich sie mehr.

Ob ich meinen Kindern jetzt gerechter werde oder früher, weiß ich nicht."


Grün

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Dass unsere Meere voller Plastik sind, ist ein Problem. Das steht fest. Aber oft wirkt dieses Problem dann doch weit weg: Dass irgendwo auf dem Atlantik Müllteppiche treiben oder an irgendwelchen Küsten Seevögel verenden, ist irgendwie schwer zu greifen.

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