Bild: bento/Sophia Schirmer

Milena und Gregor liegen ausgestreckt in ihrer Welt. Milenas Beine ragen kerzengerade in die Luft, auf den Füßen thront Lilly, blonder Pagenkopf, rosa T-Shirt. Sie hat Arme und Beine ausgebreitet, schwebt über ihren Eltern wie ein kleiner Flieger.

Plötzlich lässt Lilly sich nach vorne fallen. Milena fängt die Kleine auf, drückt sie an sich, gibt ihr einen Kuss auf die Nase. Gregor beobachtet die beiden, lächelt. Zwischendurch streckte er immer die Hand aus, um im Notfall da zu sein und einen Absturz zu verhindern.

Milena und Gregor sind seit dem Abistreich ein Paar. 2011 zogen sie nach Leipzig, um zu studieren, sie Medizin, er Freie Kunst. Im August 2012, mit 21 Jahren, wurde Milena schwanger; Gregor war damals 22. "Es war zwar nicht geplant, aber gewollt", sagt Milena, Gregor nickt. Vor ein paar Wochen hat Lilly ihren vierten Geburtstag gefeiert.

Sechs Prozent der Studierenden in Deutschland haben ein Kind oder sogar mehrere Kinder.

Das geht aus der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die zeigt auch:

  • Unter Studentinnen sind 6 Prozent Eltern, unter Studenten 5 Prozent. Frauen bekommen also etwas häufiger schon im Studium Kinder als Männer.
  • 10 Prozent der Studierenden mit Kind sind in einem Teilzeit-Studiengang eingeschrieben, unter Studierenden ohne Kind sind es nur 2 Prozent.
  • Fast drei Viertel der Studierenden mit Kind haben einen erwerbstätigen Partner oder eine erwerbstätige Partnerin.
  • Fast 10 Prozent sind alleinerziehend.
Was passiert, wenn man den Dreiklang aus Job, Haus und Kind andersherum spielt?

Wenn man erst ein Baby bekommt, deswegen zusammenzieht und sich dann irgendwann über Arbeit und Karriere Gedanken macht? Dann nämlich, wenn das Kind schon in die Schule geht und man selbst mit dem Studium fertig ist.

Milena und Gregor haben genau das gemacht. Wenn man mit ihnen spricht, lernt man viel darüber, welche Vorteile es hat, im Studium ein Kind zu bekommen – aber auch, was man für ein Mensch sein muss, um das hinzubekommen.

Ein Mittwochnachmittag in Leipzig, es ist einer der ersten Frühsommertage, Barfuß-Zeit. Die Welt von Milena, Gregor und Lilly beginnt hinter einer schweren Holztür. Sie teilen sich das Haus mit fünf Mitbewohnern: einem Pärchen mit Kind und einer alleinerziehenden Mutter, ebenfalls Medizinstudentin.

Neben der Küchenzeile ein Spielzeugherd aus Holz, in der Ecke Sofas und Sessel in einem wilden Mix aus Formen und Farben, gegenüber ein rotes Klavier. Daneben führen fünf Stufen in den großen Garten, wo Kirschen, Stachelbeeren und Mangold wachsen.

Um ihre Tochter zu schützen, wollen Milena und Gregor ihre Gesichter nicht zeigen. Lilly heißt eigentlich anders.

(Bild: bento/Sophia Schirmer)

"Uns war sehr früh klar, dass wir im Studium Kinder bekommen wollen", sagt Milena. Sie trägt ihre langen Haare offen, dazu einen schwarzen Body und eine braune Pumphose. Das Gesicht ist kaum geschminkt, im rechten Nasenflügel steckt ein feiner goldener Ring. Sie erinnert sich, dass sie schon ein Jahr, nachdem sie zusammengekommen waren, über Babynamen sprachen. "Wir wollten junge Eltern sein, nicht so einen krassen Altersunterschied zum Kind haben", sagt Gregor, verwuschelte hellbraune Haare, hellblaue Augen, Lachfalten. 

Am Ende klappte es früher als gedacht: In den Semesterferien nach dem ersten Studienjahr merkte Milena, dass ihre Tage ausblieben, dass ihre Brüste spannten. Sie gingen zum Frauenarzt, der Test war positiv.

Damit stand fest: Milena würde vor dem Physikum, der ersten ärztlichen Prüfung, ein Kind bekommen. Und auch Gregor stand kurz vor dem Vordiplom.

"Ich habe gelacht und geheult gleichzeitig", sagt Milena."Das war ein krasses Gefühlschaos. Von: 'Voll schön, wir kriegen jetzt ein Kind!', zu: 'Oh Gott, wie sollen wir das alles schaffen?'", sagt Gregor."Es war vielleicht nicht der perfekt geplante Zeitpunkt, aber das ist es nie", sagt Milena.

Die beiden suchten sich eine gemeinsame Wohnung, im Februar 2013 zogen sie ein. Milena konnte da wegen der Schwangerschaft schon nicht mehr so viel machen. Also baute vor allem Gregor an ihrem Nest, strich Wände, schleppte Kisten. Parallel bereitete er sich auf sein Vordiplom vor.

Es gibt Fotos von einem Familienfest im April 2013, einen Monat vor Lillys Geburt. "Wir sahen beide aus wie 35, ich vor allem", sagt Gregor. "Ich sah aus wie ein glücklicher Pfirsich, rund und rosig. Gregor nebendran war blass und eingefallen", sagt Milena, bei der Erinnerung muss sie Schmunzeln. Ein paar Wochen nach der Geburt legte Gregor seine Prüfung ab.

Dass Studenten per se wenig zu tun haben, stimmt nicht – nicht bei Medizin mit all den Prüfungen und Seminaren, und auch nicht bei Freier Kunst mit Abgabefristen und Selbstmarketing. Die Umstellung auf Bachelor und Master hat den Zeitdruck in vielen Studiengängen noch erhöht.

Trotzdem spricht viel dafür, im Studium ein Kind zu bekommen, sagen Milena und Gregor.

1. Zeit

Milena und Gregor setzten nacheinander etwa ein halbes Jahr vom Studium aus. Mit 16 Monaten kam Lilly zu einem Tages-Papa, und beide Elternteile studierten wieder voll. Milena merkte bald, dass es sie zu sehr unter Druck setzt, wenn sie versucht, komplett mit ihren Kommilitonen mitzuhalten. Also begann sie, einzelne Kurse oder Prüfungen zu schieben. "Das würde ich auch allen anderen Eltern empfehlen", sagt sie.

Milena und Gregor haben ein System entwickelt, wie sie die richtige Balance halten zwischen Studium und Familie, und nebenbei noch genug Zeit für sich haben. Das wichtigste Element: Absprache. "Wir reden sehr viel über unsere Kalender", sagt Milena.

Wenn sie für schwierige Klausuren lernen muss, kümmert sich Gregor mehr um Lilly. Jetzt, wo sie ihre Doktorarbeit schreibt, ist sie zeitlich flexibler und Gregor kann größere Projekte angehen. Im Juni hatte er zwei Wochen lang eine Ausstellung in Freiburg, Milena ging mit.

Wenn ich mal Ärztin bin und im Krankenhaus arbeite, wird das anders.
Milena

Wer studiert, ist nicht an einen 9-to-5-Timetable gebunden, das Jahr ist nicht aufgeteilt in Januar bis Dezember, sondern in Semester und Semesterferien. Man kann zumindest einen Teil der Kurse und Prüfungen hin- und herschieben – und Schwangerschaft und Kindererziehung werden an den meisten Unis als Grund für ein Urlaubssemester anerkannt.

Das heißt: Auch wenn man nicht unbedingt mehr Zeit hat, ist man zumindest freier, flexibler. Und im Zweifel studiert man eben etwas länger. 

Milena sagt aber auch, dass die Gefahr besteht, in der Organisation zu versinken, jede Minute durchzuplanen. "Wir chillen recht selten", sagt sie. Etwa einmal die Woche verabreden sich die beiden als Paar.

2. Geld

Dass Milena und Gregor das Finanzielle für einen der Vorteile halten, überrascht. Als Student ist man doch so gut wie immer knapp bei Kasse. Man hat oft kein eigenes Einkommen, ist noch von den Eltern abhängig.

Wer im Studium ein Kind bekommt, kann aber finanzielle Unterstützung bekommen.

Finanzielle Unterstützung für studierende Eltern – ein Überblick:
Je nachdem, ob Studentinnen vor der Geburt gearbeitet haben oder nicht, bekommen sie unterschiedlich viel.
Studierende haben für die Monate nach der Geburt Anspruch auf Elterngeld.
Anders als im Job muss das Studium dafür nicht unterbrochen oder reduziert werden.
Die Höhe richtet sich nach dem Nettoeinkommen. Wer neben dem Studium nicht arbeitet, erhält den Mindestbetrag von 300 Euro.
Das Kindergeld ist unabhängig vom Einkommen: 192 Euro monatlich für das erste und zweite Kind, ab dem dritten Kind sogar noch etwas mehr.
Für Eltern, die zwar ein Einkommen haben, aber den Bedarf ihrer Kinder nicht decken können, gibt es den Kinderzuschlag.
Bayern und Sachsen zahlen außerdem Landes- erziehungsgeld.
Wer sein Kind irgendwann in Betreuung gibt, kann beim Jugendamt beantragen, dass die Kosten dafür übernommen werden.
6. Bafög und Stipendium
Beim Bafög und für Stipendiaten der deutschen Begabtenförderungs- werke gibt es einen Kinderbetreuungs- zuschlag:
130 Euro zusätzlich, pro Monat und Kind.
Allerdings bekommt den Zuschlag immer nur ein Elternteil.
Außerdem kann man für jedes Jahr, das man mit Kind studiert, eine Verlängerung der Förderungsdauer beantragen:
Bis zum fünften Geburtstag des Kindes gibt es ein Semester pro Lebensjahr, danach etwas weniger.
Diese zusätzlichen Semester müssen die Eltern untereinander aufteilen.
Für die Schwangerschaft bekommt die Mutter ein weiteres Semester obendrauf.
Die zusätzlich geförderten Semester müssen nicht zurückgezahlt werden.
Außerdem bieten viele Unis Mensakarten für Kinder an, mit denen sie umsonst essen.
Weitere Infos gibt's beim Deutschen Studentenwerk.
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Gregor und Milena können all das nutzen: Er bekommt Bafög, sie ein Stipendium vom Evangelischen Studienwerk. Hätten sie das nicht, oder würden sie in einer anderen, teureren Stadt leben, wäre ihr Alltag mit Studium und Kind schwieriger, das wissen die beiden. 

Die Grundabsicherung ist da, das ist schon Luxus.
Gregor

Gregor hat eher Angst vor den ersten Berufsjahren. Weil Milena als Ärztin gut verdienen wird, sei Lilly zwar auf jeden Fall versorgt. "Aber ich will ihr natürlich nicht auf der Tasche liegen", sagt er. Milena sieht das entspannter: "Ich habe überhaupt kein Problem damit, eine Zeit lang Alleinverdienerin zu sein, bis Gregor mit seiner Kunst Geld verdient. Ich glaube daran, dass er das schaffen kann."

Milena und Gregor sind kein Paar, das ständig von "wir" redet, sondern das auch mal "ich" sagen kann oder "du". Sie betonen immer wieder, dass ihnen Gleichberechtigung wichtig ist – in Familienleben und Kindererziehung, aber auch wenn es darum geht, eigene Ziele zu verwirklichen. Während des Gesprächs liegen Milenas nackte Füße auf Gregors Oberschenkel. Kein ständiges Händchenhalten, kein Knutschen. Die beiden strahlen jene Vertrautheit aus, die Liebe von Verliebtsein unterscheidet.

Was das Geld betrifft, sieht Milena noch einen Vorteil: Als Student habe man in der Regel einen niedrigeren Lebensstandard, man komme mit weniger Geld aus, sagt sie.

3. Persönlichkeit

Wer schon im Studium ein Kind bekommt, ist in der Regel jünger. Für Milena und Gregor bedeutet das: Man ist flexibler im Kopf, erinnert sich noch mehr an die eigene Kindheit – und das tut dem Kind gut. Die beiden hören mit ihrer Tochter HipHop, nehmen sie mit zu Open Airs, zum Fußball oder Akro-Yoga.

Umgekehrt kann auch das Kind einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Eltern haben – und, wenn man Kinder möchte, kann es ein Karrierevorteil sein, schon in der Ausbildung ein Baby zu bekommen:

Man lernt, mit einem Kind erfolgreich zu sein.
Milena

Wenn man gewohnt ist, sich bis Mitte 30 nur um sich selbst zu kümmern, super flexibel zu sein, alles auf den Job ausrichten zu können, kann einen die Geburt eines Kindes aus der gewohnten Bahn werfen – und man muss erst mal lernen, wieder dorthin zurückzukehren, mit Kind. 

Seit Februar wohnen Milena, Gregor und Lilly in ihrer Hausgemeinschaft.

(Bild: bento/Sophia Schirmer)
Ist das Studium also die beste Zeit, um ein Kind zu bekommen? 

Ja, sagen Milena und Gregor. Aber sie sagen auch, dass es nicht immer leicht war, dass es schwierige Zeiten gab und Dinge, die sich verändert haben – für Milena, für Gregor, oder für beide.

1. Freunde

Manche Freunde waren überfordert von der Nachricht, dass Milena und Gregor ein Kind bekommen. Als Lilly dann da war, waren viele unsicher, wie sie damit umgehen sollen. 

"Man merkt: Wer sind wirkliche Freunde, wer sind nur Bekannte? Das war schmerzhaft, aber auch sehr reinigend", sagt Milena."Man hat eine Extrarolle im Freundeskreis, geht vielleicht eher Kaffeetrinken als Feiern. Und manchmal sieht man zwei Wochen lang keine Freunde, weil man ein krankes Kind zuhause hat und noch ein Projekt", sagt Gregor.

Die beiden kämpften manchmal damit, keine anderen Eltern im Freundeskreis zu haben. Bekannte aus Geburtsvorbereitungskurs und Krabbelgruppe waren meist schon Mitte 30, befanden sich in einem anderen Lebensabschnitt. "Ich hatte keine andere junge Mama, die mir wirklich nah war. Und Gregor hatte keinen anderen Papa, mit dem er sich austauschen konnte", sagt Milena.

2. Studium

Gregors Studiengang ist relativ flexibel, er hat wenige Pflichtveranstaltungen. Bei Milena ist das anders: Im klinischen Abschnitt dauerten ihre Vorlesungen zum Teil bis 19 Uhr. Die Folge: Sie ging nicht hin, obwohl sie die Themen interessiert hätten. 

Und es gibt noch etwas, was sie als Mutter nicht einfach so machen kann:

Ich wäre sehr gerne ins Ausland gegangen.
Milena

Milena hatte ein Praktikum in einer ayurvedischen Klinik in Nepal geplant, das musste sie wegen der Schwangerschaft absagen. Und sie wollte gerne Erasmus machen. Gregor und sie überlegten sogar, zu dritt ins Ausland zu gehen, nach Bergen oder Budapest zum Beispiel. Am Ende sprach zu viel dagegen: Lilly hätte sich an eine unbekannte Sprache gewöhnen müssen und eine Betreuung gebraucht; die Eltern hätten für die typischen Erasmus-Erfahrungen – Party, Chillen, Freunde finden – sowieso keine Zeit gehabt.

Studieren mit Kind – zwei Mütter erzählen von ihren Erfahrungen:
Linda, 26, studiert Medizin und hat ihren Sohn vor dem Staatsexamen bekommen.
"In den Monaten, in denen ich mich auf die Prüfungen vorbereitete, war Janosch morgens in der Kita, ich saß am Schreibtisch.
Den Nachmittag verbrachten wir zusammen, abends lernte ich weiter.
Diese Freiheit hat man im Berufsleben nicht mehr. Manchmal war das aber auch anstrengend.
Wenn ich jetzt zurückblicke, kann ich sagen: Für mich war das Studium definitiv die beste Zeit, um ein Kind zu bekommen.
Ich würde es auf jeden Fall wieder so machen."
Lindas ganze Geschichte gibt es hier.
Judith, 33, hat Psychologie studiert und ihr erstes Kind während der Promotion bekommen.
"Ich habe den direkten Vergleich: Ein Kind habe ich im Studium bekommen, das andere im Job.
Ein Vorteil im Studium war auf jeden Fall, dass ich unbeschwerter war.
Jetzt mache ich mir mehr Sorgen, ich habe mehr Ansprüche – an mich und an die Kinder.
Im Nachhinein hat mich die Tatsache, dass ich schon ein Kind hatte, im Berufsleben sogar entlastet:
Als ich zum zweiten Mal schwanger wurde, bezweifelte keiner meiner Kollegen, dass ich zurückkommen würde.
Ich hatte mich schon bewiesen, mit Kind."
Judiths ganze Geschichte gibt es hier.
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3. Freizeit

Natürlich haben Milena und Gregor weniger Zeit als Kommilitonen ohne Kind. Sie können nicht ständig feiern gehen und dann bis mittags schlafen, sie müssen sich absprechen, Kompromisse eingehen. 

"Auf Partys gehen wir meist alleine", sagt Milena. "Ich habe gar keine Lust, jedes Wochenende feiern zu gehen. Aber wenn man es nicht kann, merkt man erst mal den Verlust"."Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal bis um 5 Uhr morgens feiern war", sagt Gregor. "Ich hadere aber nicht mit der Situation. Ich empfinde es eher als ein starkes Fokussieren auf das, was einem wichtig ist."

Seit Lilly älter ist und auch mal von jemand anderem betreut werden kann, sei auch wieder mehr möglich, sagen die beiden. Eingeschränkt fühlen sie sich jedenfalls nicht.

4. Rollenkonflikte

Überhaupt, sagen Milena und Gregor, lerne man mit Kind sehr früh, wer man ist und was man will. Milena erinnert sich, dass sie im Laufe dieses Prozesses auch mal mit sich haderte. Sie war auf einmal Vieles gleichzeitig, und nicht immer passte alles zusammen.

Sie war Studentin, mit einem Leistungsanspruch an sich selbst. Sie war Tochter, musste sich von ihrem Elternhaus ablösen. Sie war Partnerin, musste ihre Beziehung neu definieren. Sie war Freundin. Und plötzlich war sie auch noch Mutter.

Als Tanzpartner aus dem Salsakurs erfuhren, dass sie ein Kind hat, hörten einige auf, mit ihr zu tanzen, erinnert sich Milena – sie eignete sich schließlich nicht mehr als potenzielle Partnerin. Irgendwann fing sie an, das zu verschweigen.

Mit der Zeit fand sie heraus, wer sie ist und sein will, auch ohne die Bestätigung von außen. "Das ist eine Entwicklung, die wohl jeder in den Zwanzigern durchmacht: Man kommt bei sich selbst an, muss nicht mehr jedem gefallen", sagt Milena. "Wenn man früh ein Kind kriegt, wird man noch krasser und schneller damit konfrontiert." Inzwischen tanzt sie Forró, da sei die Szene weniger sexistisch.

Milena, Gregor und Lilly spielen im Garten ihres Hauses Geist.

(Bild: bento/Sophia Schirmer)
"Es ist überhaupt nicht einfach, ein Kind zu kriegen, und es ist auch nicht einfach, früh ein Kind zu kriegen, aber für uns war es gut", sagt Milena. Gregor nickt. 

Für die beiden manifestieren sich Sinn, Glück und Heimat dort, wo sie als Familie sind. Wenn sie sich mit Gleichaltrigen vergleichen, kommen die ihnen oft irgendwie haltlos vor – sie wohnen nicht mehr bei den Eltern, sind aber auch noch nicht ganz im Erwachsenenleben angekommen.

Milena und Gregor können sich vorstellen, im Studium noch ein zweites Kind zu bekommen, aber jetzt noch nicht.

Jetzt ist erst mal Zeit für Lilly. Knutscher auf den Mund, Zitroneneis mit Himbeeren, Versteckspiel unter der Decke. Es ist Family-Time, wie jeden Nachmittag.

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Gerechtigkeit

Die Ehe für alle kommt: Bundestag kann Freitag abstimmen

Der Bundestag kann am Freitag über die Ehe für alle abstimmen. Der Rechtsausschuss hat am Mittwochmorgen mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei eine Gesetzesvorlage beschlossen. Über die kann am Freitag der Bundestag in 1. und 2. Lesung abstimmen.

Bisher war eine Entscheidung über die Ehe für alle im Ausschuss immer wieder hinausgezögert worden – die Spitzen von CDU und CSU lehnen die Ehe für alle bislang ab.