Bild: Parekh Cards / Lizenz: CC BY-SA 2.0
No pressure! Es ist nur eine Studie.

Deutsche heiraten immer später. Laut Statista waren Männer, die 2013 zum ersten Mal heirateten, über 33 Jahre alt – fünf Jahre älter als noch 1991. Bei Frauen ist der Trend ähnlich: Sie waren im Durchschnitt knapp 31 Jahre alt und damit ebenfalls etwa fünf Jahre älter als 1991. Ist es ein Fehler, länger zu warten? Oder vernünftig, sich erst mal richtig kennenzulernen, bevor man sich den ewigen Bund verspricht?

Nicholas Wolfinger, ein Soziologe an der University of Utah, hat nach dem perfekten Heiratsalter gesucht – dem Alter also, in dem Ehen geschlossen werden, die auch halten:
  • Wer zwischen 28 und 32 seine erste Ehe eingeht, lässt sich in den Folgejahren besonders selten scheiden.
  • Je jünger die Ehepartner zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit sind, desto gefährdeter ist ihre Ehe – statistisch betrachtet.
  • Allerdings auch, je älter sie werden.

Wolfinger vergleicht seine Ergebnisse mit Daten von Menschen, die 1995 geheiratet haben. Dass sich besonders junge Ehepartner häufig wieder trennen, war damals auch schon so. In ihren Zwanzigern verändern sich Menschen offenbar noch so stark, dass sie sich während ihrer Ehe eher noch auseinanderleben. Neu ist dagegen die steigende Scheidungsrate unter den Älteren.

"Manche Menschen scheinen eine angeborene Streitsucht zu haben."
Nicholas Wolfinger

Aber warum ist die Zeit um die 30 das beste Alter, um eine langfristige Ehe zu schließen? Darüber kann Wolfinger nur spekulieren: "Manche Menschen scheinen eine angeborene Streitsucht zu haben." Wer vor 32 keinen Partner zum Heiraten gefunden hat, sei vielleicht eher menschlich schwierig – und wenn er dann doch mal heiratet, verliert er seinen Partner auch schneller wieder.

Das klingt ziemlich düster für manche, die aktuell keine jahrelange glückliche Beziehung führen. Man muss die Studie aber auch nicht zu persönlich nehmen: Einen kausalen Einfluss auf das eigene Liebesleben haben allgemeine Daten ohnehin nie.

Und auch Wolfinger selbst hat einen Trost für die unverheirateten Mittdreißiger übrig: Viele potenziell gute Partner hätten früher vor allem aus Konvention geheiratet und dann tendenziell auch lange Ehen geführt. Heutzutage sähen sie dazu aber keine Notwendigkeit: Sie seien mit ihrem Dasein als Single oder in einer Beziehung ohne Trauschein völlig zufrieden.

Wissenswertes zur Heiratsstudie


  • Wolfinger hat US-Daten ausgewertet, keine deutschen. Der Trend zu steigenden Scheidungsraten und dem steigenden Heiratsalter ist allerdings hierzulande ähnlich.
  • Seine Daten stammen aus den Jahren 2006 bis 2010, diese Ehen können in der Zukunft also noch scheitern. Allerdings wurde für den Vergleich mit den Paaren von 1995 ein ebenso langer Zeitraum nach der Hochzeit betrachtet – die verschiedenen Zeitpunkte verzerren das Ergebnis also nicht.
  • Die Studie kontrolliert Faktoren wie Religion, Familienstand der Eltern, Größe des Wohnorts oder Bildungsgrad. Man kann sich also schwer rausreden, dass man eben schlauer ist als andere und deswegen eine klügere Heiratsentscheidung trifft.