Vier drängende Fragen

Fragt man Männer und Frauen nach der Anzahl ihrer bisherigen Sexualpartner, unterscheiden sich die Antworten enorm.

Statistisch lässt sich das kaum erklären, zumindest solange man davon ausgeht, dass am Sex immer nur ein Mann und eine Frau beteiligt sind. 

Forscher der Universität von Glasgow sind nun der Frage nachgegangen, woher diese Differenzen kommen.

Worum geht es?

Befragungen aus den USA, Großbritannien und Deutschland kommen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Männer doppelt so viele Sexualpartner nennen wie Frauen

Hierzulande ergab eine repräsentative Studie, deren Ergebnisse 2017 im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht wurden, dass Männer in ihrem Leben mit zehn Partnerinnen geschlafen hätten, während die Antwort von Frauen fünf Partner lautete. "Selbstwertdienliche Verzerrungen und geschlechtsspezifisches Antwortverhalten könnten zu den unterschiedlichen Angaben beigetragen haben", schrieben die Wissenschaftler dazu. Und: "Unseres Wissens nach wurden die Ursachen für diese diskrepanten Angaben bisher nicht untersucht."

Und was sind die Ergebnisse?

Der Befragung von heterosexuellen Paaren zufolge hatten die Männer im Schnitt Sex mit 14 Partnerinnen während Frauen mit durchschnittlich sieben Männern geschlafen hatten. 

Auf der Suche nach Erklärungen für diesen Unterschied stießen die Wissenschaftler aus Glasgow auf verschiedene Gründe: 

  • So verzerrten etwa Studienteilnehmer und Teilnehmerinnen, die besonders viele Sexualpartnerinnen und Partner angaben, die Durchschnittszahlen – dieses Phänomen war bei Männern häufiger zu beobachten als bei Frauen. 

Ließe man beispielsweise alle Männer weg, die von 110 und mehr Sexualpartnerinnen berichteten, oder alle Frauen mit mehr als 50 Partnern, werde der Unterschied zwischen den Geschlechtern insgesamt kleiner.

Dieser Unterschied wurde noch geringer, wenn die Forscher berücksichtigten, auf welche Weise die Zahlen zustande gekommen waren. 

  • 24 Prozent der Männer schätzten die Anzahl ihrer Sexpartner grob, während es bei den Frauen nur 15 Prozent waren – der Rest zählte genau nach. 

Insgesamt, so die Beobachtung der Forscher, zeigten Frauen außerdem eine konservativere Einstellung gegenüber Sex. Mehrere von ihnen hätten ein Problem mit One-Night-Stands und sie verurteilten Fremdgehen von verheirateten Menschen schärfer. 

Wie wurde die Studie erhoben?

Als Grundlage für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler der Uni Glasgow Daten des dritten britischen "National Survey of Sexual Attitudes and Lifestyles". Im Rahmen dieser Studie werden ungefähr alle zehn Jahre mehrere Tausend Briten in persönlichen Interviews zu ihrem Sexualverhalten befragt. 

An Natsal-3 nahmen 15.162 Frauen und Männer zwischen 16 und 74 Jahren teil. Eine ähnlich große Bevölkerungsstudie zum Sexualverhalten gibt es in Deutschland nicht.

Warum macht man eine solche Studie überhaupt?

Für die beteiligten Forscher ist ihre Arbeit mehr als eine Erklärung statistischer Phänomene: "Die genaue Erfassung der Zahl von Sexualpartnern ist aus vielen Gründen von entscheidender Bedeutung, einschließlich der Bewertung des individuellen Risikos sexuell übertragbarer Infektionen (STI) und der Schätzung der Übertragungsrate von STI- und HIV-Infektionen", sagte die Glasgower Sexualforscherin Kirstin Mitchell. 


Mit Material von dpa


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