Bild: Jalal Hosseini

Als Alicias Eltern sich scheiden lassen, ist sie noch sehr klein – zwei Jahre. Ihre Mutter ist nicht lange Single, drei Jahre später hat sie einen neuen Mann: Frank. Der versucht, ein Vater für Alicia zu sein. Doch die kämpft dagegen an: Bis heute, Alicia ist 27, ist er ihr fremd.

Wie fühlt es sich an, wenn jemand dein Vater sein will, der es gar nicht ist? Und wie lässt sich erklären, dass diese Gefühle fast immer zu Streit führen? Wir haben Alicia gebeten, davon zu erzählen – und eine Expertin, diese Empfindungen einzuschätzen.

"Für mich ist Frank der Mann meiner Mutter", sagt Alicia. "Mein Stiefvater ist er aber deshalb noch lange nicht." An die gemeinsame Zeit mit der Mutter und ihrem echten Vater kann sie sich kaum erinnern, zu lange ist es her.

An den Tag, an dem ihre Eltern ihr erklärten, dass sie sich trennten, allerdings noch ganz genau. "Wir saßen draußen im Garten, ich auf dem Schoß meiner Mutter und mein Vater saß gegenüber. Meine Eltern sagten, dass sie sich nicht mehr lieb haben."

Es gibt keinen richtigen Moment, sich scheiden zu lassen
Karin Kutz, Paartherapeutin

Wie sie sich in dem Moment fühlte, kann Alicia heute nicht mehr genau sagen. "Meine Mutter erzählte mir mal, dass ich danach zurück zum Spielen ging. Ich hab es wahrscheinlich nicht richtig verstanden."

"Aus der Sicht eines Kindes gibt es keinen richtigen Moment für eine Scheidung der Eltern", sagt Karin Kutz, Paartherapeutin aus Nürnberg. "Aber passiert es, wenn die Kinder noch klein sind, ist die Chance für einen möglichen neuen Partner höher, als neuer Vater angenommen zu werden."

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Frank scheint genau das zu wollen. Ein Mann, der sich in Alicias Mutter verliebte, als Alicia fünf war. "Manchmal besuchte er uns und wir aßen zu dritt zu Abend", sagt Alicia.

Doch: Sie könne sich nicht daran erinnern, jemals ein Gefühl für ihn gehabt zu haben. Ein Gefühl, ihn in ihr Herz schließen zu wollen, ihm die Chance zu geben, dass diese Beziehung eine gute werden könnte. "Er war irgendwie da, mit mir gesprochen hat er aber kaum", sagt sie.

Die beiden nähern sich nicht an. Frank habe sie immer mit einem viel zu harten kräftigen Händedruck begrüßt, erinnert sich Alicia. Von ihrem größten Hobby, Geschichten auf Hörspielkassetten zu sprechen, sei Frank ständig genervt gewesen. Er bat sie darum, in ihr Zimmer zu gehen, um die Geschichten dort allein einzusprechen, sie sei zu laut.

Und wie geht es dir?

Bei ihrer Einschulung sei Frank nicht dabei gewesen. "Dabei war das ein großer Tag für mich", sagt Alicia. Dafür kam ihr leiblicher Vater – und dass die Situation für ihn und Frank unangenehm hätte werden können, darüber habe sie damals noch nicht nachgedacht. "Für mich stand fest, dass sich Frank einfach nicht für mich interessierte. Das hat mich sehr traurig gemacht."

Bald darauf kündigte die Mutter an, mit ihr zu Frank ziehen zu wollen. Für Alicia brach eine Welt zusammen: "Ich verstand nicht, warum meine Mutter das wollte. Es war doch schön in unserer Wohnung, nur wir zwei. Dass ich Mama komplett mit ihm teilen sollte, gefiel mir nicht."

Sie habe anfangs noch versucht, ihre Mutter von dem Vorhaben abzuhalten und drohte sogar damit, zu ihrem Vater zu ziehen. "Ich wusste, dass ich meine Mutter damit verletzten würde und konnte mir in Wahrheit auch nie vorstellen, ohne sie zu leben. Aber ich wollte wahrscheinlich auch unbewusst testen, wie sie sich entscheiden würde, wenn sie zwischen mir und Frank wählen muss."

Zu ihrem lieblichen Vater hatte und hat Alicia eine freundschaftliche Beziehung. Auch nach der Trennung sahen sich die beiden regelmäßig, aber von ihren Sorgen berichtete sie ihm nie.

Es war doch schön in unserer Wohnung, nur wir zwei
Alicia

Ihre Mutter entschied sich – für den Umzug. Alicias neues Zimmer sei größer und das Verhältnis zu Frank könne nur besser werden, so ihre Argumente. Außerdem sei Franks Wohnung groß genug für drei Personen. "Als ich begriff, dass ich sie damit glücklich machen wollte, willigte ich ein."

Für Alicia räumte Frank sein Arbeitszimmer. "Wenn ich heute darüber nachdenke, dann war das für Frank wahrscheinlich auch nicht ganz einfach", sagt Alicia.

Frank arbeitete als Angestellter. Wenn er damals abends nach Hause kam, wollte er am liebsten seiner Freundin allein sein, erinnert Alicia sich. Romantische Restaurant- oder Kinobesuche fielen flach, weil Alicia noch zu jung war, um ohne Betreuung zu Hause zu bleiben. Und so blieben sie meistens zu dritt.

Zumindest das Verhältnis zwischen Alicia und ihrer Mutter änderte der Umzug nicht.

Auch in der neuen Wohnung hockte sie sich abends zu ihr ins Wohnzimmer, und genau wie vorher sprachen sie über Neues aus der Schule, aus Alicias Freundeskreis, aus ihrem Leben.

Eine Situation, die auch für den neuen Partner schwer sei, sagt Paartherapeutin Karin Kutz. "Wenn der, dass das leibliche Kind an erster Stelle kommt, kann das Konkurrenzgedanken auslösen. Die neuen Partner vergleichen sich nicht nur mit dem leiblichen Elternteil, sondern buhlen auch um die Aufmerksamkeit und konkurrieren mit dem Kind – wenn auch unbewusst."

Was sich für Alicia zunächst mehr und mehr einspielte, sei für Frank anstrengend geblieben: "Er hat oft mit mir geschimpft", sagt Alicia. "Mal schmatzte ich zu laut, mal hatte ich überall meine Sachen herumliegen lassen. Und meiner Mutter warf er ständig vor, nicht streng genug mit mir sein."

Oft hätten ihre Mutter und Frank auch um die Erziehung gestritten. "Ein großer Fehler, den viele Stiefväter oder -mütter machen: Sie versuchen, in die Kindererziehung einzugreifen", sagt Karin Kutz. "Das ist nicht nur schädlich für die Beziehung, sondern vermittelt auch dem Kind gegenüber Ablehnung."

Ich habe gewünscht, dass er versucht, mich kennenzulernen
Alicia

Alicia machte das Gedanken. "Ich habe mich oft gefragt, wie Frank mich findet, ob er mich vielleicht nicht mag und was ich falsch mache", sagt sie. "Manchmal dachte ich auch, dass ich mich mehr bemühen muss." Beim Essen achtete sie darauf, keine Kaugeräusche von sich zu geben. Auf Äpfel verzichtet sie in seiner Gegenwart ganz, denn das "Knatschen", wie Frank es nannte, könne "ja wirklich niemand ertragen".

Immer wieder sprach Alicia mit ihrer Mutter über Frank. Sie sagte ihr, dass sie sich in seiner Nähe immer noch nicht wohlfühlte und er sie wohl einfach nicht leiden könne. Ihre Mutter versuchte, Alicia zu beruhigen. Und immer wieder schlichtete sie: Frank habe lange allein gelebt und müsse sich auch an die Situation gewöhnen. Er habe keine Kinder und müsse erst noch lernen, mit Alicia umzugehen. Sie sei nicht das Problem, sondern seine Unsicherheit. Es würde besser werden, versprach sie.

Wurde es nicht.

"Ich habe mir so oft gewünscht, dass er wenigstens versucht, mich ein bisschen kennenzulernen", sagt Alicia. Doch Frank habe sich davor verschlossen.

Alicia sagt, eine neue Familie habe sie in der Dreierkonstellation nie gefunden. "Ich habe mit meiner Mutter zusammengelebt, sie auch mit mir, aber sie auch mit Frank. Wir waren kein Team."

Je älter sie wurde, desto mehr Zeit verbrachte Alicia bei ihren Freunden. Mit Frank gibt es im Alltag immer weniger Berührungspunkte. "Er fragte mich vielleicht mal, ob ich die Fernsehzeitung gesehen hatte oder ob er jetzt ins Badezimmer könne."

Sonst nichts.

Ihre Freunde, die überwiegend auch Scheidungskinder waren, schienen immer ein viel besseres Verhältnis zu den neuen Partnern ihrer Eltern zu haben, erinnert sich Alicia. "Ich kenne allerdings auch niemanden, der bei der Scheidung so jung war wie ich. Und ich war neidisch darauf, dass meine beste Freundin ihren Stiefvater schnell als zweiten Papa betrachtete."

Ich war so jung
Alicia

Alicia sagt, sie habe versucht, sich mit der Situation abzufinden – auch, um ihrer Mutter das Glück nicht madig zu machen. Während sie kaum noch über Frank sprachen, freute Alicia sich, nach der Schule endlich ausziehen zu können.

Heute weiß sie, dass auch ihre Mutter die Zeit nach der Trennung als sehr belastend empfand. Immer bemüht, zwischen der Tochter und ihrem Neuen zu vermitteln, immer bemüht, beide – und sich selbst – glücklich zu machen, lebte sie jahrelang zwischen zwei Menschen, die ihr wichtig sind. Kurz nachdem Alicia auszog, heiraten ihre Mutter und Frank.

Doch auch heute kann Alicia nicht wirklich mit ihm sprechen – nie geht es über Smalltalk hinaus.

Erst nach ihrem Auszug konnte Alicia ehrlich mit ihrer Mutter darüber sprechen, wie schlimm diese Zeit wirklich für sie war.

"Meine Mutter sagt heute, dass sie über all die Jahre immer wieder mit Frank über mich sprach, dass sie herausfinden wollte, warum es nicht klappte zwischen ihm und mir." Er sei wohl überfordert gewesen, habe sich oft wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt, sagt Alicia.

"Weil ich so jung war, hätte ich ihn leicht als zweiten Papa anerkennen können. Aber er wollte oder konnte nicht – und wird er für immer einfach nur Frank sein. Frank, der Mann meiner Mutter."


Art

Schminke gehört ins Gesicht? Ganz und gar nicht!
Daisy Weigt malt Kunstwerke aus Lipgloss

Ordentlich umrahmte Lippen, dichte Wimpern, Glitzer-Nagellack oder ultra dünner Lidstrich: alles langweilig, wenn man die Kunstwerke von Daisy Weigt anguckt.

Die Beautybloggerin aus Idaho, USA, hatte offensichtlich keine Lust mehr auf die ständig gleichen Fotos. Frauen mit dicken Make-up-Schichten, akkurat geschnittenen Brauen? Völlig überflüssig, denn mit Schminke lässt sich viel mehr anstellen, zeigt Daisy.

Sie nimmt Lippenstifte, Pinselchen und Puderschwämme – und malt damit. Untergrund: ihre Unterarme. Meistens malt Daisy Logos bekannter Serien oder aufwändig verzierte Symbole wie Sterne oder Blumen.