Bild: Jasmin Schreiber

Die Zeit, in der man ein Kind erwartet, sollte eigentlich wunderschön und aufregend sein. Doch was, wenn man auf einmal erfährt, dass der kleine Mensch im Bauch es nicht schaffen wird? Dass er nicht die Kraft hat, auf die Welt zu kommen oder kurz danach den Kampf verlieren wird? 

Welche Gefühle Eltern in diesem Moment durchlaufen müssen, kann man sich kaum vorstellen. 

Auf diesem schweren Weg ist jede kleine Hilfe ein Segen. Das weiß auch Jasmin Schreiber. Sie ist ehrenamtliche Sternenkind-Fotografin. Das heißt, sie hält mit ihrer Kamera die einzigen Momente fest, die die Eltern mit ihrem Kind haben werden. Im Krankenhaus, kurz nachdem das Kind den Mutterleib verlassen hat.

Es ist mitten in der Nacht. Plötzlich geht auf Jasmins Handy ein Alarm los. Er hat nur eine Bedeutung: Ein Baby hat seinen Kampf verloren und wird es nicht schaffen, auf dieser Welt zu leben. Jasmin schnappt sich dann ihre Sachen und fährt ins Krankenhaus. 

Der Alarm kommt über die App von "Dein Sternenkind". Die Organisation unterstützt Eltern, deren Babys die Geburt gar nicht oder nicht lange überleben werden. Jasmin ist eine von einem guten Dutzend Fotografen, die sich für den Großraum Berlin angemeldet haben.

Sternenfotografen

Kinder, die tot geboren werden, werden Sternenkinder genannt. Es gibt seit 2013 die Initiative "Dein Sternenkind". Hier arbeiten knapp 600 Fotografen ehrenamtlich. Wenn sie gerufen werden, dann kommen sie ins Krankenhaus, um die Sternenkinder, oder auch Kinder, die bald sterben werden, zu fotografieren. Es geht darum, die Eltern in ihrer Trauer zu unterstützen und ihnen eine greifbare Erinnerung zu schenken. 

Die Bilder, die Jasmin dann im Krankenhaus macht, sind immer unterschiedlich. "Manchmal können oder möchten die Eltern nicht dabei sein, dann mache ich Bilder von dem Baby allein", sagt Jasmin.

Es ist der einzige Moment, den die Eltern mit ihrem Kind haben und da will ich nicht stören.
Jasmin

In anderen Situationen sind es Familienbilder – manchmal lebt das Kind noch kurz, manchmal ist es bereits verstorben. Davon hänge auch ab, welche Art von Fotos sie mache, sagt Jasmin. 

"Wenn ich zum Beispiel genau dann reinkomme, wenn das Kind gerade stirbt, dann halte ich einfach nur diesen Moment fest. Es ist der einzige Moment, den die Eltern mit ihrem Kind haben und da will ich nicht stören, also halte ich mich am Rand, beobachte einfach nur und mache die Bilder." 

Andere Eltern seien sehr nervös, da versuche sie, die Bilder möglichst schnell zu machen und sie dann wieder in Ruhe zu lassen.

Manche Eltern wünschen sich eine Art Fotoshooting ihres Babys, "damit sie Bilder haben, die sie Oma und Opa zeigen können". Dafür müssen dann schnell einige Requisiten her: Mal ein Mützchen, um eine Hautveränderung am Kopf zu verdecken oder eine schöne Decke für ein winziges Frühchen, das sonst sehr verloren wirken würde. Immer drängt die Zeit. Bei Sternenkindern beginnt meist schon nach kurzer Zeit eine Veränderung des Äußeren.

Viele Eltern haben aber keine Kleidung oder Accessoires für die Kinder dabei – entweder weil sie schon wussten, ihr Kind würde nicht leben, oder weil das Kind viel zu früh zur Welt kam und nicht groß genug ist für die Neugeborenen-Kleidung. Und auch die Kliniken sind nicht immer auf solche Fälle vorbereitet. 

Also möchte Jasmin gerne ein paar Dinge mitbringen, wenn mal wieder der Alarm auf ihrem Handy losgeht – daher hat sie auf Twitter vor wenigen Tagen um Hilfe gebeten
Die Reaktionen waren überwältigend – und sehr bewegend.

"Ich bin schlafen gegangen und dachte, es melden sich vielleicht zwei oder drei Leute, die alte Babysachen haben", sagt Jasmin zu bento. Doch am nächsten Morgen wachte sie auf und konnte es kaum glauben. 

Der Tweet war schon nach wenigen Stunden mehr als hundert Mal geteilt worden und Jasmins Postfach war voller Hilfsangebote. Alle wollten ihre Arbeit unterstützen. Mittlerweile wurde der Tweet mehr als 1100 Mal gelikt und knapp 900 Mal geteilt. Wegen der Masse an hilfsbereiten Menschen schlug einer vor, Jasmin solle doch eine Amazon-Wunschliste anlegen, mit allem, was sie für sich und die Eltern brauche. 

Das tat sie, packte Stoffe in die Liste, aus denen sie kleine Schiffchen für Frühgeborene nähen möchte, kleine StramplerFrühchenmützen, Bücher und auch ein Kameraobjektiv. "Ich dache nicht, dass da viel passiert, aber gleich das erste, was wegging, war das Objektiv für 500 Euro!", sagt Jasmin.

Nach 24 Stunden war die komplette Liste erstmals leergekauft. Sie hatte einen Wert von mehr als 2500 Euro. 

Zusätzlich dazu bekommt Jasmin nun viele Sachspenden geschickt, einige Menschen legten sogar zusammen und kauften noch ein zweites Kamera-Objektiv.

Als Jasmin ein paar weitere Artikel in die Liste legte – eigentlich nur, um sie für sich selbst vorzumerken – waren sie auch sofort weggekauft. Aktuell sind auf der Wunschliste nur noch zwei Kinderbücher. Für die Geschwister. "Kleine Kinder verstehen oft nicht, warum das Geschwisterchen nicht nach Hause kommt und warum die Eltern so traurig sind", sagt Jasmin. Da können diese Bücher ein wenig helfen.

Bei Jasmin trudeln nun Unmengen an Paketen ein:

Der Postbote muss jeden Tag mehrmals laufen, tut das allerdings offenbar gern. Ist schließlich für einen guten Zweck:

Jasmin schreibt auf Twitter, dass ihr immer wieder die Tränen gekommen sind, die tollen Menschen hätten sie so sehr gerührt. 

Das Bewegendste seien all die Zuschriften gewesen, die sie von Sterneneltern bekommen habe. 

"So viele haben ihre Geschichte erzählt. Das finde ich wahnsinnig berührend, weil es immer noch so ein Tabuthema ist", sagt Jasmin. Viele Freunde und Bekannte trauen sich nicht, mit den Betroffenen darüber zu sprechen, in Familien verursacht es oft Sprachlosigkeit, es fallen Sätze wie "beim nächsten Mal klappt es bestimmt". 

Das ist für die Eltern schrecklich. Man sagt doch auch nicht, wenn der Opa stirbt: 'Macht nichts, die Oma ist ja noch da.'
Jasmin

Das Klinikpersonal sei oftmals nicht genug ausgebildet für den Umgang mit Sternenkindern und ihren Eltern: "Zum Teil wird so ein Kind als Klinikabfall entsorgt, ohne dass die Eltern es überhaupt gesehen haben", erzählen einige Eltern Jasmin.

"Es gibt immer noch so viele Berührungsängste", sagt Jasmin. Gerade wenn es um den Tod von Kindern geht. 

Hier sind Tipps von einer Hebamme, wie du dich als Freund in solchen Situationen verhalten kannst: 
Wenn du nicht weißt was du sagen sollst, dann kannst du auch das formulieren.
Sag zum Beispiel: Es tut mir furchtbar leid und ich weiß jetzt auch nicht was ich sagen soll.
Schweige den Verlust nicht tot. Die Eltern wollen oft darüber sprechen. Biete dein Gehör an.
Bitte sag nie: "Du bist ja noch jung." Oder: "Beim nächsten klappt es bestimmt." Das hilft nicht.
Es klingt banal, aber: Sei einfach da. Biete dich als Gesprächspartner an.
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Den Eltern ihres letzten Einsatzes vor wenigen Tagen hat Jasmin bereits von der Spendenaktion erzählt. "Für sie ist es sehr berührend, zu sehen, dass sie in ihrer Situation nicht allein sind und sich so viele Menschen dafür einsetzen."

Für einen nächsten Fall ist Jasmin bereits in Bereitschaft: Schon am Sonntag könnte es soweit sein. Es wird wieder traurig werden. 

Doch wenn der Alarm dieses Mal klingelt, ist sie mehr als vorbereitet. 

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