Bild: dpa/Tobias Kleinschmidt
Wie sinnvoll ist das tatsächlich?

Die Bahnhofsstraße in Gronau gilt als einer der gefährlichsten Orte in ganz Nordrhein-Westfalen. Nicht, dass dort der IS ein Kalifat ausgerufen hat oder mexikanische Drogenkartelle die Parkflächen unter sich aufteilen. 

Nein, es gibt eine Reihe von Kneipen, die nachts sehr lange geöffnet haben – und dann betrunkene Gäste, die sich prügeln. Die Drogen nehmen. Die Ärger mit Prostituierten haben. Die andere ausrauben.

Die Stadt Gronau will deshalb nun eine neue Sperrstunde einführen – um Schlimmeres zu verhindern.

Mit Sperrstunden können Behörden Gaststätten und Clubs bestimmte Zeiten diktieren, in denen sie schließen müssen. In NRW gilt dies nur von 5 bis 6 Uhr morgens, jede Gemeinde darf aber eigene Zeiten zusätzlich auferlegen. 

Gronau hat seit 2006 bereits Sperrstunden für den Außenbereich: Die Kirmes muss um 23 Uhr schließen, Bars, die draußen Tische haben, müssen diese ab 1 Uhr räumen (hier die Verordnung). Nun kommt der Stadtrat am Mittwoch zusammen, um eine Ausweitung für alle Kneipen der Bahnhofsstraße zu besprechen. Die Empfehlung: Künftig soll von 3 Uhr bis 6 Uhr Sperrstunde sein.

Das sind die Sperrstunden-Regelungen je Bundesland – sortiert nach Härtegrad:
Hier gilt eine Sperrstunde von 2 bis 6 Uhr: Bremen
Hier gilt eine Sperrstunde von 3 bis 6 Uhr (Samstags und Sonntags 5 bis 6 Uhr): Baden-Württemberg
Hier gilt eine Sperrstunde von 5 bis 6 Uhr: Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt
Hier gilt eine Sperrstunde von 5 bis 6 Uhr, außer am Wochenende: Rheinland-Pfalz
Hier gilt gar keine Sperrstunde: Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen
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"Es geht darum, die Straße sicherer zu machen", sagt Raimund Weber von der Stadt Gronau. "Wenn Leute viel Alkohol trinken, ist es immer gefährlich." Also will die Stadt nun diskutieren, ob man die Bahnhofsstraße sicherer machen kann, wenn man die Kneipen früher schließt.

"Wer um 3 Uhr aufhört zu trinken, ist nicht so besoffen wie um 5 Uhr."
Raimund Weber

Um die Gefährlichkeit der Gronauer Bahnhofsstraße mal zu vermessen: Von 86 Personen musste die Polizei 2016 die Personalien aufnehmen, 21 davon wurden festgenommen. Die Polizei ordnete sie daher auf einer Liste der "gefährlichsten Orte NRWs" ein, spricht aber bewusst nicht von einer "No-Go-Area". (Westfälische Nachrichten)

Aber sind Sperrstunden wirklich sinnvoll?

Es gibt zwei Seiten. Die einen argumentiert, Sperrstunden verhindern, dass Menschen frühmorgens aus der Kneipe stolpern und rumgrölen – es geht um den Schutz anderer Anwohner. Die anderen sagen, dass Sperrstunden erst dazu führen, dass sich Kneipenbesucher "druckbetanken" und erst recht für Probleme sorgen, wenn sie alle gleichzeitig raus müssen.

  • In Niedersachsen wurde von 2004 bis 2006 ein Modell ohne Sperrstunde getestet. Es gab keine Probleme, die Erfahrungen waren durchweg positiv. "Eine staatliche Reglementierung, zu welchen Zeiten Lokale geschlossen haben müssen, ist überflüssig", sagte der Innenminister damals (NDZ).
  • Eine Studie, die hingegen mehrere Sperrstundenregelungen weltweit ausgewertet hat, kommt zum Schluss, dass die Gewalt zunimmt, je weniger Sperrfristen gelten. Ein Ausschankstopp hingegen führe zu weniger Übergriffen (Guardian).
  • Auch eine norwegische Studie über Alkohol und Drogen unterstützt diese Beobachtung: Eine Verschiebung der Sperrstunde nach hinten führt pro Stunde zu einer 17-prozentigen Zunahme der Gewalttaten.

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