6 Portraits von jungen Müttern.

Es ist eine Extremsituation, die wohl mit nichts vergleichbar ist. Bei einer Geburt gelten andere Gesetze, so außergewöhnlich, so besonders ist dieses Ereignis. Ob im Krankenhaus, in einem Geburtenhaus oder zu Hause: Frauen, die ein Baby bekommen haben, sagen anschließend oft, dass das der bewegendste Moment ihres Lebens war.

Aber was genau passiert in diesem Moment eigentlich? Wie fühlt es sich an, wenn das Kind draußen ist – und sich der Körper innerhalb von Stunden verändert? Vorher schwanger – nachher nicht schwanger?

Wir haben Frauen begleitet, die ein Kind bekommen haben. Kurz vor und kurz nach der Geburt. Wir zeigen, was dieser Moment aus ihnen gemacht hat – äußerlich und innerlich. 

Jana, 27 – am Tag der Geburt und fünf Tage danach

Wischen, um die Veränderung zu sehen.

1/12

Unser Kind kam eine Woche vor dem errechneten Termin. Am Nachmittag traf ich mich mit Frauen vom Geburtsvorbereitungskurs und wollte danach mit einer Freundin ein Eis essen gehen. Doch ich fühlte mich schlapp, also kam meine Freundin zu mir nach Hause. Um 20 Uhr bat ich sie, zu gehen, weil es mir komisch ging. Meine Wehen fingen an.

Gegen 22 Uhr fuhren mein Freund und ich schließlich ins Krankenhaus und nur drei Stunden später war unser Kleiner auf der Welt. Alles ging so schnell. 

Und ganz natürlich. Ich hatte gar keine Zeit, darüber nachzudenken, was gerade passiert.

Vorher fand ich die Vorstellung seltsam, dass in einem solch intimen Moment fremde Menschen um mich herum stehen werden. Als es so weit war, gab es für mich nichts anderes als mein Kind und die Geburt. Ich habe mein Umfeld nicht mehr wahrgenommen. 

Ich kann es einfach kaum glauben, dass dieser kleine Mensch aus mir rausgekommen ist. Und ich habe viel zu verarbeiten. Zwischen den ganzen Emotionen habe ich keine Zeit, mich mit meinem Körper zu beschäftigen. Der ist gerade einfach unwichtig.

Corina, 32 – zwei Wochen vor der Geburt und fünf Tage danach 

1/12

Unser Kind war acht Tage überfällig. Meine Fruchtblase platzte nachts. Wir fuhren sofort ins Krankenhaus, obwohl ich noch keine richtige Wehen hatte und auch mein Muttermund noch nicht geöffnet war.

Ich kämpfte 26 Stunden lang. Es war sehr hart. Zum Ende hatte ich das Gefühl, nur noch eine durchgehende Wehe zu haben. Da die Werte von meinem Kind und mir schlechter wurden, musste schließlich ein Notkaiserschnitt gemacht werden. Einerseits war ich erleichtert, dass ich es damit bald geschafft hatte, andererseits enttäuscht, weil bereits ein so langer Kampf hinter mir lag. 

Danach war ich komplett fertig und fühlte mich wie in einem Paralleluniversum. Ich hatte sogar Angst, mein Kind auf den Arm zu nehmen, weil ich mich zu schwach fühlte, um es zu festzuhalten.

Noch immer ist es für mich unvorstellbar, dass dieser kleine Mensch durch uns entstanden ist. Anfangs hatte ich große Angst, etwas falsch zu machen, weil er so klein ist. Aber er ist ganz friedlich und ruhig und wir genießen die Zeit zu dritt sehr.

Lotti, 28 – zwei Wochen vor der Geburt und fünf Tage danach

1/12

Ich bin selbst Hebamme. Aber natürlich ist es etwas anderes, selbst ein Kind zu bekommen. Für mich stand fest, dass ich eine Hausgeburt versuchen möchte. Leider gibt es sehr wenige Hebammen, die Hausgeburten durchführen. Auch ich arbeite im Krankenhaus. 

Deshalb meldete ich mich früh bei einem Geburtenhaus und organisierte, dass zwei Hebammen zu mir kommen, wenn es los geht. 

​Unsere Tochter kam vier Tage nach dem errechneten Termin, als hätte sie auf den perfekten Moment gewartet.

Meine Schwester, die auch Hebamme ist, kam an dem Abend zu Besuch und übernachtete hier. Gegen Mitternacht merkte ich die ersten Wehen, stellte mich aber darauf ein, dass es noch lange dauern würde. 

Also ließ ich meinen Partner und meine Schwester schlafen, ging baden und versuchte, die Wehen weg zu atmen. Um drei Uhr morgens weckte ich die beiden schließlich, und als mich meine Schwester untersuchte, war mein Muttermund bereits acht von den nötigen zehn Zentimetern geöffnet. 

Wir informierten sofort die Hebammen und dann ging alles ganz schnell. Meine Fruchtblase platzte, eine halbe Stunde später war unser Kind da. Uns geht es gut und wir sind gesund, die Geburt war unheimlich intim und es herrschte eine konzentrierte, ruhige Stimmung. Danach war ich fertig und zittrig, weshalb es umso besser war, einfach ins eigene Bett fallen zu können. 

Mimi, 29 – zwei Wochen vor der Geburt und zehn Tage danach

1/12

Ich entschloss mich dazu, das Kind zusammen mit meinem Freund zu Hause zu bekommen. Eine Geburt ist etwas ganz Natürliches und ich habe bereits ein Kind geboren. Es gibt Facebook- und WhatsApp-Gruppen, in der sich Frauen, die Alleingeburten planen, und Hebammen, die diesen Plan unter passenden Umständen unterstützen, austauschen und unterstützen.

Wir hatten mit meiner Mutter vereinbart, dass sie meine Tochter während der Geburt zu sich nimmt. Doch als mich meine Mutter in den Wehen sah, schien ihr das zu viel zu sein.

Sie rief den Krankenwagen und die Feuerwehr, weshalb plötzlich fremde Männer in meiner Wohnung standen, um mich mitzunehmen.

Ich fühlte mich überrumpelt und wollte nicht ins Krankenhaus, mir ging es gut.

Die Sanitäter waren nur bereit zu fahren, wenn eine Hebamme die Verantwortung für die Geburt übernimmt. Also telefonierte ich noch in den Wehen herum und eine Freundin vermittelte mir schließlich eine Hebamme, die Hausgeburten unterstützt und den Sanitätern telefonisch versicherte, dass sie zu mir kommen würde. 

Sie ist eine tolle Frau und machte nichts, was ich nicht wollte. Die meiste Zeit saß sie mit meinem Freund auf der Terrasse, während ich drinnen im Planschbecken auf dem Boden in der Küche meine Ruhe hatte. So konnte ich für mich und mein Baby sein und die Geburt langsam und natürlich passieren lassen. 

Die ersten Tage waren wir nur für uns und lagen nackt im Bett. Ich bin stolz auf meine Dehnungsstreifen und gehe gerne im Bikini ins Schwimmbad, denn damit zeige ich: Ich bin Mutter, ich habe ein Kind bekommen. 

Eva, 34 – ein Tag vor der Geburt und ein Tag danach 

1/12

Ich bekam einen Kaiserschnitt. Und hatte komplett unterschätzt, dass das ja ein richtiger chirurgischer Eingriff ist. Ich war natürlich anästhesiert, sodass ich keine Schmerzen hatte, aber trotzdem spürte ich jede Bewegung.

Es wurde nur ein recht kleiner Schnitt gemacht, der dann durch Dehnen vergrößert wurde, da das schonender sein soll. Für mich fühlte es sich an, als würde mein Bauch aufgerissen und in mir rumgewühlt. Ich war komplett überfordert und weinte die ganze Zeit.

Den Eingriff konnte ich dank eines Sichtschutzes nicht sehen, und darüber bin ich auch froh. Ich glaube, dass das ein sehr traumatisierender Anblick gewesen wäre, die Chirurgen hatten Blutspritzer im Gesicht.

Doch die Operation ging unglaublich schnell. Als das Kind draußen war, hatte ich ein ganz komisches Gefühl der Leere. Meine Tochter wurde sofort in ein anderes Zimmer zur Untersuchung gebracht. Danach konnte ich sie endlich in den Armen halten, während ich genäht wurde. 

Ich fühle mich noch schwach, aber es wird langsam besser. Unsere Kleine ist gesund und das ist das Wichtigste für mich. Ich freue mich so sehr auf unsere Zeit als Familie. 

Leonie, 36 – zwei Wochen vor der Geburt und sechs Tage danach 

1/12

Eigentlich hatten wir eine Hausgeburt geplant. Am Abend fingen meine Wehen an, aber in so großen Abständen, dass ich erstmal wartete. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich nichts in mir behalten konnte und mich ständig übergeben musste. Am Morgen rief ich schließlich meine Hebamme an. Als sie kam und mich untersuchte, riet sie mir, ins Krankenhaus zu fahren, weil mein Blutdruck sehr hoch war.

Ich war schon sehr erschöpft und wackelig auf den Beinen – und stimmte ein.

 Vor Ort bekam ich dann einen Kaiserschnitt. Er war ein Klacks im Vergleich zu den Schmerzen davor. Bei der Betäubung und Vorbereitung hatte ich große Angst, der Eingriff selbst ging extrem schnell und ich bekam kaum etwas mit. Ich habe die Operation, in der mir meine Weisheitszähne gezogen wurden, als schlimmer in Erinnerung. 

Als meine Tochter endlich da war, durfte ich sie sofort in den Armen halten. Ich verspürte ein unglaubliches Glück, das mich alle Strapazen sofort vergessen ließ. Auch meine Erschöpfung rückte in den Hintergrund, ich konnte nicht anders, als unser Kind ununterbrochen anzuschauen. 

Gestern waren wir schon spazieren. Mein Mann ist auch ganz verliebt in unsere Tochter, am liebsten hätte er sie selbst zur Welt gebracht und würde sie auch gern stillen.


Alle Fotos: Annika Eliane Krause. Besuche ihr Portfolio oder ihre Webseite für Hochzeitsfotografie, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren.


Today

Dieser Polizei-Hund kann Erste Hilfe leisten
Poncho, dein bellender Freund und Helfer!

Der spanische Polizei-Hund Poncho ist für den Menschen da, wenn es brenzlig wird: Der Polizeihelfer auf vier Pfoten kann nämlich erste Hilfe leisten. Sein Besitzer hat dem Hund beigebracht, wie er reanimieren kann, wenn ein Mensch bewusstlos am Boden liegt.