Unsere Autorin möchte immer weiter schlummern.

Streichmusik. Ich ertaste mein Handy, tippe auf dem Display herum, bis der Wecker verstummt. Drehe mich um und schlummere weiter.

15 Minuten später klingelt es wieder. Ich bleibe liegen.

Auch beim nächsten Klingeln drücke ich auf Snooze. Beim übernächsten ebenfalls.

Als ich eine Stunde später aufstehe, fühle ich mich noch fertiger als beim ersten Aufwachen. Und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mir für diesen Tag so viel vorgenommen hatte.

Die Zeiten, in denen ich um 22 Uhr abends das Licht ausgeknipst habe und morgens um 7 aufgestanden bin, um in die Schule zu gehen, sind lange vorbei. Als ich vor fünf Jahren für mein Studium zu Hause auszog, entdeckte ich die Snooze-Funktion meines Handys. Und bin ihr seitdem treu. 

Ich frage mich, wie viele Leute auf der ganzen Welt wohl täglich snoozen. Und wie es ihnen damit geht.

Bei mir ist das Drücken der Schlummertaste zu einem festen Ritual geworden
Sophia

Ich plane das Snoozen sogar mit ein. Wenn ich um 8.30 Uhr aufstehen muss, stelle ich meinen Wecker auf 8 Uhr. Manchmal reize ich dieses Spiel (wie heute) so lange aus, dass ich am Ende eine Stunde später als geplant aufstehe. 

Der Vorteil: mehr Zeit in meinem Bett. 

Der Nachteil: ein holpriger Start in den Tag.

Es gilt zu hinterfragen, warum Sie snoozen.
Dietrich Ebert, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

"Mit dem Drücken der Schlummertaste haben Sie sich ein Ritual angewöhnt, mit dem Sie die innere Einstellung 'Ich will möglichst nicht wach werden und vor irgendetwas am Tag weglaufen' ritualisiert haben", sagt Dietrich Ebert, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Chemnitz. Er hält an der Universität Leipzig eine Vorlesungsreihe zum Thema "Klinische Physiologie des Schlafes und der Schlafstörungen“. 

Snoozen an sich sei nicht schädlich für den Körper. Doch es könne Ausdruck anderer Probleme sein. "Die gilt es zu hinterfragen", sagt er.  

Ich fühle mich ertappt.
Sophia

Momentan – ich schreibe gerade meine Bachelorarbeit – spielt es keine Rolle, ob ich um 9 oder um 11 Uhr in der Bibliothek sitze, solange ich am Ende des Tages um die acht Stunden gearbeitet habe. 

Ob Snoozen wohl meine Art des Prokrastinierens ist? Will ich mich vor dem Schreiben drücken?

Ich erfahre, dass ausgiebiges Snoozen auch andere Gründe haben kann. Ursachen wie zum Beispiel "Hypersomnie“ – übermäßige Müdigkeit – können dazu führen, dass man dringend im Bett bleiben möchte. 

Eine krankhafte Hypersomnie äußert sich darin, dass man länger als vier Wochen fast täglich unter extremer Müdigkeit leidet. Dies kann wiederum neurologische, psychiatrische oder ganz andere Ursachen haben. 

Ich glaube kaum, dass ich zu den Betroffenen gehöre. Denn offen gestanden bin ich vor allem deshalb müde, weil ich mir bis tief in die Nacht Serien anschaue. Und morgens im 15-Minuten-Takt weiterschlummere.

Eine Freundin mit ähnlichen Aufwachritualen erzählt mir, dass sie angefangen habe, ihren Schlaf zu planen und nicht mehr so viel zu snoozen. Das will ich auch versuchen.

Ich nehme mir vor: 

  • Mir abends keine illusorischen Aufwach-Zeiten mehr vorzunehmen. Stattdessen will ich mir genau überlegen, wie viele Stunden Schlaf ich brauche – in meinem Fall sind das siebeneinhalb bis acht Stunden –, um am nächsten Morgen ausgeruht aufstehen zu können. 
  • Zumindest unter der Woche immer ungefähr zur gleichen Zeit (zwischen 23 und 24 Uhr) ins Bett zu gehen, um einen regelmäßigeren Rhythmus zu bekommen. Mittagsschlaf werde ich keinen mehr machen, um am Ende des Tages auch wirklich müde zu sein. 
  • Abends vor dem Einschlafen keine Serien mehr zu gucken. Außerdem möchte ich versuchen, eine halbe Stunde vor dem Einschlafen mein Smartphone wegzulegen und stattdessen zu lesen, um den Tag ausklingen zu lassen. Das sei für die "Schlafhygiene" besser, habe ich gelesen. (SPIEGEL ONLINE)

Und das Wichtigste:

  • Ab jetzt werde auch ich beim ersten Weckerklingeln aufstehen. 

Die ersten Tage sind hart. Wenn der einzige Anreiz zum Aufstehen darin besteht, weiter an meiner Bachelorarbeit zu schreiben, übt der Schlummermodus eine große Anziehungskraft aus. Das Hochkommen fällt mir deutlich leichter, wenn ich arbeiten muss, zu Sportkursen gehen will oder verabredet bin. 

Doch schneller als gedacht, wird der morgendliche Kampf weniger zäh. Ich beginne meinen Tag früher und bin deshalb entspannter, habe plötzlich Zeit, Radio zu hören oder zu lesen.

Ich habe weder das Bedürfnis nach Koffein noch nach einem Powernap am Nachmittag.
Sophia

Ich bin überrascht, dass ich deutlich mehr Energie habe. Dietrich Ebert erklärt meine Beobachtung so: "Natürlich ist man fitter, wenn man nach dem ersten Weckerklingeln aufsteht”, sagt er. Das Aufwachen sei die natürliche Reaktion auf den Krach. Das setze allerdings einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus voraus, den ich ja neuerdings einhalte. 

Am Ende meines kleinen Selbstversuchs beschließe ich, auch weiterhin meinen Schlaf zu planen und morgens auf die Snooze-Taste verzichten. Dafür hat sich das viel zu gut auf meine tägliche Energie ausgewirkt. 

Werde ich der Schlummertaste komplett abschwören? Im Traum nicht.


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Burger King will McDonald's mit 300 neuen Filialen Konkurrenz machen
Vor allem an Bahnhöfen

Was hat Burger King vor?

Die Fastfood-Kette will in den nächsten Jahren 300 neue Restaurants in Deutschland eröffnen. Das wären dann 40 Prozent mehr Filialen als jetzt mit insgesamt 710 Restaurants. 

"Unser Ziel ist, bis zum Jahr 2023 mehr als tausend Restaurants zu haben", sagte Deutschland-Chef Carlos Baron. Derzeit ist Burger King in Deutschland halb so groß wie Marktführer McDonald's – mit knapp 1500 Schnellrestaurants.