Vier Situationen, ein Gefühl: Aaaah, wer holt mich hier raus?

Eine gute Unterhaltung kann das Leben enorm bereichern. Eine schlechte gibt einem manchmal das Gefühl, man sei sozial völlig inkompatibel.

Besonders groß ist die Gefahr, wenn man die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner noch nicht gut kennt. Zwischen Wetter, letztem Wochenende und Lieblingsdrink verflacht das Gespräch schnell so stark, dass man am liebsten woanders wäre. Guter Small-Talk ist nicht leicht, über ihn werden Bücher geschrieben, Expertinnen geben sogar Tipps. Wir sind keine Experten, im Gegenteil.

Hier erzählen vier bento-Redakteurinnen und Redakteure von ihren merkwürdigsten Small-Talk-Momenten.

(Bild: Giphy )

Selma kannte sich plötzlich selbst nicht mehr:

Es war kurz nach meinem ersten Arbeitstag, die erste Party in der Redaktion: Ich war viel zu früh, damit ging es schon los. Alle arbeiteten noch, ich setzte mich aufs Sofa. Erst mal warten.

Der Plan: Meine neue Kollegen kennenlernen. Aber die Aufregung war viel zu groß. Jedes Mal, wenn ich den Mund aufmachte, stockte ich, alle möglichen Sätze klangen auf einmal lächerlich. Wie soll man da eine normale Unterhaltung führen?

Irgendwann bat mich eine Kollegin zu sich, ich rutschte zu ihr rüber. "Selma, erzähl mir etwas über dich", sagte sie. Plötzlich wusste ich nichts mehr über mich. Alles war wie weggezaubert.

Ich lächelte, wahrscheinlich sah ich etwas merkwürdig aus. Ich sagte irgendetwas Belangloses, sie ging zur nächsten Frage über. "Was für Musik hörst du gerne?" "Ähm, also eigentlich höre ich alles." Ein Kollege warf einen Bandnamen in den Raum. "Okay, die höre ich nicht." Er schlug eine zweite Band vor, ich hatte schon wieder keine Ahnung.

Dann gab die Kollegin auf – und redete lieber mit anderen Leuten.

(Bild: Giphy )

Marc erinnerte zu wenig, um sich zu retten.

Ich glaube, ich hatte schon viele komische Gespräche auf Partys oder Konferenzen. Meist stört mich das nicht weiter. Aber dieser eine Smalltalk verfolgt mich seit Jahren: Ich studierte in Freiburg, traf dort ein Mädchen. Sie hielt ein Tannenzäpfle in der Hand, ich auch. Sie grinste mich an. Flirtete sie mit mir? Ich bin mir in solchen Dingen immer unsicher. Und dann sagte sie plötzlich: "Du erinnerst dich nicht an mich, oder? Die Party letztes Semester?"

Das war unangenehm, aber es wurder noch schlimmer. Denn sie ging nicht, sondern sagte: "Schon okay". Und redete weiter mit mir. Es ging um Dinge, die sie wahrscheinlich schon längst wusste: mein Studium, was ich beruflich so machte.

Ich fragte nach, versuchte krampfhaft, meinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Das Gespräch fühlte sich an wie dieser Moment im Meer: Du schwimmst und schwimmst, willst zurück ans Ufer. Aber der Sog zieht dich immer weiter aufs Meer hinaus.

(Bild: Giphy )

Hanna hat alle vertrieben:

Ich kann Smalltalk nicht besonders gut. Das hat vermutlich zwei Gründe. Erstens langweiligen mich belanglose Fragen und Antworten schnell. Zweitens fallen mir oft keine Fragen oder Geschichten ein, die interessant genug und trotzdem unverfänglich sind.

Stattdessen komme ich in solchen Situationen immer auf besonders tiefschürfende Themen. Das muss ja nicht schlecht sein, passt aber leider selten zur Situation.

Neulich fing ich beim Abendessen mit einer guten Freundin und ihrem neuen Freund plötzlich an, über den Tod meiner Oma zu sprechen. Es gab eigentlich keinen Anlass, die Reaktion war betretenes Schweigen.

Bei einer WG-Party zettelte ich eine Diskussion über sexuelle Übergriffe an. Ein Mensch nach dem anderen musste "kurz auf Toilette" oder einen "neuen Drink holen". Mein letzter Gesprächspartner verdrückte sich auch nach ein paar Minuten, um endlich wieder Spaß zu haben. 

(Bild: Giphy )

Emily wollte doch einfach nur eine Brille kaufen...

Als ich mir vor paar Monaten eine neue Brille kaufte, musste ich einen Sehtest machen. Die Frau, die mir die kleinen Punkte zeigte, war noch sehr jung, gut gelaunt und ziemlich redselig.

Nach ungefähr zwei Minuten erzählte sie, dass sie seit neuestem eine Menstruationstasse benutze. Das sei total angenehm und mit einiger Übung auch leicht einzuführen. Der Geruch sei anfangs etwas unangenehm, aber daran würde man sich schnell gewöhnen. 

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie wir darauf gekommen sind – ich bin mir eigentlich sicher, dass ich sie nicht dazu ermutigt habe –, aber irgendwas ist in diesem Gespräch schiefgelaufen.

(Bild: Giphy )


Jetzt bist du dran!

Hast du auch schon unangenehme Smalltalk-Momente erlebt? Erzähl' uns davon! Schick deine Geschichte an hanna.zobel@bento.de


Queer

Kein Kuss am Strand: Queere Menschen erzählen, worauf sie achten, wenn sie verreisen

Ans Meer fahren, am Strand entspannen, Sightseeing betreiben – Urlaub ist schön, aber noch schöner mit einer Partnerin oder einem Partner an der Seite. Doch für queere Menschen ist ein entspannter Urlaub ein oft nur schwer umsetzbares Vorhaben – weil alles, was von der Heterosexualität abweicht, in vielen Ländern noch immer strafbar ist. 

In 70 Staaten, darunter auch beliebte Reiseziele wie die Malediven (Auswärtiges Amt), sind homosexuelle Handlungen ein Verbrechen. In einigen Ländern droht schlimmstenfalls sogar die Todesstrafe.

Laut "Gay Travel Index 2019" sind Portugal, Schweden und Kanada derzeit die "LGBT-freundlichsten" Länder, Deutschland ist von Platz 3 auf Platz 23 gerutscht – auch in Brasilien und den USA hat sich die Situation für queere Menschen verschlechtert.