Bild: Philipp Hannappel
Ich bin Single und anscheinend sollte ich mich deswegen schlecht fühlen. Tu ich aber nicht.

Wenn ich mir meine Facebook- und Instagram-Timeline anschaue, müsste ich davon ausgehen, dass die Welt sich in zwei Arten von Menschen aufteilt. Die einen sind in einer festen Beziehung. Das sieht in etwa so aus:

Und alle anderen so:
Das soll ein Single sein.
Damit bin ich gemeint.

"Warum bist du denn Single?" fragen Familie und Bekannte mich regelmäßig mit mitleidigem bis entsetzem Blick.

Mitleidig zurückfragen "Warum bist du denn in einer Beziehung?" macht keinen Sinn. Denn die, die in einer Beziehung sind, scheinen die Norm zu sein – oder sich als solche wahrzunehmen.

Wir dagegen, also alle ohne festen Partner oder feste Partnerin, gelten als unvollständig. Uns fehlt etwas. Oder sollte etwas fehlen. Das ist nicht so ganz klar.

Reihenweise verlinken meine Single-Freunde sich gegenseitig unter Bildern wie diesen:

Mir dagegen leuchtet die Kausalität von "Single, allein und unglücklich sein" nicht ein. Wieso soll ich mich alleine fühlen, nur weil ich keine feste Beziehung führe? Was ist mit Freunden, Familie, Kollegen, Bekannten und den flüchtigen und weniger flüchtigen Schmuse- und Sexgefährten in meinem Leben?

Wäre der nicht was für dich? Ihr würdet so gut zusammenpassen!
Alle, immer.

Ich habe mich nie vollständiger gefühlt, nur weil ich etwas geführt habe, das wir gemeinhin "feste Beziehung" nennen und das impliziert, ein anderer Mensch würde exklusiv zu mir gehören.

Und nicht nur das: Sich von seinem Partner oder seiner Partnerin Kompensation für ein Gefühl von Unvollständigkeit zu erhoffen, halte ich für die falsche Basis einer Beziehung.

(Bild: Giphy)

Ja, ich weiß, ich stoße mit dieser Ansicht auf Unverständnis. Das ist mir schon öfter passiert. Es könnte auch damit zu tun haben, dass ich eine Frau bin.

Wenn ich die Memes und Gifs in meinen Timelines und die Aussagen meiner Mitmenschen über mein Single-Dasein auswerte, muss ich logischerweise zu der Feststellung kommen, dass die gängige Vorstellung über das Gefühlsleben einer Single-Frau so aussieht:

(Bild: Giphy)

Komischerweise höre ich nur selten, dass Männer ähnlich bemitleidet werden, wenn sie Single sind. Männern wird aus irgendeinem Grund in dieser Hinsicht mehr Selbstbestimmung zugetraut; sie werden eher so gesehen:

(Bild: Giphy)

Frau, Single und zufrieden – Ich merke, dass das irgendwie nicht geht. Das passt nicht. Lass das mal lieber.

Es gibt Menschen – ja, auch Frauen –, die entscheiden sich ganz bewusst dafür, keine Beziehung führen zu wollen. Single sein kann durchaus eine Entscheidung sein und ist nicht zwangsläufig ein herbes Schicksal, das man erleidet.

Single Bells, Single Bells, Single all the Way!
Ich, beim Weihnachtsbaumschmücken

Was also sagen wir den Verwandten, Bekannten, Freunden, Fremden, Kollegen, Facebook- und Instagram-Timelines dieser Welt, wenn sie uns dafür bemitleiden, dass wir an Weihnachten "allein" waren?

(Bild: Giphy)
Single und von allen genervt? Wie denkst du über das Thema:

Gerechtigkeit

Ist uns Syrien plötzlich egal geworden?

Noch vor Weihnachten hat die Welt nach Aleppo geschaut – jetzt scheint Syrien nicht mehr so wichtig. Die Stadt ist ja evakuiert, ein neuer Waffenstillstand ist ja ausgehandelt. Das stimmt leider nicht:

Der Krieg in Syrien ist immer noch lebendig – und wir sollten weiter hinschauen!

bento-Redakteur Marc Röhlig hat in Syrien gelebt und immer noch Kontakt zu Freunden im Bürgerkriegsland. Im Video erklärt er, was auch wir tun können, um den Krieg nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.