Weihnachten.

Meine Kollegen, die Fernsehwerbung und das Supermarktsortiment tun ihr Bestes, mich jeden Tag daran zu erinnern. Dieses Jahr werde ich das Fest der Liebe das erste Mal seit langer Zeit als Single verbringen. In meiner Familie ist sonst niemand Single. Meine Eltern sind seit ihrer Jugend ein Paar. Meine Brüder sind mit ihren Freundinnen seit Jahren zusammen. Länger, als alle meine festen Beziehungen zusammengerechnet. Und das, obwohl ich mehrere langjährige Beziehungen hatte.

Kein Wunder also, dass ich nicht so wahnsinnig große Lust auf ein "Fest der Liebe" habe.

Versteht mich nicht falsch: Meine Familie ist toll. Ich liebe jeden einzelnen Menschen, mit dem ich Weihnachten verbringen darf. Nur haben eben alle um mich herum ihren ganz besonderen, einzigen Menschen – und ich nicht. Wenn ich an Weihnachten denke, dann schnürt sich mir im Moment ganz leicht die Kehle zu.

Ich kann mir schon ziemlich genau vorstellen, wie Weihnachten abläuft.

Ich sehe meine Oma, wie sie mir ein liebes Lächeln schenkt und ihrem "Birte-Mädchen" über den Rücken streichelt. Meinen Bruder, wie er sich neben mich setzt und mich in den Arm nimmt, einfach so. Meine Tante, wie sie fragt, wie es mir geht und dann meinen Erzählungen über die Arbeit lauscht – mit einem Blick, als könnte sie mich durchdringen, wüsste genau, dass es mir nicht gut ginge. Kann ja gar nicht sein, als Single, an Weihnachten.

(Bild: flickr.com/Britt-knee)

Dabei geht es mir gar nicht schlecht, als Single. Klar, ich denke manchmal an meinen Exfreund und an unsere gemeinsame Zeit. Natürlich bin ich auch mal traurig deshalb. Aber ich date, ich feiere, ich gammele sonntags mit Freunden auf dem Sofa herum.

Eigentlich geht's mir also gut. Eigentlich. Wenn da nicht diese feine Schnur um meinen Hals wäre. Vielleicht zieht sie sich deshalb enger, weil gerade gefühlt jeder um mich herum heiratet und Kinder bekommt. So sehr ich mir wünschte, niemals über meine biologische Uhr nachzudenken, tickt sie eben doch.

(Bild: Reuters/Damir Sagolj)

Immerhin: Die Fahrerei an den Weihnachtstagen, weil man als Pärchen beide Elternpaare und alle vier Großelternpaare abklappert, fällt jetzt zur Hälfte weg. Ein schwacher Trost.

Der wirklich wirksame Trost: Freunde. Sollte man denken. Nur: Die Freunde, die ich an Weihnachten treffe, habe ich für gewöhnlich ziemlich lange nicht gesehen. Viele von ihnen wissen nicht über die Veränderungen in meinem Leben Bescheid – und wollen die Weihnachtstage nutzen, um das zu ändern.

Dreizehn Mal die Frage "Und, wie geht's deinem Freund?", elf Mal die Frage "Wo ist dein Freund", sechzehn Mal die Frage "Fährst du noch zu deinem Freund?" – Jede einzelne gefolgt von der Antwort "Wir sind nicht mehr zusammen", die vom Gegenüber mit einem halb mitleidigen, halb neugierigen Blick bedacht wird. Und betretenem Schweigen. Ein Traum.

(Bild: Flickr / CC-BY-ND B Rosen)

Bleiben also nur viele Kuscheldecken, viele Küsse von Mama auf den Kopf, viele Glühweine und Haselnüsse für Aschenbrödel und Kerzenlicht und Schokolade. Vielleicht. Vielleicht wird Weihnachten auch gar nicht so schlecht.

Nach Weihnachten kommt ja auch Silvester. Und nach Silvester kommt Frühling.