Bild: dpa/ Tobias Kleinschmidt
Böllern ist eigentlich wie Boxen.
Böllern macht mir Spaß. Viel Spaß sogar.

Jahaaaaaaa, als Frau. Wenn ich das sage, schauen mich vor allem Frauen dann meist mit großen Augen an.

Oft sind sie es, die an Silvester mit Wunderkerzen in den Händen zusammengedrängt an der Hauswand stehen und vereinzelt eine Knallerbse auf den Boden werfen, während ihre männlichen Freunde sich gegenseitig die Böller zwischen die Beine schleudern und dann aufgeregt davon hüpfen.

Warum ist das so? Männer mögen Krawall, Frauen lieben es ruhig – Tischfeuerwerk und Bleigießen reichen völlig. Männer lassen die Sau raus, Frauen halten sich dezent im Hintergrund auf.

Bitte? Das ist doch sonst nicht so – warum ausgerechnet beim Böllern?

Wenn es um den lauten Knall geht, sind Frauen sonst auch weit vorne mit dabei. Bei den Olympischen Spielen in Rio gewann Sportschützin Barbara Engleder in der Königsdisziplin, dem Kleinkaliber-Dreistellungskampf, die Goldmedaille. Biathletinnen sind oft erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen. Und Ursula von der Leyen ist Verteidigungsministerin.

Nicht überzeugt? Dann kommen hier drei Gründe, warum Böllern Bock macht.

(Es geht hier nur um handelsübliche Böller und Raketen und nicht um Experimente in der Werkstatt.)

1. Der Wettkampf

Ein fünfsekündiger Mini-Andrenalinkick wartet bei jedem einzelnen Böller auf dich. Du zündest den Glimmstengel an, wirfst das rote Teil ins Gebüsch, trittst zur Seite, wartest kurz: Bääääm!

Je lauter, desto besser. Meist battelst du dich mit den anderen Besuchern der Silvesterparty: Wer hat den dicksten D-Böller am Start? Wenn ein Knall nur als Knällchen verstummt, muss schnell der nächste hinterhergeworfen werden.

Häufig gibt es nach jedem Böller eine kurze, aber dennoch tiefgreifende Analyse:

Werfer 1: "Boah, der war gut."

Werfer 2: "Jo, der war laut. Aber warte meinen ab."

Das Spiel beginnt von vorn.

2. Nicht immer vernünftig sein

Wir arbeiten meist länger als wir müssten. Wir schwitzen zweimal die Woche beim Sportkurs – mindestens. Abends nehmen wir dann höchstens noch einen Yoghurt zu uns. Alkohol bitte nur in Maßen, hat zu viele Kalorien. Rauchen? Iiiihh bah. Wir fliegen lieber günstig mit Ryan Air als teuer mit Lufthansa. Welchen Kühlschrank soll ich kaufen, welcher hat die beste Energiebilanz?

Das ganze Jahr über sind wir artig, leben optimiert, gönnen uns nur wenig Ausreißer.

Ja, Böller kosten verhältnismäßig viel Geld für ein überschaubares, eher kurzweiliges Vergnügen. Aber der Nervenkitzel, wenn man den knisternden Böller in der Hand hält. (An der Stelle noch mal der Warnhinweis: Man sollte die Dinger rechtzeitig wegwerfen.)

Noch dazu produzieren die Böller endlos viel Feinstaub in der Luft. Ok, das müsste wirklich nicht sein. Und Fegen muss man am nächsten Tag auch noch. So ein Mist.

Aber einmal nicht an die Konsequenzen zu denken, kann sehr befreiend sein: Ein Knall nach dem nächsten – endlich mal ein bisschen Action nach Raclette und "Dinner for One".

(Bild: Caroline Seidel/dpa)
3. Aggressionsbewältigung

Begreifen wir das Feuerwerk und Böllern doch einmal in seinem ursprünglichen Sinn: Es sollte nach früherem Glauben böse Geister vertreiben. Das haben wir nach 2016 ja wohl dringend nötig:

Ein Knall auf alle Terroristen dieser Welt. Ein Knall auf Donald Trump und die AfD. Ein Knall auf den Tod, der so viele Vorbilder zu sich geholt hat. Ein Knall auf ungerechte Professoren, auf nervige Kollegen, auf misslungene Prüfung, auf den Ex.

Böllern kann ähnliche Wirkungen erzielen wie Boxen. Statt draufzuhauen, macht es einmal Boom und schon fühlen sich die Probleme dieser Welt etwas kleiner an.

2017 kann kommen!
(Bild: Giphy )

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