Ich mag Silvester – und kann die Verweigerung vieler nicht verstehen. 

"Und was machst Du Silvester?" – "Ach, ist doch ein Datum, wie jedes andere. Ich gehe früh ins Bett."

Selten sagen Menschen mit so viel Stolz, dass ihnen alles egal ist und sie gegen 21 Uhr schlafen gehen wollen. An Silvester. Diese Rebellen. Woher diese Einstellung kommt, ist mir allerdings schleierhaft. Denn wenn Silvester eines nicht ist, dann ein Datum wie jedes andere.

Silvester ist Hoffnung. Neuanfang. Optimismus. Rückschau und Vorschau. Das können wir doch feiern?

Zum Jahreswechsel liegt etwas Besonderes in der Luft. Viele schauen zurück: Was lief dieses Jahr gut? Was lief gar nicht? Bin ich eigentlich glücklich?

Und viel wichtiger: Sie nutzen die Zeit, um auch nach vorn zu schauen: Möchte ich etwas an meinem Leben ändern?

Nicht ohne Grund rennen zum Jahresanfang plötzlich so viele Leute in die Fitnessstudios. Datingportale verzeichnen im Januar die besten Klickzahlen des ganzen Jahres (WUV). 

Es ist eine Zeit der Veränderung. Eine Zeit des Handelns. Nicht des Schlafens.

Doch selbst wer bei der Rückschau feststellt, dass er oder sie das Vorhaben aus dem vergangenen Jahr nicht umsetzen konnte: Sollte man deshalb aufhören, sich etwas zu wünschen und Dinge verändern zu wollen? Ich denke nicht.

Ich selbst arbeite noch heute an meinen guten Vorsätzen für das Jahr 2016. Drei große Veränderungen wollte ich in meinem Leben bewirken: neue Wohnung, neuer Job, neuer Partner. Es gab viele Rückschläge. Die erste erfolgreiche Veränderung erreichte ich zum Jahreswechsel 2017, die zweite zum Jahreswechsel 2018, an der dritten arbeite ich noch heute. Aber ich bleibe dran, sammle Rückschläge – und mache weiter. Denn das ist es, worauf es ankommt.

Und um das Argument zu entkräften, Silvester sei vor allem deshalb schrecklich, weil es nie den Erwartungen entspreche:

Niemand kann zu hohen Erwartungen standhalten, auch Silvester nicht. Am Silvesterabend muss nicht DIE Party des Jahres stattfinden. Und bis zum Jahresende müssen nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen sein.

Dann braucht es eben mehrere Jahre für meine drei gewünschten Veränderungen – aber ich tue etwas, um glücklicher zu sein, als ich es noch 2015 war. Die Hoffnung bleibt.

Gute Vorsätze bringen nichts, wenn man sie zu sehr an Zahlen und Zeiträume festmacht. Es geht nicht darum, in den kommenden 365 Tagen bis zum nächsten Silvester unbedingt mit dem Rauchen aufgehört zu haben. Sondern sich generell zu fragen, was einen unzufrieden macht, ob man das ändern kann – und diese Veränderung auch anzugehen.

Silvester ist für viele der Zeitpunkt, sich Gedanken zu machen und Pläne zu schmieden – und darum sollten wir für diesen Anlass dankbar sein und ihn feiern.

Ja, Zwangs-Partys sind doof, Komasaufen sowieso. Und Böller sind schlecht für die Umwelt und erschrecken Tiere. 

Aber nimm dir nicht selbst die Chance, das Gute an Silvester zu nutzen: etwas zu verändern. Und Silvester dafür auf deine Art auch zu feiern.



Fühlen

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