Ich mag Silvester – und kann die Verweigerung vieler nicht verstehen. 

"Und was machst Du Silvester?" – "Ach, ist doch ein Datum, wie jedes andere. Ich gehe früh ins Bett." Selten sagen Menschen mit so viel Stolz, dass ihnen alles egal ist und sie gegen 21 Uhr schlafen gehen wollen. An Silvester. Diese Rebellen. Woher diese Einstellung kommt, ist mir allerdings schleierhaft. Denn wenn Silvester für mich eines nicht ist, dann ein Datum wie jedes andere.

Silvester ist Hoffnung. Neuanfang. Optimismus. Rückschau und Vorschau. Das können wir doch feiern?

Zum Jahreswechsel liegt etwas Besonderes in der Luft. Viele schauen zurück: Was lief dieses Jahr gut? Was lief gar nicht? Bin ich eigentlich glücklich? Und viel wichtiger, sie nutzen die Zeit, um auch nach vorn zu schauen: Möchte ich etwas an meinem Leben ändern?

Silvester-Gegner sagen, das könne man doch jeden Tag im Jahr tun. Das stimmt auch – tun wir aber selten. Zum Jahreswechsel dagegen schon – und zwar gemeinschaftlich.

An Silvester werden Glückskekse gebrochen und Blei (oder Wachs) gegossen – um einen abergläubischen Blick auf seine Zukunft zu erhaschen. Es werden Jahreshoroskope gelesen und überall sind Glücksbringer-Symbole wie Schornsteinfeger, Schweinchen, vierblättrige Kleeblätter und Hufeisen zu sehen. 

Und auch im konkreten Handeln suchen wir plötzlich vermehrt nach Glück und Gesundheit: Zum Jahresanfang sind die Fitnessstudios besonders voll. Datingportale verzeichnen im Januar die besten Klickzahlen des ganzen Jahres (WUV). 

Es ist eine Zeit der Veränderung. Eine Zeit des Handelns. 

Einige sagen, Silvester sei so schrecklich, weil es nie den Erwartungen entspreche.

Das kommt dann vielleicht auf die Erwartungen an. Niemand kann zu hohen Erwartungen standhalten, auch Silvester nicht. Am Silvesterabend muss nicht DIE Party des Jahres stattfinden. Und bis zum Jahresende müssen nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen und Vorsätze umgesetzt sein.

Wichtig ist nur, dass man etwas tut, um glücklicher zu sein. 

Gute Vorsätze bringen nichts, wenn man sie zu sehr an Zahlen und Zeiträume festmacht. Es geht nicht darum, in den kommenden 365 Tagen bis zum nächsten Silvester unbedingt mit dem Rauchen aufgehört zu haben. Sondern sich generell zu fragen, was einen unzufrieden macht, ob man das ändern kann und diese Veränderung auch anzugehen. Vielleicht hast du das Rauchen dann zumindest reduziert – und bist damit schon mal zufriedener als das Silvester davor.

Silvester ist für viele der Zeitpunkt, sich Gedanken zu machen und Pläne zu schmieden – darum sollten wir für diesen Anlass dankbar sein und ihn feiern und nicht verschlafen.



Fühlen

Welt oder Liebe? Drei Menschen erzählen, was eine große Reise mit ihrer Beziehung gemacht hat

In der Wildnis campen, Sonnenuntergänge sehen, surfen und unter Wasserfällen baden: Davon träumen viele. Und doch leben nur wenige diesen Traum einer großen, langen Reise – auch, weil viele von ihnen zu Hause eine Beziehung haben, der Partner oder die Partnerin nicht mitkommen kann oder möchte – und man nicht einfach für ein Jahr auf Pause drücken kann.

Die Frage ist dann: Was ist mir wichtiger, mein Partner oder die Reise? Wir haben drei Menschen gefragt, für was sie sich entschieden haben – und wie ihr Leben anschließend weiterging. 

Celina, 20, hat sich getrennt und das nie bereut

Ich hatte immer von einer Reise nach Australien geträumt – aber da war ja noch mein Freund. Wir waren seit etwa vier Jahren ein Paar und wollten eine gemeinsame Zukunft, ein Haus kaufen und heiraten. Ich dachte damals, meine Beziehung würde für immer halten.