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ch habe mit 29 Männern geschlafen. Keinen bereue ich. Sie alle sind Teil meiner Geschichte. Einige sind mehr. Schnappschüsse meines Singlelebens, die sich vor meinem inneren Auge abspielen lassen wie ein Daumenkino

João ist einer davon.

Den portugiesischen Adonis aka Surflehrer und Lifeguard – aka mein erster Griff in die Klischeekiste – habe ich in einer Bar kennengelernt. Naja, kennengelernt ist Auslegungssache.

João fiel mir schon früh am Abend auf. Mit einem Körper zum Hinstellen und Anschmachten stand er da. Nippte an seinem Getränk und bewegte sich zur Musik. Als ich ihn sah wusste ich: Das ist mein Mann. Zumindest für heute Nacht.

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Stundenlang schmachtete ich ihn an. Und siehe da, statt mir auszuweichen, warf meine Männerfantasie mir verschämte Blicke zu.

Dann stand er plötzlich vor mir, griff nach meiner Hüfte und zog mich zu sich ran. Ich glaube ich habe kurz aufgehört zu atmen. So überrumpelt war ich von diesem Mann, der seine tadellosen Bauchmuskeln gegen mich drückte. 

Seine Hand wanderte zu meinem Gesicht, hob mein Kinn an und schon legten sich weiche Lippen auf meine. Mir wurde schwindelig. Und heiß. 

Die sexuellen Botenstoffe in meinem Hirn machten sich selbstständig. Ich hörte mich sagen: 

Wollen wir rausgehen?

Zielstrebig führte er mich über den Parkplatz gegenüber und bedeutete mir, ihm den kleinen Abhang dahinter hinunter zu folgen. Skeptisch schaute ich ihn an. „Dunkelheit. Dreck. Tiere“, schoss es mir durch den Kopf. Er reichte mir die Hand.

„Und wenn er mich in die tiefste Jauchegrube führt, widerstehen werde ich ja eh nicht“, ratterte es in meinem restlos mit Hormonen überladenen Gehirn.

Ich balancierte ihm also hinterher, verfing mich in einem Strauch und plumpste in seinen Arm. Er grinste, küsste mich. Ich spürte seinen Schwanz an meinem Oberschenkel. Er drehte mich mit dem Gesicht zur Mauer, die die Wiese vom Parkplatz trennte. 

Er drängte mich dagegen, zog mir mit gekonnten Fingern den Rock hoch und das Höschen aus. Geistesgegenwärtig schaffte ich es gerade noch, ein Kondom aus meiner Tasche zu fischen.

 

Schon ging es los. Um die in der Nähe vorbeilaufenden Menschen nicht lautstark an meinem Abenteuer teilhaben zu lassen, biss ich mir unter vollem Zahneinsatz in den Arm. 

Erschöpft von der dritten Runde saßen wir später auf der Mauer. Um uns herum alles dunkel, die Bar längst geschlossen.

Plötzlich traf mich die Schlampenkeule: 

„Ich weiß nicht mal, wie der heißt“, schoss es mir durch den Kopf. Also fragte ich. Eine Weile saßen wir da, redeten, dann fuhr er mich die zehn Meter zu meinem Hostel, küsste mich zum Abschied und gab mir seine Nummer: „Wir sollten uns unbedingt wiedersehen.“

Warum erzähle ich das? 

Weil das eine der fabelhaften Sololebenseiten ist. Es sind diese Momente, die mich noch zum dümmlichen Grinsen verleiten werden wenn ich alt bin. Hoffe ich.

Kann es von diesen Singleleben-Denkmalen zu viele geben? Nein. Also, jein. Ich habe seit der Trennung von Ben meine Zahl an Sexualpartnern verfünffacht. Mir jede Menge Augenblicke geschaffen, mit denen man eine ganze Daumenkino-Bibliothek anlegen könnte. Keinen möchte ich missen. Trotzdem ist es jetzt genug.

Ich bin fest davon überzeugt, dass jede und jeder mit so vielen Menschen schlafen sollte, wie sie oder er es für richtig hält. Tue ich auch. Und wer mich dafür mit dem S-Wort betitelt – soll er doch. 

Benutzt du das Wort „Schlampe“, kann ich dich leider nur als anti-feministischen Sittenwächter abstempeln, der nicht mitbekommen hat, dass Paschastrukturen hierzulande so zeitgemäß sind wie die Pickelhaube.

Trotzdem kann es ein „zu viel“ geben. Würde ich jetzt genauso weitermachen wie in den letzten Jahren, also mit jedem Y-Chromosomen-Träger schlafen, der mein Höschen interessiert, wäre es zu viel. 

Nein, ich will jetzt nicht Nonne werden und liebe Sex noch immer.

 

Aber von Trophäen wie João habe ich genug. Wie andere war er ein Mann für den Augenblick. Na gut, Augenblicke. Am Ende habe ich aber über eben jene Moment-Gefährten einen Teil meines Selbst verloren, vergessen, was ich will und mich zu einer bindungsphobischen Sexbesessenen entwickelt. Das erzähle ich dann nächste Woche.

 

Wer ist Maja?

Maja ist 29 und heißt nicht wirklich so. Echt ist aber, was sie in ihrer Kolumne erzählt, von ihrer Suche nach Liebe und dem Selbstverlust in der Suche. Sie schreibt über die Fragen, die sie bewegen: Wie viele Männer sind zu viele, kann man auf Tinder Liebe finden und kann Sex süchtig machen?


Today

Autonome randalieren in der Schanze, Merkel und Trump hören Beethoven

Der erste Tag des G20-Gipfels in Hamburg geht zu Ende. Während es im Stadtteil St. Pauli Krawalle gibt, treffen sich die Staats- und Regierungschefs zum gemütlichen Beisammensein.

Was ist passiert?

Demonstranten – darunter gewaltbereite Linksaktivisten – haben am Freitagabend die Zufahrtswege zur Elbphilharmonie blockiert. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und drängte die Aktivisten mit Wasserwerfern zurück. 

Ungeachtet der Krawalle trafen wenig später die Staats- und Regierungschefs der G20 an Hamburgs neuem Konzerthaus ein. Auf dem Programm steht ein Beethoven-Konzert und ein gemeinsames Abendessen.