Ich stehe nervös auf einer Brücke. Warte auf den, den ich mir im Katalog aus gefühlt Millionen Männern ausgesucht habe.

Ich bin dank abendverschlingender Langeweile einmal mehr dem Ruf von Tinder gefolgt. Eigentlich war ich da nie groß unterwegs. Weil ich in dem Getümmel von Penis-Bildern und Pfosten mit Riesenego nie was Männliches entdeckt hatte, das mehr als drei spannende Sätze geradeaus sprechen konnte.

Doch dann kam die Langweile und mitten drin tauchte dieses eine Bild auf: Tiago, 27, Portugiese. Seine Selfie-Sammlung hatte mein Interesse geweckt. Oder zumindest das meines Höschens. Es war viel zu lange her. Wir verabredeten uns auf der Brücke.

Er tippte mir auf die Schulter. Kleiner als erwartet, aber oh my fucking god, der Duft. Es dauert nicht lange, da liegen wir zu meiner großen Überraschung schon knutschend am Kanalufer, Gliedmaßen überall, nicht mehr ganz sicher, zu welchem Körper sie eigentlich gehören. Ich hole kurz Luft. Will ich das echt? Ja

 

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Also nehme ich ihn mit zu mir. Schon im Hausflur drängt er mich gegen die Wand. Fährt mit der einen Hand unter mein Shirt und öffnet gekonnt den Verschluss meines BHs. Die andere Hand fährt in meinen Schritt und lässt mich erahnen, dass der Mann weiß, wo er drücken muss. 

Am nächsten Tag ein Anruf. Drei Wochen lang vögeln wir uns durch meine Wohnung, bombardieren uns mit Nachrichten und quatschen unsere Smartphones heiß. Dann fliege ich nach Portugal. Er hinterher. 

Wir treffen uns auf einem Festival in Sines. Seine Laune ist mies. Jobbedingt. „Ich möchte einfach nur den Moment genießen“, sagt er. „Dann lass uns das tun“, antworte ich.

Musiker aus aller Welt drücken sich auf der Bühne das Mikro in die Hand, wir tanzen, aneinander geschmiegt. Bis er inne hält: „Genau das brauche ich.


Ich bin glücklich.

Hier und mit dir.“

Ich nehme seine Hand und verschwinde mit ihm auf unserer Dachterrasse. Den Klängen des Festivals in der Ferne lauschend, den Blick auf’s Meer gerichtet, machen wir’s im Stehen gegen die kalte Mauer der Terrasse.

Eine Stunde später laufe ich mit wackligen Beinen zurück zum Festivalgelände. Er hält mich fest im Arm. Und lässt mich über Stunden nicht mehr los.


Wieder im Zimmer liegen wir nebeneinander auf dem Bett. Keuchend, vor Schweiß triefend, dümmlich grinsend. „Das war ganz schön intensiv“, murmle ich, nicht fähig nur einen klaren Gedanken zu formulieren. „Wir waren uns wirklich nah“, murmelt er zurück. „Zu nah.“ Plötzlich sind meine Sinne hellwach. 

Eine dunkle Erinnerung macht sich in mir breit. 

„Ich will nicht, dass du mir so nah kommst.“

Da ist es wieder. Das Gefühl, dass mich drei Jahre bei On-Off-Alex begleitet hat. „Okay, sollten wir vielleicht darüber sprechen?“, grummle ich ihm genervt entgegen und fange direkt an: „Ich weiß zwar selbst noch nicht so richtig, was das hier ist oder was ich will. Dafür ist es zu früh. Finde ich. 

Aber ich dachte, wir schauen, wo es uns hinführt... Oder?

„Wie, wo es uns hinführt?“, fragt er sichtlich überrascht. „Wie kommst du denn darauf, dass es irgendwo hinführt?

Wir haben uns doch bei Tinder kennengelernt!“

 

Das war der Todesstoß für mein ohnehin schon schwächelndes Verhältnis zu Tinder. Denn nach rechts wischen ist zwar quasi ein Garant für schnellen Sex. Aber damit ist Tinder eben auch ein Nährboden für Beziehungsunfähige. 

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Und obwohl ich Liebe nicht erzwingen will – ausschließen will ich sie eben auch nicht. 

Ich hoffe noch immer darauf, jemanden einfach zu treffen. Zufällig und so.

Und wo geht das am besten? Auf Reisen. Das stellte ich in den nächsten Jahren fest und verdreifachte so schnell die Zahl meiner Sexualpartner. Aber dazu mehr in der nächsten Woche.

 

Wer ist Maja?

Maja ist 29 und heißt nicht wirklich so. Echt ist aber, was sie in ihrer Kolumne erzählt, von ihrer Suche nach Liebe und dem Selbstverlust in der Suche. Sie schreibt über die Fragen, die sie bewegen: Wie viele Männer sind zu viele, kann man auf Tinder Liebe finden und kann Sex süchtig machen?


Today

Jetzt wird gelöscht! Was sich durch das neue Anti-Hass-Gesetz in den sozialen Netzwerken ändert

Justizminister Heiko Maas kämpft gegen Hasskommentare im Netz. Am Freitag wurde sein sogenanntes Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG, im Bundestag beschlossen. Die Idee dahinter: Betreiber sozialer Netzwerke müssen aktiv gegen falsche Nachrichten oder Beleidigungen vorgehen, sonst drohen ihnen hohe Strafen. (SPIEGEL ONLINE)

Doch das neue Gesetz wird schon jetzt stark kritisiert. Die Befürchtung: In Zukunft könnten Facebook, Twitter und Co. Postings schneller löschen, um Strafen aus dem Weg zu gehen. Kritiker sehen hier einen potenziellen Einschnitt in die Meinungsfreiheit. Aber was genau sieht das Gesetz überhaupt vor – und was bedeutet das für jeden persönlich?