Drei Jahre konnte sich Maja von einem Mann nicht losreißen.

Ich bin seit sieben Jahren Single. Davor gab es Ben. Er war die Liebe meines Lebens. Er hat mir das Herz gebrochen. Und ich seins. Sieben Jahre hat es mich gekostet, über Ben hinwegzukommen. 

„Allein geblieben bin ich dabei nicht.“

Die erste Station nach ihm: Drei Jahre On-und-Off-Halbbeziehungs-Schwachsinn, auf den ich mich vor Ben nicht eingelassen hätte.

Ein halbes Jahr hatte ich einfach nur gelitten und mich voll und ganz in meine Trauer eingegraben, dann schubste mich meine Freundin Lea buchstäblich aus unserer Berliner Wohnungstür. Ich hatte ein Date. Ich wollte nicht. Doch es war an der Zeit, da hatte sie Recht.


Alex war attraktiv. Eine echte Charmeschleuder. Er war genau wie Ben. Ich hatte den Rebound Jahre zuvor auf einer Party kennengelernt. Ein halbes Jahr nach meiner Trennung kam wie aus dem Nichts diese Nachricht: „Hey, ich weiß nicht, ob du dich an mich erinnerst. Ich habe gerade dein Foto auf Facebook entdeckt und gedacht, vielleicht magst du ja mal was trinken gehen?“ Ich sagte zu. 

Stunden über Stunden quatschten wir über sein Musikerleben, mein schreibendes Dasein, Musikgeschmäcker, Drogenerfahrungen – dank eines unfreiwilligen LSD-im-Glas-Experiments konnte ich keine Lobeshymne singen und er, na er „macht das sowieso nicht. Gelogen. Aber das fand ich erst später heraus. Ganz ehrlich war er hingegen, als er irgendwann erklärte: 

„Du, ich bin frisch getrennt und grad nicht auf der Suche nach etwas Festem.“
​Alex

Das war das erste Mal, dass ich diesen Satz hörte, der sich durch die nächsten Jahre meines Erwachsenwerdens ziehen sollte. Aber ich dachte vor allem „Passt. Ich auch nicht.“

Der Abend endete in atemraubendem Rumgeknutsche. Das reichte. Mir zumindest. Ein paar Tage später revidierte ich meine Meinung. Eine Reihe nächtlicher Sextreffen folgte. In Windeseile platzerte sich Alex auf dem Siegertreppchen meiner bisher einstelligen Sexpartnerzahl.

Denn das muss ich ihm lassen: Alex kann Frauen lesen. Zumindest im Bett. Er wusste nicht nur, wann harte Griffe und wann liebevolle Kuschelstellungen angesagt sind, sondern auch, dass multiple Orgsamen garantiert kein Mythos sind.

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Wir genossen die Zweisamkeit. Das getrennte Zusammensein. Bis es zu viel wurde. Nach einem Jahr machte ich Schluss. Ich merkte, dass es vielleicht nicht Liebe war, die ich da fühlte, aber doch irgendetwas, das schmerzte, weil er es nicht erwiderte. 

Ich weiß nicht, wie oft ich mich danach wieder zurücklocken ließ. Ich brauchte ihn. Seine Nähe. Seinen kreativen Input. 

„Ich war süchtig. Süchtig nach ihm. Süchtig nach dem Sex. Süchtig nach der Jagd.“
Maja

Er war auch süchtig. Aber nach dem Exzess. Süchtig nach Bewunderung. Süchtig nach Koks.

Drei Jahre On-Off waren das Ergebnis. Drei Jahre inniger Augenblicke, quälender Distanzbeweise und klammernden Selbstverlusts. Heute weiß ich, dass ich ihn nicht liebte. Damals habe ich Sucht mit Liebe verwechselt.

Ich blieb an seinem Haken hängen, wollte ihm seine Versprechen glauben, von Exklusivität und einem cleanen Leben. Und ich hatte einfach keine Lust, allein zu sein. Also blendete ich die Signale aus, ebenso wie die warnenden Stimmen meiner Freundinnen, die alsbald von dem Drama mindestens so genervt waren wie ich traurig. Ich erklärte ihnen, dass sie ihn nicht kennen würden – und das stimmte auch. In all den Jahren haben sie ihn einmal getroffen. Reicht ja, fand er.

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Und dann war es plötzlich genug. Es war einer dieser gewohnten Pärchenabende. Ich war bei ihm, wir bestellten Essen und spielten mit seiner XBox. Die letzte Trennung war Monate her, ich fühlte mich fast sicher. Und auf einmal platzte es aus mir raus: „Sag mal, was sind wir? Sind wir zusammen?

Ich weiß, du willst es langsam angehen. Und ich brauche auch keine öffentliche Erklärung. Aber sag es mir.“ Stille. Alex blickte auf seinen Teller. Nach einer gefühlten Ewigkeit, den Blick noch immer auf sein Essen gerichtet, flüsterte er:


„Ich kann nicht. Du bist einer der wichtigsten Menschen für mich. Aber es reicht nicht.“
Alex

Nach drei Jahren.

Ich ging. Es war genau der Moment, an dem ich endlich den Haken aus- und ihm vor die Füße spukte. Es reichte.

Mit der Trennung einher ging der Abschied von einem Job, der mich nicht nur über 50 Stunden die Woche arbeitend in ein monatlich wiederkehrendes Minus stürzte, sondern auch psychisch an meine Grenzen brachte. Ich schmiss hin, packte meine Sachen und flog nach Portugal. Das war der Anfang.

Wer ist Maja?

Maja ist 29 und heißt nicht wirklich so. Echt ist aber, was sie in ihrer Kolumne erzählt, von ihrer Suche nach Liebe und dem Selbstverlust in der Suche. Sie schreibt über die Fragen, die sie bewegen: Wie viele Männer sind zu viele, kann man auf Tinder Liebe finden und kann Sex süchtig machen?


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