Arzu, 19, fragt:

Ich habe einen blöden Fehler gemacht: Ich habe ein Nacktbild von mir an einen Mann geschickt, ich dachte, ich könnte ihm vertrauen. Konnte ich offenbar nicht, er schickte es an seine Freunde. 

Am nächsten Tag sprachen mich mehrere Leute darauf an und fragten, ob ich Bilder von meinen Brüsten rumgeschickt hätte, manche beleidigten mich auch ziemlich heftig, bezeichneten mich als "Schlampe". Ich weiß nicht, was ich nun tun soll. 

In meinem Bekanntenkreis machen mich total viele deshalb fertig. Ich verschicke sonst nicht so gedankenlos Fotos von mir, ich dachte eben einfach, ich könnte ihm vertrauen. Was soll ich nun tun?

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Arzu,

ich kann deine Verzweiflung gut verstehen. Da bist du in eine wirklich unangenehme Lage geraten. Du hast vertraut und bist bitter enttäuscht worden. Aber du hast nichts Schlimmes getan und solltest dir deshalb keine Vorwürfe machen! 

Dass andere diese Bilder zu Gesicht bekommen haben, löst wahrscheinlich große Scham in dir aus und angesichts der negativen Reaktionen würdest du dich wahrscheinlich am liebsten in Luft auflösen. 

Doch eines gleich vorweg: Du musst jetzt sehr stark sein – darfst dich nicht selbst verurteilen und Beleidigungen nicht an dich herankommen lassen. Es wird vermutlich ein bisschen Zeit vergehen bis die anderen es vergessen haben, es kein Gerede mehr gibt – nutze diese Zeit, um herauszufinden, wer deine echten Freunde sind und auf wen du getrost verzichten kannst. 

Verletzung des Persönlichkeitsrechts

Die unerlaubte Weitergabe von Nacktfotos verletzt das Persönlichkeitsrecht. In vielen Fällen handelt es sich um eine Straftat, das Opfer kann die Tat anzeigen, die Löschung der Fotos und Schmerzensgeld fordern. Mehr Infos findest du hier

Wenn man sich in einer schwierigen Situation befindet, kann es helfen, sich zu fragen: 

  • Was kann ich daraus lernen?
  • Welchen Sinn macht es, dass ich diese Probe bestehen muss?
  • Wie kann ich stärker aus der Situation herausgehen?

Frage dich auch, wie du in zehn Jahren (oder auch schon in einem Jahr) darüber denken wirst. Vielleicht stellst du fest, dass es sich mit ein wenig Distanz schon gar nicht mehr so schlimm anfühlt und du es irgendwann in die Schublade "miese Erfahrung, aber ich habe daraus gelernt", stecken kannst. 

Sprich auf jeden Fall mit Menschen darüber, denen du wirklich vertraust – das können deine Eltern sein oder eine gute Freundin. 

Das kostet natürlich erst mal viel Überwindung, aber du wirst sehen, dass es unglaublich entlastend ist, auszusprechen, wie es dir geht und Verständnis und Beistand zu bekommen. Solltest du feststellen, dass die Angriffe auf dich nicht weniger werden, ist es umso wichtiger, dich nicht zurückzuziehen, sondern unbedingt aktiv zu werden und entsprechende Anlaufstellen aufzusuchen.

Du darfst nicht zulassen, dass dir irgendjemand dein Selbstwertgefühl kaputt macht! Du warst, bist und bleibst eine wertvolle junge Frau, die noch viel Schönes vor sich hat. 

Ich hoffe du wirst an dieser negativen Erfahrung reifen und trotzdem irgendwann wieder vertrauen können.

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin

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