In der festen Überzeugung, in Berlin keine Liebe zu finden, zog ich nach Portugal. Hier hatte ich immer Sexgefährten getroffen, da sollte sich auch Liebe finden lassen. Dachte ich. 

Nach dem Bali-Desaster, bei dem ich Hals über Kopf vor einem tollen Mann geflohen war, war es wirklich Zeit für mich, mich auf was Ernstes einzulassen. Dachte ich.

Also fing ich an, zu Daten.

 

Elf Männer fasst die Liste meines ersten Portugaljahres. Sechs von ihnen avancierten in Windeseile zu Vielleicht-bist-du-DER-Mann-Ideen in meinem Kopf: 

  • João: Wunderschöner Mann, großartig spontaner Sex auf Parkplätzen, ein Hormonrausch. Er interessierte sich zwar für nichts anderes als Surfen. Aber das war mir egal. Beziehungsfantasien: Zwei Monate.
  • Kawhi: Emotional unzugänglich, aber Herzmensch. Der beste Sex meines Lebens – für eine Woche. Nach seiner Abreise zurück nach England fütterten wir uns regelmäßig mit liebevollen „Du fehlst mir so“-Nachrichten an, waren aber beide nie bereit zu springen. Beziehungsfantasien: Sieben Monate mit Unterbrechungen.
  • Benito: Langjähriger Freund, Lifeguard, selbst ernannter Toyboy für den Moment. Als ich versuchte, aus Freundschaft Liebe zu machen, knallte ich gehörig gegen seine Mauer mit der Aufschrift: „Friends with benefits – only!“ Beziehungsfantasien: Ein Monat.
Mehr Sexkolumnen? Bitte sehr:
In seiner ersten Kolumne beschreibt er, wie lachen uns beim Sex näher bringt. Die ganzen Text lest ihr hier.
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  • Connor: Surfer, mit dem ich Humor und unzerstörbare sexuelle Anziehungskraft teile. Vergeben. Persönlicher Tiefpunkt: Betrunkenes Rumgeknutsche in einer Nacht, in der seine Freundin früher nach Hause ging. Bis heute bereue ich das. Inzwischen ist er Single. Beziehungsfantasien: Sieben Monate.
  • Jakob: Liebevoller Surfer ohne Passion für Politik, Kunst oder Musik. Vollkommen dramenfrei. Großartig im Bett. Wir dateten drei Monate, um dann beide festzustellen, dass wir in die Idee ineinander verliebt zu sein verliebt waren, aber nicht ineinander. Beziehungsfantasien: Drei Monate.
  • Savio: Gefühlt der einzige wirklich in Frage kommende Mann in meiner Portugalwelt. Wir knutschten eine Woche bevor ich Portugal für den Winter Lebewohl sagte. Beziehungsfantasien: Zwei Wochen.


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Es waren viele Männer in meinem ersten Portugaljahr. Meine Welt drehte sich nur noch um sie, darum, wann sie schreiben, was sie schrieben, was sie sagten, wie sie küssten, wie viel Sex wir hatten. Ich hatte das mal ganz gut trennen können, die körperliche Leidenschaft und die echte Verliebtheit. Ich merkte nicht mal, dass ich ein Problem hatte. 

Bis meine Mama mir den nötigen Arschtritt versetzte. Wir sind eins von diesen Gilmore-Girls-ähnlichen-Mutter-Tochter-Paaren. Gerade in Männer- und Lebensfragen ist sie neben meinen Freundinnen oft die erste Ansprechpartnerin. Und ich erzählte ihr immer wieder, dass ich gerade jemanden kennengelernt hatte, der „der Richtige“ sein könnte.

Bei Jakob reichte es ihr. „Ich glaube du bekommst grad Torschlusspanik“, sagte sie.

Das saß. Weil sie Recht hatte. 

Ich hatte genug vom Single-Sein. Ich wollte Liebe. Und war gleichzeitig nicht offen dafür. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt. Weil die 30 bedrohlich näher rückte. Ich wollte nicht älter werden und wurde es nicht. Reisen, feiern, hin und wieder jüngere Männer – das alles gab mir das Gefühl ewig 25 bleiben zu können.

Ich hatte immer gedacht, dass ich in den Zwanzigern Mama werden würde, hatte das aber in den Zwanzigern klar nicht gewollt. Jetzt hatte ich Angst.

  • Angst, keinen von „den Guten“ mehr abzubekommen.
  • Angst, mich mit dem Sammelsurium bindungsgestörter Idioten zufrieden geben zu müssen, das überbleibt, wenn die Bindungsfähigen längst gebunden sind.
  • Angst, weil ich merkte, dass es mir inzwischen selbst wahnsinnig schwer fiel, mich zu binden.

Ich war verzweifelt. Und ausgelaugt. So viel Spaß der lange Sommer, die vielen Partys und Männer mir gemacht hatten, ich war am Ende weiter von mir entfernt als jemals zuvor.

Eine Sache, die ich im Laufe meiner Reisejahre gelernt habe ist die: Ich kann vielleicht nicht vor meinen Problemen davonlaufen, ich kann sie aber einpacken, an einen anderen Ort schleppen und dort aus einer anderen Perspektive begutachten. Das tat ich.

Mit einer selbst verordneten Männerpause im Gepäck flog ich nach Indien. Yoga machen. Mein gekrümmtes Selbst wieder aufrichten. Rausfinden, was ich will und wie es weitergehen soll. Aber weil ich ich bin, blieb meine geplante Männerpause nicht ohne Herzschmerz.


Today

Sean Spicer tritt als Pressesprecher von Donald Trump zurück

Er war schon lange umstritten, nun ist der Pressesprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, zurückgetreten. ("New York Times")

Der Grund ist demnach ein Personalstreit. Sean Spicer war mit der Ernennung des neuen Kommunikationsdirektors Anthony Scaramucci nicht einverstanden. US-Präsident Donald Trump hatte sich hingegen für Scaramucci ausgesprochen. 

Das hält Spicer laut "New York Times" für "einen großen Fehler" – und gab seinen Rücktritt bekannt.