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ch habe einen Mann kennengelernt. Mich Hals über Kopf in ihn verliebt. Und bin vor lauter Angst, aus uns könnte was werden, weggelaufen. In die Arme vieler Männer.  

Der Mann war Matt. Im Höchstgenuss meines Singledaseins habe ich den Kanadier in einer Bar auf Bali kennengelernt und ihn in einer heißen Strandnacht zu meinem 20. gemacht.

Nicht erwartet hatte ich diese Nachricht am nächsten Morgen: „Guten Morgen Sonnenschein, wie wäre es mit einem richtigen Date?“ 

Plötzlich war ich nervös. 

Stundenlang sprang ich zwischen Rucksack und Spiegel hin und her, unentschlossen, mit flauem Gefühl im Magen.

Matt wartete schon am Hafen, als ich aufgehübscht mit meinem Lieblingskleid eintraf. Er grinste, drückte mir einen Kuss auf die Lippen. Scharf. Nicht nur er, sondern auch das Chili, das er vorher gegessen hatte und das sich in Windeseile durch die Nervenbahnen meiner Lippen zog.

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Was folgte war das beste erste Date meines Lebens. 

Nicht nur der Typ war perfekt. Sonnenuntergang, Bambushütten am Strand und Sternenhimmel waren so umwerfend pathetisch, dass so mancher Kitschneurotiker direkt das Kotzen gekriegt hätten. 

Ich nicht.

Nach zehn Stunden Reden, Lachen, Kuscheln, Vögeln brachte er mich nach Hause. „Ich küsse dich jetzt 24 Mal, dann geh ich“, sagte er. Zwei Stunden später lag ich neben meiner Freundin und Reisebegleitung Rita im Bett. Aufgekratzt vor lauter Schmetterlingen. Schlafen ging gar nicht, also weckte ich sie und sabbelte ihr die Ohren mit meinem Kitschdate voll.

Wir trafen uns jeden Tag, tagelang. Grinsend beobachtet von Rita und ein paar neuen Freunden, mit denen wir unsere Abende verbrachten. Es war perfekt. Wurde nur perfekter, als uns eine Zufallsbekanntschaft fragte, wie lange wir schon zusammen seien. „Fünf Tage“, sagten Matt und ich wie aus einem Mund und hörten den Rest des Abends nicht mehr auf behämmert zu grinsen.

Dann war der Abend des Abschieds gekommen. Matt wollte weiter, Rita und ich bleiben. Stundenlang lagen Matt und ich am Strand, kaum merkend wie der pervers rosafarbene Himmel immer pinker wurde. Irgendwann platzte es aus Matt heraus: 

Ich hab dich wirklich gern...

... Naja, was ist das für dich? Willst du mit mir zusammen sein?“ Mir wurde schwindelig, Gedanken und Gefühle tobten in meinem Herz und Kopf. Angst. Vor dem altbekannten Schmerz. Vor dem Verlust meines Single-Ichs. 

Nein.

Noch Monate später habe ich ich mich immer wieder gefragt, wieso ich ihm diese Antwort gegeben habe. Als mir klar wurde, dass die Angst das Hirn aus meinem Kopf geschupst hatte, fing ich an zu begreifen. Und ihm zu schreiben. Mich zu erklären und zu entschuldigen. Ihn zu fragen, ob er es vielleicht doch versuchen wolle. Er wollte nicht.

Doch ich hatte etwas begriffen: 

Ich wollte Liebe. Mich wieder öffnen. Die Angst loslassen.

In der festen Überzeugung in Berlin keine Liebe zu finden, zog ich ein Jahr später nach Portugal. An den Ort, der für mich lange Refugium gewesen war. Hier hatte ich immer Männer gefunden, da sollte sich also auch Liebe finden lassen. Dachte ich. Und fing an zu Daten.

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Elf Männer fasst die Liste meines ersten Portugaljahres. Mit sieben von ihnen habe ich geschlafen. Sieben von ihnen tauchten als Beziehungsfantasie in meinem Kopf auf. Auch João. Der schmucke Augenblick-Mann, mit dem ich Leidenschaft teilte, von dem mich aber ansonsten Welten trennten. Aber der Sex war gut. Und je mehr Sex ich hatte, desto mehr bildete ich mir auch ein, zu fühlen. Ein Trugschluss. Aber davon nächste Woche mehr. 


Wer ist Maja?

Maja ist 29 und heißt nicht wirklich so. Echt ist aber, was sie in ihrer Kolumne erzählt, von ihrer Suche nach Liebe und dem Selbstverlust in der Suche. Sie schreibt über die Fragen, die sie bewegen: Wie viele Männer sind zu viele, kann man auf Tinder Liebe finden und kann Sex süchtig machen?


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Am 15. Juli 2016 stürmten Soldaten die Bosporusbrücke in Istanbul, besetzten Flughäfen und bombadierten das türkische Parlament in Ankara – ein Putschversuch des türkischen Militärs. (bento)

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