Bild: Unsplash/Kendyle Nelson

Die vergangenen Wochen haben zwei große Wahrheiten sichtbar gemacht:

  1. Viele Frauen haben schon einmal sexuelle Gewalt erfahren oder Sexismus im Alltag erlebt.
  2. Und viele Männer wissen nicht, ob und wie sie darauf reagieren sollen.

Diese Wahrheiten sind nicht neu. Aber der Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein und die folgende Debatte rund um den Hashtag "MeToo" haben viele erneut zum Nachdenken gebracht. 

Auch Schauspielerin Nicole Stamp – die nun mit einem Leitfaden Männern dabei helfen will, sich gegenüber Frauen besser zu verhalten.

Nicole Stamp arbeitet in Kanada als Schauspielerin und Regisseurin, sie war unter anderem in der Serie "Carmilla" zu sehen. Auf Twitter und Facebook folgen ihr Zehntausende. Als der Hashtag "MeToo" gestartet wurde, positionierte auch sie sich – und entwarf auf Facebook dann ihren Männer-Leitfaden.

"Viele männliche Freunde haben mich gefragt, was sie konkret tun können, damit sich Frauen wohler fühlen", sagt Nicole. Sie seien schlicht schockiert gewesen, wie viele Tausende sexuelle Übergriffe und Belästigen erfahren haben. 

Das sind Nicoles wichtigste Tipps für einen besseren Umgang mit Frauen:
1. Übe die Sätze "Das ist nicht cool" oder "Der Spruch war ziemlich scheiße". Sag sie Männern ins Gesicht, die Frauen respektlos behandeln.
2. Folge feministischen Autoren, zum Beispiel Ijeoma Oluo. Ja, sie werden manchmal wütend und anstrengend, aber ihre Sichtweisen sind es wert.
3. Fördere Frauen bei der Arbeit. Achte darauf, wenn Männer sie unterbrechen oder ignorieren und lenke die Aufmerksamkeit auf sie zurück.
4. Achte darauf, wie du Frauen im Gespräch vorstellst. Es geht um Berufsbezeichnungen und Titel, nicht um "Die Bezaubernde" oder "Die Hübsche".
Männer werden zum Beispiel in 72 Prozent der Fälle als "Doktor soundso" vorgestellt, Frauen mit Titel hingegen nur in 42 Prozent der Fälle. (Washington Post)
5. Gib Frauen keine Spitznamen wie "Süße", "Baby" oder "Schätzchen", weder auf der Arbeit noch irgendwo sonst. Das würdigt sie herab. Passiert es doch, entschuldige dich einfach.
6. Du darfst flirten. Aber achte darauf, ob sie darauf wohlwollend reagiert. Wenn nicht – DANN HÖR AUF! Beim Flirten wie beim Sex gilt nicht, dass du so lange weitermachst, bis sie "Nein" schreit.
7. Benutze keine Beleidigungen, die sich auf Geschlechter oder Ethnien beziehen. Anstatt "Schlampe" oder "Tussi" kannst du auch mit etwas fluchen, was jeden betrifft: "Arschloch"!
8. Wenn du Söhne hast oder andere kleine Jungs in deinem Umfeld, bringe ihnen einen feministischen Blick bei. Frauen als Menschen zu sehen, fängt im Kinderalter an.
9. Und im Umgang mit Mädchen kannst du darauf achten, sie für ihre Hobbys und Schularbeiten zu loben – anstatt immer nur zu sagen, dass sie "süß aussehen".
10. Wenn du nachts alleine auf der Straße oder in der Bahn unterwegs bist und einer Frau begegnest, halte Abstand. Hilf ihr, sich sicherer zu fühlen.
11. Wenn du dich bei Gesprächen zum Thema Sexismus unwohl fühlst, halte das einfach erst mal aus. Sei ruhig, höre zu – auch wenn es anstrengend ist.
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Diese Tipps sind natürlich nicht allgemein gültig – oft kommt es auf die Situation an und darauf, wie gut sich zwei Personen kennen. Ein "Schätzchen" unter guten Freunden oder Kollegen, die gerne miteinander rumalbern, ist kein Problem. Das gleiche Wort vom Vorgesetzten zur Praktikantin ist hingegen einfach nur fehl am Platz. 

Aber um strenge Regeln geht es Nicole auch gar nicht. Eher darum, zum Denken anzuregen, sagt sie.

Auf ihren Facebook-Post haben fast 70.000 Menschen reagiert, mehr als 3000 haben die Tipps kommentiert. Viele Männer freuen sich über die Handreichung, manche kommentieren schlicht ein einfaches "Dankeschön". 

Allerdings – auch so eine traurige Wahrheit – zog der Post auch schnell viel Hass an. "Ich war die ganze Nacht wach und habe die Nachrichten der Trolle gelesen", sagt Nicole. 

Viele Typen meldeten sich und sagten mir, "du gehörst mal ordentlich vergewaltigt".
Nicole Stamp

Nicole weiß, das sollte man nicht tun – aber sie will auch nicht die Augen vor dem Hass verschließen. Zum Glück sei die große Mehrheit der Reaktionen positiv gewesen. 

Die Tipps sind natürlich keine allgemeingültigen Regeln, aber in ihrer Schlichtheit umso wertvoller.

Das große Echo rund um Nicoles Liste zeigt, wie wichtig eine Debatte darüber ist, was okay ist und was nicht. Frauen respektvoll zu behandeln und sie in Beruf und Alltag nicht herabzuwürdigen, können Männer lernen. Sollten sie lernen.

Was beim Flirten und im Bett erlaubt ist, ist hingegen etwas, was sich von Fall zu Fall neu gestaltet, weiß auch Nicole. "Nein heißt Nein" gilt zwar überall – aber auch in den Momenten, bevor es bis zum Nein kommt, könne man(n) viel über den sensiblen Umgang mit Frauen lernen. 

"Achte einfach viel mehr auf Körpersprache", sagt Nicole. Ein "Ja" könne man auch ausstrahlen – "und dann könnt ihr gemeinsam mit dem weitermachen, was auch immer ihr vorhabt".

Tatsächlich erkennen viele Männer nicht, ob eine Frau auf sie steht. 

Das sagt eine Studie der Psychologin Teresa Treat. Sie hat Männern Bildern von Frauen gezeigt. Sie sollten dann bewerten, wie aufgeschlossen diese wirken. Hier kannst du mehr zum Test erfahren.


Trip

Die Qual mit dem Wal: Meine Whale Watching Tour war zum Kotzen

Der erste, der einknickt, ist der Jüngste. Ein kleiner Junge, um die drei Jahre alt. Ich drehe mich um und sehe seinen kleinen Kopf fast vollständig in der blauen Kotztüte verschwinden. Er kauert sich zwei Reihen hinter mir auf dem Schoß seiner Mutter zusammen.

Wer nimmt so einen kleinen Menschen bei dem Wellengang auch mit auf eine Whale Watching Tour, frage ich mich still. Wer noch keine Kinder hat, darf sowas nicht laut aussprechen.