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Du hältst dich für sehr aufgeschlossen und beurteilst Menschen nicht nur nach ihrem Äußeren? Das ist toll! Leider macht dein Gehirn trotzdem manchmal, was es will. Ohne, dass du es beeinflussen kannst. 

Genau das haben nun mal wieder einige Forscher gemerkt: In einer Studie wollten sie herausfinden, ob wir Frauen anders wahrnehmen, wenn sie leicht bekleidet sind. 

Das Ergebnis: Wenn Frauen als Sexobjekte dargestellt werden, fühlen wir uns ihnen nicht so verbunden – und nehmen sie als weniger menschlich wahr.
So lief die Studie ab:

Ein Forscherteam der Unis in Wien und Triest haben die Teilnehmer ein Computerspiel spielen lassen. Dabei wurde ein Ball von Person zu Person geworfen. Sehr simpel. 

  • In der ersten Stufe der Studie machten die Studienteilnehmer beim virtuellen Spiel mit. Mal bekamen sie regelmäßig den Ball und mal wurden sie von den anderen Spielern – dargestellt durch Schauspieler – systematisch ausgeschlossen. Währenddessen wurde die Gehirnaktivität der Teilnehmer gemessen. 
  • Im zweiten Schritt sahen sie einer Spielergruppe zu, die eine Frau die ganze Zeit ausschloss. Die Frau war also in derselben Situation, wie zuvor die Studienteilnehmer. Auch dabei wurde die Gehirnaktivität gemessen und siehe da: Als die Frau betroffen war, wurde genau dieselbe Region aktiv, wie zuvor, als die Teilnehmer selber das Opfer waren. Sie empfanden also Empathie

Soweit nichts Besonderes. Doch es gab eine sehr interessante Beobachtung.

In einem Szenario, wo die ausgeschlossene Spielerin weniger Kleidung trug und mehr Haut zu sehen war, wurde die Hirnregion der Probanden bei weitem nicht so aktiv wie zuvor. Sie empfanden also deutlich weniger Mitgefühl. 

Dieser Effekt war bei den männlichen und weiblichen Studienteilnehmern gleichermaßen stark.

Die Wissenschaftler wollten mit ihrer Studie herausfinden, welchen Effekt beispielsweise sexualisierte Werbung auf Menschen hat. Die Studienergebnisse unterstreichen, was in der Sozialpsychologie bereits weithin bekannt ist: 

"Der sexualisierten Person werden bestimmte menschliche Eigenschaften, wie Moral oder Verantwortung, zum Teil abgesprochen." (Universität Wien

Fühlen

Sexismus-Phrasen, die immer wieder kommen – und was du antworten kannst
"Darf ich jetzt keine Komplimente mehr machen?!"

Die Gesellschaft redet über Sexismus – da lassen die Gegner der Debatte nicht lange auf sich warten. Das ist jedes Mal so. Es war bei #Aufschrei so und es ist auch bei #MeToo so. 

Zum Teil sind es konservative Stimmen, die gegen Veränderungen sind, zum Teil sind es Menschen, die sich in der Debatte zu unrecht beschuldigt fühlen. Mal sind es auch Frauen, die die Aufregung nicht verstehen können oder wollen. Die Reaktionen sind bei all diesen Gruppen sehr ähnlich: Frauen wollen nur "Aufmerksamkeit", Frauen sollen sich "mal nicht so aufregen".