Irgendwas zwischen drei und dreizehn Minuten – das ist genug Zeit, um Kaffee aufzubrühen, ein Avocado-Brot liebevoll zu belegen oder sehr ausgiebig die Zähne zu putzen. Aber ist es auch genug Zeit für Sex?

Ja, wenn man den Sexual- und Familientherapeuten, Psychologen und Ärzten glaubt, die 2008 von Forschern der Penn State University befragt wurden. Sie schätzten, Sex bei Paaren dauere im Schnitt drei bis dreizehn Minuten. Als "Sex" definierten sie die Zeitspanne zwischen der Penetration der Vagina bis hin zur Ejakulation.

Und auch wenn das bedeutet, dass viele Paare per Definition aus dieser Studie ausgeschlossen sind und es offenbar nicht darum ging, weibliche Lust mit zu behandeln, ist die offensichtliche Frage: Reicht diese Zeit?

In unserer heutigen Vögelkunde wollen wir wissen: Wie lange dauert guter Sex?

"Eine Frage, die sich nur individuell beantworten lässt", sagt Paar- und Sexualtherapeutin Dorothea Perkusic. Denn um zu wissen, was Männer und Frauen beim Geschlechtsverkehr als die perfekte Länge ansehen, muss man erst mal wissen, was sie unter "gutem Sex" verstehen. 

"Für die einen bedeutet allein die Tatsache, am Ende des sexuellen Aktes einen Orgasmus zu haben, dass der Sex gut war", sagt Perkusic. Für andere ginge es hingegen mehr um viel Hautkontakt, gepaart mit einer gewissen Leidenschaft, wenn nicht sogar "Geilheit".

Mehr Vögelkunde? Hier:
1/12

Wieder andere sehnten sich nach körperlicher und emotionaler Zuwendung, nach Hingabe und einer gewissen Form von Achtsamkeit. "Je nach dem, was einem Paar beim Geschlechtsverkehr gefällt, hat der fünfminütige Quickie auf der Rückbank also genau dieselbe Berechtigung wie zweistündiger Sex bei Kerzenschein", sagt die Paartherapeutin.

Das Problem mit pauschalen Aussagen wie "guter Sex dauert 15 Minuten": Laut Perkusic tragen sie dazu bei, Geschlechtsverkehr zu normieren – und das hat Folgen: Je fester unsere Vorstellung davon ist, was guter Sex ist und wie lang er zu sein hat, desto weniger lassen wir uns auf unseren Partner ein und desto schwerer fällt es uns, die eigenen Bedürfnisse zu entdecken. 

Für die einen ist es nur Sex, wenn sie einen Orgasmus haben
Dorothea Perkusic

Das heißt: "Bin ich davon überzeugt, dass guter Sex mindestens 15, wenn nicht gar 30 Minuten dauern soll", erklärt Perkusic, "werde ich nach fünf Minuten kaum sagen: 'Mensch, das war jetzt aber gut!'"

Dabei könnte es durchaus sein, dass die fünf Minuten in diesem Moment genau richtig waren. "Die Länge des Geschlechtsverkehrs sagt demnach nichts darüber aus, wie zufrieden beziehungsweise befriedigt Mann oder Frau am Ende sind."

Ganz verteufeln will Perkusic die Durchschnittswerte jedoch auch nicht. Gerade Männer, die dächten, ihr Penis müsse wie im Porno bis zu 30 Minuten lang hart sein, fühlten sich beim Geschlechtsverkehr häufig unter Druck gesetzt. "Für sie kann es tatsächlich entlastend sein, zu wissen, dass die Erektion des Durchschnittsmannes meist nur drei bis dreizehn Minuten anhält", sagt die Therapeutin.

Ein Trend aus den vergangenen Jahren sei "Slow Sex". Dabei geht es nicht darum, zum Orgasmus zu kommen, sondern die Zeit mit dem Partner, die körperliche Nähe, das Streicheln und Küssen, bewusst zu erleben.

Den Druck rauszunehmen und sich wieder ganz auf sein Gegenüber und auf das Zusammensein zu konzentrieren, findet Perkusic hilfreich – "gerade in Hinblick auf unsere Leistungsgesellschaft, die mittlerweile auch in viele Betten Einzug gehalten hat." 


Grün

Zoos bewerten Tierarten wie auf Amazon – und es ist schon ziemlich lustig
"TOP QUALITY TOP RAUBTIER"

Das Online-Bewerten von Dingen ist heute so etwas wie ein Menschenrecht geworden. Restaurants, Flüchtlingslager, Ärzte, öffentliche Toiletten: Es gibt eigentlich nichts, was man nicht bewerten kann. Eine der wenigen Ausnahmen waren bisher Tiere. Doch auch damit ist es jetzt vorbei: Denn auf Twitter wird unter dem Hashtag #rateaspecies abgerechnet. Im Stile von Amazon-Kundenrezensionen bewerten Twitter-Nutzer Funktion, Verarbeitung und Aussehen von Tieren, inklusive Sterne-Rating.

Losgetreten hat den Twitter-Trend der Zoo in Oregon. "Es ist Freitag, lasst uns ein paar Arten bewerten", schrieben sie, weil – wieso denn auch nicht.