Bild: MIla Zasou
Hier erzählen sie, wie solche Dates ablaufen - und warum Gruppensex besonders intim ist.

Die beiden sind aufgeregt, das hätte ich nicht erwartet. Sonst wagen sie sich in Swingerclubs und zu Hotel-Dates mit einer Horde Fremder. Aber wenn Anna und Max mir gemütlich auf ihrer Couch davon erzählen sollen, wirken sie plötzlich nervös. Irgendwie sympathisch. 

Anna sitzt dort in einem gestreiften Shirt mit nackten Schultern. Max trägt schwarzen Pulli, Bart und dunkle Brille. Gemütliche Outfits für einen Abend zuhause, trotzdem geht von den beiden eine Ausstrahlung aus, die mit jeder Minute wächst. Wenn sie Witze machen über alles, was sie erlebt haben. Wenn sie sich an ihre schüchternen Anfänge erinnern – und wenn sie grinsend von den besten Abenteuern erzählen.

Die Beziehungsweisen

In dieser Reihe reden wir mit Partnern über ihre Beziehungsmodelle und alles, was dazu gehört: über Eifersucht und Sexpartys, über Geld und Liebe, über Konflikte und Geheimnisse.

Ihr erlebt Dreier, Gruppensex und vieles, was andere nur aus Filmen kennen. Wie hat das angefangen?

Anna: Oh, das ist eine lange Geschichte. Wir sind seit zehn Jahren zusammen und nach anderthalb Jahren – da war ich 20 und Max 21 – haben wir zum ersten Mal darüber gesprochen, ob wir immer nur noch Sex mit dem gleichen Partner haben werden, wenn wir für immer zusammenbleiben wollen. 

Max: Da ist die Idee gekeimt, aber es hat Jahre gedauert, bis was passiert ist. Wir haben irgendwann gegoogelt, wie man einen Dreier haben kann – das war die einzige Konstellation, die wir uns vorstellen konnten. So sind wir in einem Portal gelandet, über das man solche Dates organisiert. Wir haben uns angemeldet, ohne Infos von uns einzutragen und wollten nur mal lurken. Und wir fanden es absolut pervers, was wir dort gesehen haben. Unser erster Eindruck: Es gibt nur alte Säcke und SM von der übelsten Sorte. Also haben wir unseren Account verschreckt wieder gelöscht. 

Ich erinnere mich an meine ersten Google-Suchen mit Ben – wir haben viel gesehen, was wir furchtbar fanden. Mein vorschnelles Fazit: Was für eine Scheiß-Idee, ich will das doch nicht. Niemals. 

Trotzdem habt ihr die Idee nicht aufgegeben, genau wie wir. Wie habt ihr doch den Einstieg geschafft? 

Max: Nach zwei oder drei Jahren haben wir der Sache noch eine Chance gegeben. Wieder nur online geguckt, wieder nichts gemacht. Irgendwann haben wir auf einer Reise ein Paar kennengelernt, mit dem wir uns tatsächlich Sex zu viert hätten vorstellen können – es ist aber nichts passiert. Aber da haben wir gedacht: Wenn wir so weit gehen würden, erstellen wir jetzt wirklich ein Online-Profil.

Es hat natürlich Monate gedauert, bis wir einen Termin hatten - das ist bei sechs Leuten schwer zu koordinieren

Das ist ja schon ein Riesenschritt – fiel euch das erste Treffen dann leicht? 

Max: Überhaupt nicht. Wir hatten einen klaren Plan: wie alles abzulaufen hat: Wir wollten in einen Swingerclub gehen, erstmal nur gucken. Beim zweiten Besuch würden wir zu zweit auf eine Liegewiese gehen und beim dritten Mal Leute ansprechen. Das war der Plan. Dann haben wir festgestellt, dass ein Besuch locker 120 Euro kostet. 

Anna: Wir haben uns also von der Idee verabschiedet. Als uns ein anderes Paar online nach einem Date gefragt hat, haben wir es einfach gemacht. Es war ganz spontan, zwei Tage später haben wir Cocktails getrunken und später hatten wir Sex zu viert. Das war unser erstes Mal und es war wirklich gut.

Das geht wohl schon als Gruppensex durch, aber ich weiß, dass bei euch auch mal mehr als vier Leute involviert sind…

Anna: Ja, aber wir haben erst Erfahrungen zu viert und auch zu dritt gesammelt, das hat uns alles gut gefallen. Irgendwann haben wir bei einem Paar festgestellt, dass wir gemeinsame Bekannte haben –so entstand die Idee für ein Treffen zu sechst.  

Max: Es hat natürlich Monate gedauert, bis wir einen Termin hatten. Das ist bei sechs Leuten sowieso schwer zu koordinieren und dann musst du auch noch darauf achten, dass keine Frau gerade ihre Tage hat. 

Ich muss lachen – und finde es großartig, wie unverkrampft sie mit diesen Themen umgehen. Hoffentlich bleiben sie so locker, wenn ich nach den Details beim Gruppensex frage…

Und als ihr einen Termin gefunden hattet: Wie lief das Treffen ab? Seid ihr sofort alle ins Schlafzimmer?

Anna: Wir waren bei uns zuhause und hatten als Icebreaker ein Gesellschaftsspiel gekauft, bei dem es um Sex geht – Swinger 2000. So war sofort klar, in welche Richtung der Abend geht. Und dann sind wir irgendwann zu sechst auf unserem 1,60 Meter breiten Bett gelandet…

Max: Das war wirklich witzig. Wir haben nicht reihum Partnertausch gemacht, sondern es war ein großes Durcheinander von uns allen. Jeder hatte mal was mit jedem, eine völlig wahnsinnige Erfahrung. 

Was reizt euch denn an Gruppensex besonders? Es gibt ja Leute, die der Meinung sind, es sei weniger intim oder leidenschaftlich als Sex zu zweit... 

Anna: Ich finde es vielleicht sogar besonders intim. Man kann sich viel mehr hingeben. Du weißt nicht, welche Hand wem gehört und verlierst den Überblick, wen du als letztes geküsst hast. Wenn man in der Menge untergeht und sich total fallen lässt, entsteht eine ganz andere Art der Intimität und Leidenschaft. Man zeigt viel mehr von sich. Vielleicht sehe ich das als Frau aber auch anders als Männer?

Max: Ich finde es auf keinen Fall weniger leidenschaftlich als Sex zu zweit. Klar, du hast Sex mit einer Frau, fasst dabei noch andere an und ziehst dann weiter. Vielleicht entsteht weniger Intimität als zu zweit, aber wenn man als Mann gleichzeitig mit drei attraktiven Frauen im Bett ist, dann ist das einfach geil. 

Ihr habt dann also auch richtigen Sex mit allen? Das ist ja eine Grenze, die viele ziehen – dann ist alles außer Geschlechtsverkehr erlaubt. Wie macht ihr das mit Verhütung? 

Anna: Natürlich geht das nur mit Kondom, das klären wir vorher ab. Wir sind sehr genau bei der Auswahl der Leute – und eigentlich landen wir immer bei welchen, für die das selbstverständlich ist. Wir lassen uns auch regelmäßig auf Krankheiten testen, um möglichst viel Sicherheit zu haben. 

Max: Natürlich bleibt ein Restrisiko, aber das hast du auch, wenn du als Single ständig Tinder-Dates hast. Bei einem solchen Abend bei uns liegt dann eine ganze Armada von Kondomen herum.

Ganz unabhängig von Kondomen – ich hätte noch eine Befürchtung: unter krassem Druck zu stehen. Man muss funktionieren, man muss genauso gut aussehen wie die anderen, genauso gut im Bett sein.

Es war eine Suite angemietet, da wurde gegessen und getrunken – plötzlich waren alle nackt und hatten Sex

Setzt euch diese Situation nie unter Druck? Max, vor allem du als Mann: Sex mit drei Frauen, zwei andere Männer dabei. Hast du nie Angst, dass du nicht mehr kannst?

Max: Klar, das kann man nicht ausschließen. Aber gerade bei einem Sechser kann man sich gut zurückziehen. Wenn ich Pause brauche, nehme ich mir die – und weiß, dass alle anderen ohne mich versorgt sind. Dann gucke ich kurz zu und die Lust kommt schon zurück. Aber fürs erste Mal würde ich so etwas nicht empfehlen. Da hätte ich Angst, keinen hochzubekommen. Und wenn fünf Leute dabei sind, bekommen auch fünf Leute mit, wenn du keine Erektion hast. Da muss man mit umgehen können – aber es schweißt auch zusammen. Wir verbringen nach dem Sex noch viel Zeit miteinander, reden und lachen über alles.

Hattet ihr denn auch schon Sex mit mehr als sechs Leuten?

Max: Wir waren einmal auf einem Hotel-Date, zu dem wir uns online angemeldet hatten. Da waren etwa zehn Paare, alle in unserem Alter, alle schick angezogen. Es war eine Suite angemietet, da wurde gegessen und getrunken – plötzlich waren alle nackt und hatten Sex. Natürlich war das kein "Zwanziger" und es hatte nicht jeder mit jedem was. Aber es wurde einfach überall gevögelt. Das war eine spannende Erfahrung, aber der Sex zu sechst ist für uns beide viel intensiver.

Okay, das klingt krass – und wirklich wie im Film. Vielleicht wäre es auch mal was für Ben und mich? Vielleicht aber auch etwas zu abgefahren?

In meinem Kopfkino läuft jetzt ein Film mit abgedrehten und supergestylten Menschen. Oder sind das alles ganz normale Leute?

Anna: Es ist wie überall im Leben: Du triffst Menschen, die sind sehr attraktiv, andere eher weniger. Manche sind gebildet, andere nicht, manche findet man netter als andere. Ich finde es immer toll, was für Leute man dadurch kennenlernt. Man denkt oft, da seien nur Verrückte unterwegs – aber letztlich sind es ganz normale Menschen, die unsere Leidenschaft teilen.

 


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