Die Eifersucht trieb mich in Phase 3 nach der Trennung: das Tinder-High.

Ich bin schon ein eifersüchtiger Typ, auch außerhalb von Beziehungen. Wenn das Mädchen, in das ich früher in der Schule verliebt war, Jahre später einen Freund hatte, oder wenn meine Tinder-Bekanntschaft plötzlich von ihren anderen Dates erzählte, zum Beispiel. 

So war es auch bei meiner Ex-Freundin. Fast ein halbes Jahr nach unserer Trennung hatte ich noch immer gelegentlich Kontakt mit Anna. Manchmal schrieb sie mir einfach aus dem Nichts heraus - leider häufig, wenn es mir gerade ganz gut ging. Jedes Mal, wenn ihr Name auf dem Smartphone aufleuchtete, durchfuhr es mich wie ein Stromschlag, Herzrasen und Schweißausbrüche inklusive. 

Wir konnten beide nicht loslassen, wochenlang quälten mich Was-wäre-wenn-Gedanken und Was-macht-Anna-gerade-Fantasien – trotz erstem Sex nach der Beziehung und einer gescheiterten Rebound-Geschichte. 

Klar, fand ich das ein bisschen unfair von mir, denn ich war ja selbst in Beziehungen oder auf vielen Dates – aber die Gefühle waren einfach da

Zurück zum Tinder-High. 

Ich ging regelmäßig auf Dates und hoffte auf unverbindlichen und aufregenden Single-Sex. 

Meist blieb es einfach bei einem Bier, aus einigen Dates wurde mehr: 

Wir hatten zwar einen Film angemacht, eigentlich wollten wir aber nur vögeln.

Lisa war der Typ unkomplizierter Kumpel, wir wohnten in der Nähe, hatten nur kurz geschrieben und uns direkt auf ein Date verabredet. Schnell landeten wir bei mir. Wir hatten zwar einen Film angemacht, eigentlich wollten wir aber nur vögeln. Als wir nur noch Unterwäsche anhatten, meinte Lisa unvermittelt: "Ich will, dass Du mich leckst!" 

Überraschend direkte Ansage, aber klar, warum auch nicht - Männer gelten schließlich auch nicht als verlegen. Also habe ich sie geleckt und es war richtig geil. Ein reiner Oralsex One-Night-Stand also, kein schlechter Start. 

Wir sind trotzdem im Bett gelandet. Der Sex war aber genauso verkrampft und unentspannt.

Julia erinnerte mich ein bisschen an meine Exfreundin, groß, blond, aber eher so der Naturtyp. Wir hatten lange und oft geschrieben, bevor wir uns das erste Mal trafen. Doch sie war ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Sie war hübsch, keine Frage, aber ihre Art ließ sie ziemlich unattraktiv auf mich wirken. 

Alles was sie sagte, war in einem schroffen Tonfall. Dazu war sie extrem direkt: "Du kannst hier pennen, aber dann auf der Seite vom Bett und deine Zahnbürste legst Du bitte hier hin." 

Wir sind trotzdem im Bett gelandet. Der Sex war aber genauso verkrampft und unentspannt. Morgens nahm ich den ersten Bus nach Hause.

Trotz der Sexdates fehlte mir aber etwas. 

Mit Anna war Sex immer etwas Besonderes, Exklusives, das nur uns gehörte. Trotzdem hatte ich ab und zu wirklich Lust auf einen aufregenden One-Night-Stand (auch wenn es für mich nicht in Frage kam, Anna zu hintergehen. 

Jetzt war alles beliebig und bedeutungslos. Es war mir komischerweise egal, ob mein Tinderdate gestern mit einem anderem Typen geschlafen hatte und ihm dabei ins Ohr flüsterte, wie süß sie ihn fand.

In den ersten zwei Jahren unserer Beziehung hatten Anna und ich eine gemeinsame Leidenschaft für Eifersucht entwickelt. Insbesondere Erlebnisse vor unserer Beziehung hatten es uns angetan. Wir wollten alles über unsere vergangenen Geschichten und Beziehungen wissen. 

Im Bett turnte uns das zusätzlich an, doch außerhalb davon sorgten Diskussionen darüber oft für Streit. Dabei gab es keinen Grund dafür: Wir waren ja glücklich mit uns und unserem Sexleben. 

Jedenfalls war ich kaum noch eifersüchtig. Sollten doch alle ihren Spaß haben.

Jetzt war mir alles egal. Vielleicht lag es daran, dass ich niemanden getroffen hatte, der mir wirklich etwas bedeutete. Oder auch an der App, die mir irgendwie zeigte, alle machen ständig alles. Jedenfalls war ich kaum noch eifersüchtig. Sollten doch alle ihren Spaß haben. 

Es war ein merkwürdiger Zustand: Ich genoss die Unverbindlichkeit und hatte ständig Lust auf Sex, aber mir fehlte gleichzeitig diese Verbindung, die Beziehungssex so gut macht. 

Vielleicht brauchte ich einfach etwas dazwischen, ein bisschen Vertrauen und Gemeinsamkeiten, aber nichts super Festes. Mit dieser Einstellung traf ich auf Josefine... 

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