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Gerade getrennt und doch noch mal zusammen im Bett gelandet – das kennen wohl einige. Schlussmach-Sex ist die denkbar schlechteste Idee, die man nach einer Trennung haben kann. Warum passiert es uns dann trotzdem immer wieder?

Du gibst diesem Gefühl nach, noch ein letztes Mal der Person nahe sein zu wollen, mit der du Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre verbracht hast. Ein letztes Mal den Körper zu spüren, der dir so vertraut ist. 

Das Problem an Sex mit der oder dem Ex ist: Es kann die Sache besser oder schlechter machen. In meiner Erfahrung gibt es zwei Szenarien.

Was ist Liebe, was ist Sex? Die Fotografin Karen Rosetzsky antwortet in Bildern:
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Das erste Szenario: Wenn man Glück hat, kann Schlussmach-Sex eine tolle Erinnerung sein, die sich über all den möglichen Frust, die Langeweile oder die Traurigkeit der Trennung legt.

Der Sex ist plötzlich außergewöhnlich toll und du weißt wieder, warum du dich damals so sehr in die Person verliebt hast. Du erinnerst dich an die Zeiten, in denen ihr fünf- bis fünfzehnmal am Tag miteinander geschlafen habt und wie aufregend alles war. 

Ich fühlte mich ihr nah wie nie, obwohl wir gerade beschlossen hatten, uns nie wieder nahe zu sein

Du siehst die Person wieder als die, die du einmal begehrt hast, von der du nicht die Finger lassen konntest. Trotzdem weißt du aber auch, dass es nichts mehr mit euch werden wird. 

Danach kannst du dich verabschieden und die Beziehung mit einem guten Gefühl, einem leichteren Herz und einem befriedigten Körper verlassen.

Erleichtert? Frustriert? Noch mal von vorn?(Bild: Unsplash)

Eine solch positive Erfahrung mit Schlussmach-Sex habe ich auch schon erlebt. Meine erste Freundin und ich haben uns nach einer Zeit voller Diskussionen unter Tränen getrennt. Als sie mich ein paar Wochen später besuchen kam, hatten wir noch ein letztes Mal Sex. 

Schon lange hatte ich mich ihr nicht mehr so nahe gefühlt, obwohl wir gerade beschlossen hatten, uns nie wieder nahe zu sein. Vielleicht war es ein finaler Versuch, die Dinge wieder zum Guten zu wenden, doch hauptsächlich war es eine Art, unserer Beziehung Lebewohl zu sagen. 

Doch es gibt auch ein zweites Szenario: Es kann auch sein, dass du beim Schlussmach-Sex eine Zeitreise in die Vergangenheit erlebst. 

Eine, die viel zu weit geht. Plötzlich kommen alte Gefühle wieder hoch und du verlierst dich richtig in den Gedanken an die Zeiten voller Zweisamkeit, Händchenhalten und Schmetterlingen im Bauch. 

Und dann leuchtet in dir diese gefährliche Idee, dass alles noch einmal so werden könnte, wenn ihr es nur fest genug versucht – trotz der Einsicht, die ihr schon längst getroffen hattet: Es klappt nicht mehr zwischen uns. 


Doch diese kleine Stimme in deinem Kopf – oder in deinem Slip – sagt dir plötzlich, dass es doch wunderbar wäre, dem Ganzen noch eine Chance zu geben. Denn wenn der Sex noch gut ist, dann gibt es doch noch Hoffnung, so denkst du dir. 

Ich glaubte tatsächlich, der Sex würde unsere Probleme beseitigen

Wie fatal diese Fehleinschätzung sein kann, erlebte ich vor einiger Zeit. Ich hatte eine kurze, aber heftige Liaison mit einer tollen Frau aus den USA. Wir haben uns nicht lange getroffen, aber ich war total verknallt in sie. Trotzdem funktionierte keine längerfristige Beziehung, allein wegen der räumlichen Trennung. 

Der Sex aber war fantastisch. Und ich war noch nicht bereit, das aufzugeben. Als wir nach unserer Trennung dann beschlossen, die vorangeschrittene Nacht dennoch gemeinsam zu verbringen, kam es, wie es kommen musste: Wir schliefen miteinander. 

In meinem vom Orgasmus benebelten Gehirn glaubte ich tatsächlich, dass der Sex einfach alle Probleme beiseite geschoben hatte

Komm näher – bleib weg!(Bild: Unsplash)

Ich war mir sicher, dass wir nun diesen verbindenden Moment hatten, der uns beide noch einmal erkennen lässt, dass wir nicht nur im Bett, sondern auch im Alltag ein gutes Team sein könnten. 

Leider sah sie die Dinge gänzlich anders. Für sie war der Sex vielmehr eine Reaktion auf die Erleichterung, die nach der Trennung folgte.

Ich litt noch einige Wochen daran und bereute, dass es überhaupt passiert war. Im Nachhinein glaube ich, dass ich viel realistischer an unsere Trennung herangegangen wäre, hätten wir nicht noch einmal Sex gehabt.

Was lerne ich nun aus diesen Erlebnissen?

Schlussmach-Sex hat seine Vor- und Nachteile. Einerseits hat er mir gezeigt, wie schön ein letzter gemeinsamer intimer Moment sein kann. Wenn alles gut geht und die Fronten geklärt sind, kann er helfen, sich wieder näher zu kommen und wertzuschätzen.

Nach einer Zeit der Frustration und der Wut kann er auch dabei helfen, wieder zu erkennen, mit was für einer wunderbaren Person man zusammen war. Schlussmach-Sex kann ein gemeinsamer Abschluss sein, der beide dankbar und versöhnlich zurücklässt.

Am Ende hilft nur: Ehrlichkeit

Doch auf der anderen Seite kann Schlussmach-Sex auch alte Wunden aufreißen und für emotionale Verwirrung sorgen. Wenn man diese Trennung vielleicht gar nicht will oder noch nicht bereit ist, sich der anderen Person wieder anzunähern, kann es geschehen, dass der Sex erneut Hoffnungen weckt.

Schlussmach-Sex ist auf jeden Fall keine gute Idee, wenn man noch verliebt ist oder versuchen möchte, die andere Person damit wieder zurückzugewinnen.

Am wichtigsten ist es also, das habe ich für mich herausgefunden, sich gründlich zu überlegen, warum man noch einmal Sex haben will. Das kann am Ende nur beantworten, wer sehr ehrlich zu sich ist und auf sein Bauchgefühl hört. 


Haha

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