Vor einem Jahr hat Anna Schluss gemacht. Drei Jahre waren wir zusammen. Ich hatte noch nie so viel für jemanden empfunden und noch nie war ich so lange mit jemanden zusammen. Das Ende war lange absehbar, die Liebe irgendwann weg. 

Trotzdem ließ ich mir all die Gemeinheiten und Demütigungen gefallen, mit denen Anna versuchte, mich von sich wegzustoßen, ohne selbst Schluss zu machen.

Die Wochen und Monate nach der Trennung waren schlimm. Ich konnte kaum schlafen, essen oder arbeiten. In meinen Tagträumen quälte mich die Vorstellung, was Anna wohl gerade machte. 

Ständig hatte sie die Möglichkeit mit irgendjemand Sex zu haben – zumindest in meiner Fantasie.

Wer ist Finn?

Finn heißt eigentlich anders, möchte hier jedoch anonym bleiben. Er ist Anfang 20, kommt aus Süddeutschland, fühlt sich aber in der Welt zuhause. Er schreibt gerne über Liebe und Sex und im Moment vor allem über seine Erlebnisse als Single nach einer langen Beziehung – das Thema seiner bento-Kolumne.

Der Sex mit Anna war großartig und leidenschaftlich, mal zärtlich, mal schmutzig. Wir hatten ein bisschen experimentiert. Sexstellungen, Fesselspiele. Ich hätte aber gerne noch mehr ausprobiert: zum Beispiel Analsex oder einen Dreier.

Meine neue Freiheit als Single konnte ich trotzdem nicht genießen. Meine Freunde mussten mich praktisch ins Nachtleben schleifen.

Doch Leute ansprechen, witzig sein, tanzen – alles war auf einmal so schwer. Lust auf Sex hatte ich auch nicht wirklich. Ich war eingeschlossen in meinem Kopf, nicht wirklich da, alle Gedanken kreisten darum, was sie wohl gerade tat.

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Die Vorstellung machte mich wahnsinnig und mir wurde klar: Ich muss auch rumknutschen, oder jemanden mit nach Hause nehmen, egal wen. 

Es war eine merkwürdige Rechnung, aber ich dachte, dass mich so weniger verletzen würde, was Anna vielleicht veranstaltete. 

Etwa einen Monat nach der Trennung und sechs Wochen seit dem letzten Sex, lernte ich auf einer Party Stella kennen. Sie war eigentlich gar nicht so mein Typ, aber mit ihren Tattoos und ihrem dreckigen Lachen fand ich sie ziemlich anziehend. Ich war nervös, nach so langer Zeit war es ungewohnt, zu flirten

Als sie immer wieder zu mir rüber schaute, sprach ich sie an. Mehr als Nummern austauschen war an dem Abend nicht drin, doch einige Wochen später fragte sie plötzlich, ob ich nicht vorbeikommen wolle.

Es fühlte sich ungewohnt an, ihren Körper zu berühren. Sie fing an, mir einen zu blasen und schaute mich dabei eindringlich an.

Und so saßen wir an einem Sonntagnachmittag auf ihrem Sofa. Aus Verlegenheit unterhielten wir uns, Stella meinte, sie wolle eigentlich noch ihr Schlafzimmer renovieren und ich könne ihr doch dabei helfen. Während wir die Möbel umstellten und überlegten, gleich auch noch eine Wand zu streichen, sah ich zwei Möglichkeiten: 

  • Möglichkeit A: Ich renoviere ihr Schlafzimmer und gehe dann nach Hause, also ein weiterer frustrierender Abend, der mich in meiner Abhängigkeit von Anna wohl nur bestätigen würde. 
  • Möglichkeit B: Ich mache den ersten Schritt und aus dem Abend wird vielleicht so was wie ein sexueller Befreiungsschlag.

Ich entschied mich für Möglichkeit B. 

Es kostete mich richtig viel Überwindung, trotzdem ging ich zu ihr rüber, als sie gerade an den Gardinen hantierte, zog sie langsam an mich heran und küsste sie auf den Hals. Sie drehte sich um, langsam zog ich erst ihr Shirt und dann ihre Hose aus. 

Ich war unheimlich aufgeregt. Nachdem ich über die vergangenen drei Jahre nur Sex mit einer Person hatte, fühlte sich alles wieder wie beim ersten Mal an. Spannend – aber auch unangenehm kompliziert und unbeholfen. 

Sie hatte meinen Schwanz in der Hand und ich schob meine Hand in ihren Slip, drang mit den Fingern in sie ein. 

Es fühlte sich ungewohnt an, ihren Körper zu berühren. Sie fing an, mir einen zu blasen und schaute mich dabei eindringlich an. Fast musste ich lachen, diese ganze Erst-Schlafzimmer-renovieren-und-dann-Blowjob-Date kam ich mir völlig surreal vor. Als wäre ich mitten in einem trashigen 80er-Jahre-Porno gelandet. 

Ich liebe Blowjobs. Und dabei zuschauen, macht mich noch mehr an. Aber obwohl Stella sich wirklich Mühe gab, fiel es mir schwer, richtig hart zu werden. Ich konnte mich nicht fallen lassen. 

Doch ich wollte kommen.

Ich musste mir beweisen, dass ich das noch kann – auch mit einer anderen Frau. 

Ich zwang mich, nicht an Anna zu denken und mich ganz auf den Moment zu konzentrieren. Auf die Frau, die da vor mir im Bett kniete und meinen Schwanz im Mund hatte. 

So sehen übrigens Menschen aus, wenn sie einen Orgasmus haben:
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Stella drehte sich auf den Rücken und ich drang in sie ein. 

Ich blieb stets ein Stück über ihr. Ich mochte den Sex, aber es fiel mir schwer, die Nähe zu ihr zuzulassen. Ich war ziemlich dominant, versuchte, uns einfach zum Höhepunkt zu vögeln. 

Selten hatte sich Sex so nach Arbeit angefühlt. 

Stella bemerkte meine Anstrengung, schob mich langsam auf die Seite und begann wieder mit dem Blowjob. Ich schloss die Augen, versuchte, mit leichten Stoßbewegungen ein wenig die Kontrolle zu übernehmen und konzentrierte mich ganz auf das Gefühl. Langsam kam ich dem Höhepunkt näher und spritzte in ihren Mund. 

Stella schluckte. 

Ich war unglaublich erleichtert. Eigentlich hatte ich mich immer gut im Bett gefunden, in Stellas Schlafzimmer war ich nicht von mir überzeugt. Wie beim ersten Mal: Nicht wirklich gut, aber Hauptsache, ich hatte es hinter mich gebracht. 

Als es langsam hell wurde, zog ich mich an und ging, sie schlief. Ich fühlte mich befreit. Etwa so, als hätte ich eine lange aufgeschobene Mutprobe bestanden. Mission erfüllt. Wir haben uns nie wiedergesehen, oder geschrieben. Es war eher eine lustige Geschichte, die man Freunden erzählt, als grandioser Single-Sex. 

Der Weg zu einem neuen, guten Sexleben ohne Anna sollte noch lang sein. Analsex, der Dreier – das stand alles weiterhin auf meiner Liste

Zumindest so lange, bis ich mich zum ersten Mal verliebte...

Noch mehr Sexkolumnen:
In seiner ersten Kolumne beschreibt er, wie lachen uns beim Sex näher bringt. Die ganzen Text lest ihr hier.
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Gerechtigkeit

Warum ein muslimischer Feiertag für Deutschland gut ist
Und ganz im Interesse der CDU.

Innenminister Thomas de Maizière hat eine Idee, die für einen CDU-Politiker eher unüblich ist: 

Deutschland soll muslimische Feiertage einführen.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Landtagswahl in Niedersachsen, sagte er, in bestimmten Regionen Deutschlands könnten solche Tage eingeführt werden. Allerheiligen sei auch nur dort Feiertag, wo viele Katholiken lebten, erklärte er. (SPIEGEL ONLINE)