Das "erste Mal" war bei vielen vor allem: unbeholfen. Planlos liegt man aufeinander und weiß nicht so richtig, was zu tun ist. Sexualkunde und Pornos hatten uns theoretisch vorbereitet. Für die Praxis hat es nicht viel gebraucht: 

Vorsichtig ging es rein, raus und schon war man fertig. 

So richtig haben viele da noch nicht verstanden, was an Sex jetzt so toll sein sollte. Deswegen hat sich die Menschheit so verrückt gemacht? Seltsam.   

Zum Glück blieb es aber nicht beim ersten Mal

Wer übt, wird besser. So sieht es auch die Wissenschaft. "Sexualität ist ein Prozess. Das bedeutet, dass man natürlich ein Stück weit erst mal Wissen benötigt und üben muss", so der Sexualwissenschaftler Heinz-Jürgen Voß in unserem Interview zu dem Thema. 

Dabei käme es nicht so sehr darauf an, mit wie vielen Partnern man die Erfahrung macht – sondern dass man sich überhaupt traut, sie zu machen.

Doch ab wann genau ist jemand eigentlich erfahren und wie äußert sich das genau? Reicht dafür ein Partner oder eine Partnerin aus? Oder führt hier Quantität zu Qualität

Auf der Suche nach einer Antwort haben wir mit drei Leuten gesprochen. Alle sind in einer Beziehung und haben mit unterschiedlich vielen Partnern und Partnerinnen geschlafen. 

Hier erzählen sie uns unter geändertem Namen, wie sie mit ihren Erfahrungen umgehen und wie unterschiedliche Partner ihr Sexleben beeinflusst haben.


Mira aus Flensburg

(Bild: bento)

Mira ist 28 Jahre alt, studiert und hat mit 52 Männern geschlafen.

Nach meiner ersten Beziehung war ich 20 und hatte eine Phase, in der ich häufig mit unterschiedlichen Männern Sex hatte. Mal war es ein One-Night-Stand, mal ein paar Nächte.

Anfangs konnte ich mich nicht so richtig entspannen. Aber je öfter ich mit jemandem Sex hatte, desto mehr Spaß hatte ich daran. 

Ich merkte, dass Sex nicht immer mit Gefühlen verbunden sein muss. Tatsächlich konnte ich einen One-Night-Stand haben und danach nicht mehr an den Mann denken. Ich hatte einfach körperlichen Spaß und genoss den Moment.

Zum Beispiel merkte ich, dass ich überhaupt nicht auf Würgen stehe.
Mira

Meistens jedenfalls. Auf ein paar Erlebnisse hätte ich gerne verzichtet. 

Zum Beispiel merkte ich, dass ich überhaupt nicht auf Würgen stehe. Einer legte mir mal die Hände um den Hals, da war es für mich sofort vorbei.

Es gab aber auch aufregende Erfahrungen, Techniken, die ich noch nicht kannte und die ich aufregend und gut fand. Früher wollte ich außerdem einem Mann nie einen blasen. Ich hatte einfach immer das Gefühl in einer untergebenen Position zu sein.

Außerdem konnte ich mich immer besser fallen lassen. Früher ging das fast gar nicht. Jetzt denke ich aber nicht mehr: "Ich muss gut aussehen, so oder so liegen und diese oder jene Stellung machen." Beim Sex geht es doch nicht darum, jemandem etwas zu beweisen, sondern um gemeinsamen Spaß. Der kommt in meinen Augen nur durch Entspannung.

Aber ohne die Erfahrung wäre mein Sex nicht so vielfältig, aufregend und schön, wie er es heute ist.

Paul aus Hamburg

(Bild: bento)

Paul ist 29 Jahre alt und hat mit vier Frauen geschlafen. Er arbeitet in einer Agentur.

Ich glaube, es ist nicht wichtig, mit wie vielen Leuten man geschlafen hat – sondern wie man Sex hat. 

Ich möchte von der Person überzeugt sein möchte. Ich bin nicht der Typ für One-Night-Stands. Die Person muss mir auch über eine Nacht hinaus gefallen.

Aber der Anfang ist für mich immer schwer. Das Neue ist einerseits spannend, andererseits angstbehaftet und mir schießen zu viele Fragen durch den Kopf wie: "Befriedige ich sie gut, mache ich irgendetwas falsch?" Ich kann mich dann einfach nicht entspannen. Bestimmt hätte ich mit mehr Frauen schlafen können, wenn ich nicht so schüchtern wäre. So war ich oft der gute Freund. 

Es war egal ob alles klappt.
Paul

Entspannung und Spaß sind für mich einfach sehr wichtig. Die zweite Frau, mit der ich im Bett war, war sehr offen. Ich weiß, dass sie schon mit mehreren Männern Sex hatte. Sie hatte einfach Spaß an der Sache. 

Das war tatsächlich sehr angenehmer Sex. Wir haben viel gelacht und ausprobiert. Es war egal ob alles klappt. Was schief ging, war lustig und nicht peinlich.

Jetzt mache ich die Erfahrung einfach mit meiner Freundin. Ich gehe ohne Erwartungen ins Bett und freue mich darauf, was passiert. Wir probieren gerne unterschiedliche Sachen aus. Zum Beispiel haben wir uns einen kleinen Vibrator gekauft. Der macht das Ganze noch ein bisschen spannender.

Dabei läuft natürlich nicht alles problemlos ab. Sie hat mir auch mal gesagt, dass ich ihr zu seicht war. Ich dachte immer, dass würde ihr gefallen – war aber nicht so.

Dann muss man darüber sprechen. Aber ich will auch nicht jedes Mal ein Feedbackgespräch führen – da muss man die Balance finden. Nur, ohne Sextalk funktioniert keine Beziehung. Wir können nicht in den anderen hineinschauen und direkt wissen, was er oder sie will.

Letztendlich kommt es doch darauf an, was jemand erwartet. Bei einem One-Night-Stand hilft es bestimmt, sich von Blümchensex bis SM auszukennen. In einer festen Beziehung ist das anders. Da ist es glaube ich wichtig, die Vorlieben seines Partners zu kennen und zu erforschen. Egal, wie viel Erfahrung man vorher hat.

Annika aus Köln

(Bild: bento)

Annika, 24, ist bisexuell und hat mit 16 Männern und Frauen geschlafen. Sie fängt gerade ein Studium an.

Es sollte nicht das Ziel sein, mit möglichst vielen Menschen zu schlafen. Denn das führt nicht zu gutem Sex.

Mit Anfang 20 war so ein Jahr, in dem ich mich ausprobiert habe und mit unterschiedlichen Leuten Sex hatte. Nach diesem Jahr habe ich aber gemerkt: Ich suche jemandem, dem ich vertrauen kann. Ich will mich nicht immer wieder auf einen neuen Menschen einstellen. 

Wenn man sich kennt, kann ich mich viel besser fallen lassen.
Annika

Bei One-Night-Stands kann ich mich überhaupt nicht fallen lassen. Ich kann meinen Kopf nicht ausschalten und denke immer: "Okay, sie bewegt sich so, dann muss ich es jetzt so machen." Das machte mir keinen Spaß und ich war danach ein Jahr mit niemandem im Bett.

Mit einem Partner oder einer Partnerin ist der Sex viel intensiver und schöner. Wenn man sich kennt, kann ich mich viel besser fallen lassen. Ich muss jemandem vertrauen können, um einen Orgasmus zu haben.

Trotzdem. Ich kann nicht leugnen, dass mein jetziges Sexleben von meinen Erfahrungen profitiert. Aber auch da spielt eine vergangene Beziehung eine wichtige Rolle. 

Vorher hatte ich noch nie einen Dildo benutzt.
Annika

Meine Exfreundin hatte schon eine Menge ausprobiert und mir viel gezeigt. Manchmal habe ich mich tatsächlich ein wenig überfordert gefühlt. So als müsste ich immer wieder eine gute Performance abliefern. An Erfahrung habe ich aber viel mitgenommen.

Zum Beispiel was Sexspielzeug angeht. Vorher hatte ich noch nie einen Dildo benutzt. Mit ihr baute ich den fast immer ein.

Mit meiner jetzigen Freundin ist es umgekehrt. Jetzt bin ich diejenige, die mehr ausprobiert hat. Vielleicht suche ich deswegen auch öfter das Gespräch über unseren Sex. Ich möchte ihr nicht das Gefühl geben, das ich mal hatte. Sie muss keine Performance abliefern, aber ich möchte ihr auch zeigen, was alles möglich ist und Spaß machen kann.

Das war für mich kein neuer Schritt, für sie schon.
Annika

Früher mochte sie es zum Beispiel nicht, von hinten befriedigt zu werden. Aber nachdem wir es gemeinsam mal ausprobiert haben, fand sie es doch ganz gut. Mittlerweile machen wir es fast jedes Mal.

Das war für mich kein neuer Schritt, für sie schon. Aber was wäre gewesen, wenn ich diese Erfahrung nicht mit in die Beziehung gebracht hätte? Wir hätten auf jeden Fall eine andere Dynamik in unserem jetzigen Sexleben. Diese Idee hat uns auf jeden Fall bereichert und ich will sie nicht missen.


Grün

Wer aufs Auto verzichtet, bekommt in Bologna jetzt Bier, Eis und Kinotickets geschenkt
Aber dafür muss man auch etwas tun.

Wer in Bologna mit dem Fahrrad durch die Gegend fährt, zu Fuß läuft oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, wird mit Gratisbier, Eiscreme oder Kinotickets belohnt. Die Stadt möchte so gegen Umweltverpestung vorgehen. 

Mit einer App namens Bella Mossa sollen die Menschen in Bologna motiviert werden, das Auto auch mal stehen zu lassen und auf umweltfreundlichere Transportmittel zurückzugreifen.

Wie funktioniert die App?

  • Zunächst einmal muss man die App runterladen und sich anmelden.
  • Die Fahrradfahrten, Spaziergänge oder Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln müssen protokolliert werden – so sammeln Nutzerinnen und Nutzer Punkte und der Betreiber Bewegungsdaten. Die Profile sollen nur anonymisiert weitergegen werden. 
  • Die Punkte können die Nutzer dann gegen Belohnungen eintauschen.

Unterstützung gibt es von lokalen Geschäften und der Europäischen Union.

Bella Mossa wurde 2017 von Marco Amadori programmiert. Die Länge der zurückgelegten Strecken sei nicht wichtig, sagt er. Die Art und Weise, wie man von A nach B komme, sei entscheidend. Punkte werden also nicht pro Kilomterer gesammelt. Um sicherzugehen, dass die Nutzerinnen auch wirklich das angegebene Transportmittel nutzen, habe man einen GPS-Tracker in die App integriert. (BBC)