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Wir müssen reden

Es geht mir nicht gut. Ich habe die Art Liebeskummer, die nach einer ohnehin schwierigen Zeit eine mittlere Krise auslöst, und frage mich viel zu oft, wie es eigentlich weitergehen soll. Die letzten Monate waren die Hölle, und es gab sehr viel "müssen", "aushalten" und "kämpfen" und sehr wenig Freude. Man kann sagen: Ich habe den Halt verloren. So etwas passiert, so etwas kann jeden erwischen. Das geht irgendwann vorbei, auch wenn man natürlich absolut sicher ist, dass "irgendwann" eigentlich "niemals" bedeutet.

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Im Grunde weiß ich das nämlich: Eines Tages hört dieses ekelhafte Gefühl auf, dass das Leben nur noch Sinn ergibt, wenn man den ganzen Tag Netflix guckt, Pizza isst und sich selber bemitleidet. Irgendwann hört das auf, ganz sicher. 

Das Problem ist nur: Ich DARF offenbar nicht leiden.

Das jedenfalls suggerieren mir all die Millionen Ratschläge, die ich bekomme, seit ich beschlossen habe, dass mein Leben jetzt in meinem Bett stattfindet und ich außerhalb davon wie ein angeschossenes Tier durch die Gegend krieche. Denn offenbar ist leiden in Zeiten von Selbstoptimierung, Fitnessstudio und Tinder nicht vorgesehen. Denn Leid ist etwas, das unproduktiv und langweilig ist. Stattdessen muss man etwas aus diesem Leid machen. Merke: machen ist gut, traurig sein ist schlecht.

Und wie wir alle wissen, hat "Andere Mütter haben auch schöne Söhne" schon immer sofort und effektiv jeden Leidenden von seiner Pein erlöst. Ebenso wie "Reiß dich mal zusammen" dazu führt, dass man sich sofort zusammenreißt und endlich alles wieder auf die Reihe kriegt. Auch "Er / sie / das ist es nicht wert", "Yoga hat mir super geholfen" und "Hast du es mal mit Meditation versucht?" führen sofort dazu, dass sich das Leid in einem auflöst und man augenblicklich aufhört, traurig zu sein.

Das Problem ist: Selbst wenn das funktionieren würde, glaube ich nicht, dass es gut für einen wäre – und auch nicht für die Gesellschaft. Wie empathisch wären wir noch, wenn wir uns für Gefühle wie Enttäuschung, Trauer und Hoffnungslosigkeit verurteilen würden? 

Wie sollen wir leben, wenn wir nicht auch mal selber Mitleid mit uns haben können? Wenn wir nicht auch einfach mal traurig sein dürfen? 

Menschen, die von anderen immer erwarten, dass diese stark und unberührbar sind, sich niemals mal kurz leid tun und immer der tapfere Soldat an der Front dieses komplizierten Lebens sind – diese Menschen bemitleide ICH.

Denn es ist mir egal, ob andere Mütter schöne Söhne haben – ich will die anderen 3,78 Milliarden Männer in diesem Moment nicht, sondern den einen. Und weil der mich nicht will, bin ich eben mal drei Tage traurig. Oder auch drei Wochen. 

Ich verarbeite so Dinge: ich leide, ich heule, ich mache traurige Spotify Listen und gucke Trash TV, ich esse zu viel oder gar nichts, ich trinke, ich jammere mein Tagebuch voll. Irgendwann habe ich dann genug von dem ganzen Müll in mir und um mich und fange wieder an, mich um mein Leben zu kümmern. So, wie die meisten Menschen. Yoga, Meditation und Urlaub beschleunigen das nicht. Zumindest nicht in der akuten Phase. 

Menschen, die anderen Menschen das absprechen, sind jene, die glauben, dass man nur hart genug, nur streng und lächerlich gleichgültig sein muss und dann geht das schon. Ich jedoch möchte so ein Leben nicht führen. Denn ich glaube daran, dass Leid genau so dazu gehört wie Glück. 

Es ist eine traurige Aussage über jemanden, der anderen so etwas wie "heul doch" oder "reiß dich mal zusammen“ sagt. 

Es ist die Aussage eines Menschen, der verlernt hat, wie sehr uns Selbstmitleid und Jammern in kleinen Dosierungen dabei helfen kann, uns seelisch gesund zu halten. 

Es ist eine Form der Selbstliebe, sich zuzugestehen, dass man gerade hilflos und traurig ist. Nur so kann man einen gesunden Weg aus der Misere finden. Denn wer sich selbst liebt, der tut sich auch selbst mal leid – ebenso, wie uns andere Menschen, die wir lieben, leid tun, wenn sie leiden. 

Es ist ebenfalls ein Akt der Selbstliebe, dann auch irgendwann wieder aufzustehen und sich neu zu sortieren, aufzuhören mit der Heulerei und den Arsch zusammenzukneifen. Dabei helfen aber kein Argwohn, kein Zynismus und auch keine Überheblichkeit. Was hilft, ist sich Zeit nehmen, um zu heilen. Ja, auch mal mit Netflix, Pizza und Heulen. 


Streaming

Deadpool crasht den "Avengers: Endgame"-Trailer, wie es nur Deadpool kann
Er spielt einfach JEDE Rolle selbst.

Es ist schwierig, bei all den kommenden Superheldenfilmen noch den Überblick zu bewahren. Ein neuer "Spider-Man", am Computer animiert, lief gerade an, ein erster "Aquaman", mit echten Menschen, kommt am Donnerstag. Dann folgt "Captain Marvel" im März und nur einen Monat später "Avengers: Endgame" – als eine Art Staffelfinale für elf Jahre Marvel-Comicfilme

Wen es aber auch noch gibt: Deadpool, den Helden mit der großen Klappe und den bissigen Meta-Witzen.

Deadpool brachte in den USA gerade seinen quasi jugendfreien Weihnachtsfilm "Once Upon a Deadpool" heraus. Aber zwischendurch blieb der umtriebigen Figur noch Zeit, den ersten Trailer zu "Avengers: Endgame" zu verarschen. Auf diesen hatten Fans seit Monaten gewartet, nicht mal der Name des Films war vorher bekannt. Nun gibt es eine Deadpool-Version des Clips, die dieses Warten – und auch sonst einiges – aufs Korn nimmt.

Deadpool ist als der Antiheld bekannt, der sich der Tatsache bewusst ist, fiktiv zu sein. Von den Seiten seiner Comics spricht er daher direkt zu den Leserinnen und Lesern und versorgt sie mit dummen Sprüchen. Nicht selten geht es dabei um andere Comics, seine Autoren oder Hugh Jackman.

Was passiert nun im deadpoolisierten Trailer zu "Avengers: Endgame"? Anstatt Tony "Iron Man" Stark sehen wir Deadpool. Wir sehen Deadpool als Captain America. Als Thor. Als Black Widow. Und überhaupt jeder Avenger, der im Trailer so vorkommt.

Und am Ende trollt uns Deadpool dann noch bei der Frage, wie der Film nun eigentlich heißt. Oh, the irony. 

Hier kannst du den Clip sehen: