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Ihre Beziehung scheitert. Wie fühlt sich das für sie an?

Der schlimmste Moment war, als die 25-jährige Katharina herausfand, dass ihr Freund mit seiner Mutter heimlich nach einer neuen Wohnung gesucht hatte. Das Paar war gerade erst in München zusammengezogen. Katharina verstand sich nicht mit der Mutter ihres Freundes. Die Situation eskalierte ständig. Das war vor anderthalb Jahren. Damals zog er doch nicht aus, mittlerweile ist er es. Katharina weiß nicht, wie und ob es für die zwei als Paar weitergehen soll.  

Mit dem Problem ist sie nicht allein. Eifersucht, Missverständnisse oder unterschiedliche Vorstellungen vom Leben führen in dieser besonderen Konstellation häufig zu Spannungen: Mutter, Sohn – und Partnerin. Verlässliche Statistiken darüber, welchen Einfluss ein schlechtes Verhältnis zur Schwiegermutter tatsächlich auf Trennungen hat, gibt es kaum. Aber die britische Soziologin Terri Apter stellte bereits vor einigen Jahren in einer Untersuchung fest, dass etwa 60 Prozent aller Frauen angaben, unter ihrer Schwiegermutter zu leiden.

Schon das erste Treffen im Sommer 2017 verlief holprig, erinnert sich Katharina. "Ich hatte gleich das Gefühl, dass wir aus zwei völlig unterschiedlichen Welten kommen“, sagt sie. Die Familie ihres Freundes sei wohlhabend. Ihr habe es zu Hause zwar auch nie an etwas gefehlt, trotzdem sei es ihr wichtig gewesen, früh eigenes Geld zu verdienen. "Ich hatte immer den Eindruck, seine Mutter denkt, ich wäre nicht gut genug für ihren Sohn, und würde nur an sein Geld wollen."

Während ihr Verhältnis zum Vater und Bruder des Freundes eher kühl war, kam es zwischen Katharina und der Mutter nur wenige Monate nach der ersten Begegnung häufiger zu offen ausgetragenen Feindseligkeiten. Ihr Freund stand dann kommentarlos daneben. Katharina hatte das Gefühl, er wollte es seiner Familie recht machen. "Er bat mich, über den Dingen zu stehen, er wollte seine Mutter nicht zurechtweisen", erzählt sie. 

Nur wenige Wochen später eskalierte die Situation während der Absolventenfeier ihres Freundes. Katharina stritt sich mit der Mutter ihres Freundes darüber, wer das Zeugnis zuerst hätte anschauen dürfen. Der Abend endete damit, dass Katharina allein im Abendkleid im Zug nach Hause saß. Dann passierte, wovon die 25-Jährige zunächst nichts erfuhr: Ihr Freund suchte mit seiner Mutter eine neue Wohnung, zog aber nicht aus. Ein klärendes Gespräch über diese Situation habe nie stattgefunden, sagt sie. Sie sei seither auf keiner Familienfeier gewesen, ihr Freund verheimlichte ihr, wenn er zu seiner Familie gefahren sei oder Kontakt zu ihnen gehabt habe. Als Katharina einige Monate später länger im Krankenhaus lag wegen eines Skiunfalls, habe sie von ihrer Schwiegermutter nicht einmal Genesungswünsche bekommen. 

Katharina und die Mutter ihres Partners haben nie offen über die Konflikte gesprochen

Aber warum genau ist die Beziehung zwischen Schwiegermüttern und -töchtern so schwierig? 

"Weil Frauen ihre Emotionen offensiver ausleben als Männer", sagt die Berliner Psychologin und Paartherapeutin Anna Wilitzki. Auch Männer kämen nicht immer mit der Familie der Partnerin klar, nur zeigten sie das nicht so offen. Wichtig sei, zu akzeptieren, dass man sich die Familie im Gegensatz zu seinem Partner nicht aktiv ausgesucht habe – und das auch nicht könne. "Man muss nicht zwangsläufig die beste Freundin der Schwiegermutter werden", sagt Anna Wilitzki. Diese Erkenntnis könne schonmal den Druck rausnehmen.

Die Psychologin Anna Wilitzki: Manchmal ist Loslassen das Problem

(Bild: Nathalie Gros)

Für viele Mütter sei es schwer, ihren Sohn loszulassen. Weil sie sich jemanden an seiner Seite wünschen, der ihr eigenes Verhalten adaptiert, sagt Anna Wilitzki. Oder aber sie fühlten sich von der neuen Partnerin bedroht, weil sich dadurch die Bindung zu ihrem Kind verändern könnte. "Schwiegermütter wollen der Schwiegertochter meist ihr Werkzeug für eine Beziehung oder die Erziehung von Enkelkindern mit an die Hand geben. Das wird häufig als Grenzüberschreitung wahrgenommen", sagt die Expertin. Dabei würden beide Parteien vergessen, dass sie aus unterschiedlichen Generationen kämen, mit unterschiedlichen Rollenbildern. 

Die Streitereien zwischen Katharina und ihrem Freund wegen seiner Mutter wurden nach dem Unfall immer schlimmer, erzählt sie. Deshalb habe ihr Freund sich jetzt mit Hilfe seiner Familie eine neue Wohnung gesucht, um Abstand zwischen sich und Katharina zu bringen. Dieses Mal nicht heimlich, Katharina wusste davon. 

Trotzdem will er sich um die Beziehung bemühen. Er bereue sein Verhalten, sagt der 26-Jährige, der in diesem Text anonym bleiben will, sich im Skype-Interview mit Katharina für diesen Text aber kurz zu Wort meldete. "Ich habe meiner Familie viel zu verdanken, sie haben mich großgezogen und mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Trotzdem bin ich selbst von mir enttäuscht, wie ich in manchen Situationen meiner Freundin gegenüber reagiert habe. Ich fühle mich sehr zerrissen." Mehr möchte Katharinas Freund nicht zu dem Thema sagen. Die Situation ist ihm unangenehm.

Aber was können Paare in einer solchen Situation machen? Anna Wilitzki rät, kleine Rituale in die Beziehung einzubauen, beispielsweise bei einem gemeinsamen Besuch oder Unternehmung mit den Schwiegereltern. Ein Beispiel: Verteilt die Schwiegermutter Spitzen, könne er ihre Hand nehmen. Die zwei könnten Zeichen vereinbaren: "Wenn sie den Kopf auf die Schulter des Partners legt, ist es langsam an der Zeit zu gehen." Bei den Klientinnen und Klienten der Expertin hätten diese kleinen Gesten bereits große Wirkung gezeigt. Der andere fühle sich wahrgenommen. Und ist die Allianz des Paares stark genug, falle es leichter, das Gespräch mit den Eltern zu suchen und sich ihnen gegenüber klar zum Partner zu bekennen.

Genau diese Strategien haben für die 32-jährige Annika funktioniert. Auch sie kennt diese Spannungen. Sie habe seit Jahren so gut wie kein Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter, habe sich von Anfang an nicht von ihr akzeptiert gefühlt. Es sei bereits das zweite Mal, dass sie diese Erfahrung mit der Mutter eines Partners mache. "Natürlich habe ich mich deshalb am Anfang selbst hinterfragt und an mir gezweifelt", sagt sie. 

Anders als bei Katharina und ihrem Freund hat sich Annikas Mann ihr gegenüber immer loyal verhalten, so konnte sich Annika mit der Situation arrangieren. "Als seine Mutter mich und unseren Sohn einmal nicht zu ihrem Geburtstag einlud, blieb er zum Beispiel mit uns zu Hause", erzählt sie. 

Warum genau das Verhältnis so angespannt ist, weiß Annika selbst nicht. Unterschwellig habe sie immer das Gefühl gehabt, ihre Schwiegermutter mache ihr Vorwürfe, sie habe ihr den Sohn entrissen. Das Paar habe schnell geheiratet, nachdem das erste Kind unterwegs gewesen sei. "Und auch optisch habe ich wohl nicht dem entsprochen, was sie sich gewünscht hat", vermutet sie.

Nicht immer gelingt es, das zerrüttete Verhältnis zu kitten. Akzeptanz sei wichtig, sagt Expertin Anna Wilitzki. "Und das bedeutet nicht, einfach alles hinzunehmen, sondern auf Bewertung zu verzichten. Die Betroffenen sollten sich fragen, was sie brauchen, um sich glücklicher zu fühlen. Das müsse nicht zwangsläufig bedeuten, ein enges Verhältnis zur Schwiegermutter aufzubauen. "In schwierigen Situationen wird manchmal entschieden, den Kontakt ganz abzubrechen, weil die Dynamik zu ungesund für einen selbst oder für die Beziehung ist", sagt Wilitzki. 


Future

Warum Jobmessen heute mehr Event als Schaulaufen sind
Die Ansprüche von Berufseinsteigerinnen und -einsteigern haben sich geändert. Das zeigt sich auch dadurch, wie Firmen heute auf Bewerber zugehen.

Die Schlange vor dem Stand, an dem man beim Absolventenkongress in Köln seinen Lebenslauf überprüfen lassen kann, ist lang. Mehr als eine halbe Stunde müssen Interessierte auf einer der größten Jobmessen Deutschlands mit ihren Bewerbungsmappen in der Hand anstehen. Aus der dumpfen Geräuschkulisse in einer der Hallen der Kölner Messe sticht immer wieder ein kurzes Surren heraus, als würde jemand eine Nähmaschine bedienen. Es stammt von einer Tätowiermaschine, die direkt neben den wartenden jungen Leuten pausenlos kleine Motive unter die Haut sticht. Einer lässt sich "Hope", die nächste eine Palme oder den Kopf eines Teddybären tätowieren. Etwa hundert Motive stehen kostenlos zur Auswahl.

Unternehmen müssen Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger heute anders ansprechen als früher. Deswegen soll die Jobmesse Eventcharakter haben. Es gibt eine "Gaming-Zone", eine "Virtual Reality-Zone", den "Start-up Garden" und mehrere "Speech Areas".

Gerade sitzt Sabine, 28, auf der mit Frischhaltefolie eingewickelten Liege. Sie lässt sich ein "Good Fortune"-Zeichen auf die Innenseite ihres Knöchels stechen. Die Prozedur dauert nur fünf Minuten. Ihr Gesicht verrät nichts über die Schmerzen. Sie habe sich nur wegen des Tattoos für ein kostenloses Messeticket registriert, erzählt sie.

Dann erhielt Sabine eine E-Mail mit der Einladung zu einer Handvoll Vorstellungsgespräche auf der Messe. Im Vorfeld hatte jeder, der sich ein Ticket gesichert hatte, die Möglichkeit, seinen Lebenslauf online zu stellen – die ausstellenden Firmen konnten diese einsehen und so zielgerichtet Bewerberinnen und Bewerber ansprechen, die sie für geeignet hielten. Dieses Angebot nahm auch Sabine an.