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Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss.

Es ist kompliziert: Wenn wir jemanden kennenlernen, bekommen wir eine Familie dazu. Plötzlich sitzen wir an Geburtstagen, Weihnachten oder ganz normalen Sonntagnachmittagen mit den Eltern unserer Partner und Partnerinnen am Tisch. Und bemühen uns sehr, den "Schwiegereltern" nicht zu widersprechen, sie nicht anzuzicken, keinen Streit zu provozieren. Auch wenn wir die Regeln dieser anderen Familie sehr merkwürdig finden und ihre Ansichten sowieso.

Warum ist das Verhältnis oft so schwierig? Und können wir etwas dagegen tun? Wir haben Prof. Dr. Peter Kaiser gefragt, der als Psychologe an der Universität Vechta unter anderem zu "Schwiegerbeziehungen" forscht.

Wie oft gibt es Probleme mit den Schwiegereltern?

Wenn wir mit Freunden sprechen, bekommen wir schnell das Gefühl, dass jeder von ihnen Probleme mit den Schwiegereltern hat. 

Dabei zeigen Studien etwas anderes: "Nach aktueller Forschungslage sind etwa zwei Drittel der Beziehungen mehr oder weniger intakt", sagt Kaiser. "Nur rund ein Drittel der Beziehungen zu Schwiegereltern sind konflikthaft – insofern stimmt das geläufige Vorurteil nicht ganz." 

Die Zahlen gelten sowohl für Männer als für Frauen und die Eltern des Partners. "Die Schwiegermutter-Schwiegertochter-Beziehung ist aber grundsätzlich etwas störanfälliger", sagt Kaiser.

Warum ist es zwischen den Frauen öfter schwierig?

"Besonders kompliziert ist es, wenn Mutter und Sohn ein besonders enges Verhältnis haben", erklärt der Experte. "Wenn der Sohn vielleicht sogar eine Art Partnerersatz darstellt, weil die elterliche Paarbeziehung zu wünschen übrig lässt." In dieser Situation verlangen beide Frauen – die Freundin oder Ehefrau und die Mutter – viel Aufmerksamkeit. Klar, dass das zu Spannungen führt.

Doch es gibt nicht nur Konkurrenz um Zeit und Zuneigung: Es kann auch ein Problem sein, wenn die Andere jünger ist, besser aussieht oder erfolgreicher ist. Beim Alter wird in den meisten Fällen die Schwiegertochter besser wegkommen, bei den anderen Punkten muss das nicht der Fall sein. 

"Es gibt heutzutage auch viele fitte, toughe und erfolgreiche Mütter, gegen die man als Schwiegertochter kaum ankommen kann", sagt Kaiser. "Wenn die junge Frau vielleicht einen niedrigeren Bildungsstand hat oder beruflich noch nicht auf beiden Füßen steht, dann kann das zu Verunsicherung führen."

Lassen sich Konflikte überhaupt vermeiden?

Die Chancen auf ein möglichst stressfreies Verhältnis steigen, wenn sich unsere Familie und die des Partners möglichst ähnlich sind. "Probleme treten häufig auf, wenn Schwiegertochter oder Schwiegersohn den Erwartungen der Eltern nicht entsprechen – etwa was Bildungsstand, Herkunft, politische Einstellungen oder persönliche Werte angeht", erklärt Kaiser. Es kann passieren, dass die neue Freundin des Sohnes dann nicht als gut genug angesehen wird und dass die Eltern die Beziehung (ausgesprochen oder unausgesprochen) nicht akzeptieren. "Grundsätzlich ist es so: Je größer die Unterschiede der Herkunftsfamilien sind, desto mehr Sollbruch- und Konfliktstellen kann es geben."

Außerdem gibt dem Wissenschaftler zufolge weniger Probleme, wenn die Familien an sich möglichst intakt sind. "Je höher die Störanfälligkeit innerhalb der Familienstrukturen ist, desto anfälliger ist auch die Situation mit den Schwiegerkindern." Das heißt: Am einfachsten wird es mit einem Partner, bei dem die Familie möglichst intakt ist und deren Hintergrund ziemlich ähnlich zu unserer eigenen ist. (Falls wir das möchten und das überhaupt machbar ist.)

Was macht die Lage noch schlimmer?

"Häufig wird das Verhältnis noch komplizierter, wenn Enkelkinder hinzukommen", sagt Kaiser. "Bei vielen Großeltern ist der Wunsch groß, möglichst engen und häufigen Kontakt zu haben und auch Einfluss auf das Kind zu nehmen." Vor allem, wenn die Großeltern das Enkelkind in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen, wird es schwierig: "Wenn das Kind als Sinnquelle angesehen wird, weil die Großaltern vielleicht sonst wenig mit sich selbst anfangen können, dann kommt es oft zu Grenzüberschreitungen und Konflikten."

Ein weiterer Faktor, der die Lage erschwert: Abhängigkeiten – mit Blick auf Geld oder Kinderbetreuung. "Viele junge Paare nehmen es gerne an, wenn sie günstig auf dem Grundstück der Eltern leben können oder sich die ältere Generation regelmäßig um das Kind kümmert. Oft sehen sie aber nicht, dass sich manche Eltern damit das Recht erkaufen, sich einzumischen." Wer sich auf ein solches Modell einlässt, sollte von Anfang an klare Regeln aufstellen – oder sich klarmachen, dass hier ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung geopfert wird.

Was können wir tun, um das Verhältnis zu den Schwiegereltern zu verbessern?

Auch wenn es schwierig klingt: Wir können versuchen, nicht ganz so viel Wert auf die Anerkennung durch die Schwiegereltern zu legen. "Es ist problematisch, wenn man die eigene Selbstakzeptanz von einem fremden Urteil abhängig macht", sagt Kaiser. "Es gehört auch zur eigenen Emanzipation und zum Erwachsenwerden, dass man das eigene Selbstwertgefühl davon löst." Wer das schafft, kann Sprüche der Schwiegereltern vielleicht eher an sich abprallen lassen – und so dafür sorgen, dass die Situation nicht eskaliert.

Beide Seiten sollten versuchen, keinen "Konformitätszwang" zu verordnen (auch wenn hier oft vor allem die Schwiegereltern gefragt sind). "Es sollte in einer Familie okay sein, wenn es unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen gibt. Man sollte den Anderen ihre Eigenarten lassen und nicht versuchen, sie zu ändern." Und wenn es gar nicht anders geht, kann man auch auf Distanz gehen: Häufig hilft es, den Kontakt etwas herunterzufahren, nicht zu viele gemeinsame Berührungspunkte im Alltag zu haben.

Letzte Lösung: Funkstille?

Wenn wir den Kontakt zu den Schwiegereltern komplett abbrechen wollen ("Fahr du alleine hin, es ist DEINE Familie!"), dann müssen wir uns in den meisten Fällen auf Stress in der eigenen Beziehung einstellen. "Die Identifikation mit der eigenen Familie ist häufig sehr groß“, sagt Kaiser. "Wenn man hört, der Partner kann mit den Eltern nichts anfangen, dann wird es oft auch als eigene Kränkung empfunden – und die lässt sich nicht wegargumentieren."


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