Bild: imago/Westend61
"Ich habe es nicht geschafft, aufzuhören."

Eine Schwangerschaft ändert vieles. Und Frauen müssen ihre Gewohnheiten ändern, sobald sie ein Kind erwarten. Denn sie tragen nicht mehr bloß die Verantwortung für sich selbst, sondern auch für ihre ungeborenen Kinder.

Jede Schwangere weiß, dass Alkohol, Zigaretten und rohes Fleisch während der Schwangerschaft verboten sind. Doch das heißt nicht, dass sich jede daran hält. Zu stark die Macht der Gewohnheit, zu groß das Verlangen nach diesen Dingen.

Uns haben drei junge Mütter erzählt, welche Risiken sie wider besseres Wissen während ihrer Schwangerschaft eingegangen sind – und wie sie sich im Nachhinein damit fühlen.

Anna*, 24, hat einen zweijährigen Sohn – und während der Schwangerschaft rohes Fleisch und rohen Fisch gegessen.

(Bild: PTMP/Unsplash)

Ich hatte in meiner Schwangerschaft sehr große Gelüste nach Wurst und geräuchertem Lachs. Das war nicht einfach so ein normales Verlangen, sondern ein Heißhunger, der wirklich tagelang andauerte. Wenn ich das nicht gegessen habe, dann hörte es auch nicht auf. Insgesamt habe ich drei Mal zum Frühstück geräucherten Lachs gegessen und Rohwurst sogar mehrmals. 

Dass rohes Fleisch während der Schwangerschaft gefährlich ist, wusste ich. Allerdings dachte ich immer, dass es auf die Menge ankommt und dass schon nichts passieren wird. Aber gegen Ende meiner Schwangerschaft habe ich dann erfahren, dass es in der Wissenschaft die Meinung gibt, dass es nicht auf die Menge, sondern auf das Stück ankommt, das man isst. Wenn man Pech hat, isst man ausgerechnet das gefährlichste Fleischstück. Das hat mich sehr zum Grübeln gebracht. 

Rohes Fleisch/Fisch in der Schwangerschaft

In rohem Fleisch oder in Fisch können die Erreger von Listeriose und Toxoplasmose enthalten sein, die Erkrankungen oder Fehlgeburten verursachen können. Schwangere sollten deswegen kein rohes und nicht durchgegartes Fleisch essen, also zum Beispiel Salami oder rohen Schinken. Auch auf Räucherfisch, Weichkäse oder Eier, die nicht komplett durchgegart sind, sollte verzichtet werden. Mehr Infos bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Einmal habe ich geräucherten Lachs mit zur Arbeit genommen und dort in den Kühlschrank getan. Ich habe darauf geschrieben, dass sich jeder bedienen kann, und dann auch selber etwas gegessen. Einige meiner Arbeitskollegen waren ziemlich geschockt, als sie mich beim Essen gesehen haben. Andere meinten, ich soll einfach essen, worauf ich Lust habe. Ich habe ja auch nicht die ganze Packung alleine gegessen.

Mein Kind ist kerngesund. Aber wenn ich noch mal schwanger wäre, würde ich das Risiko nicht eingehen und einfach auf rohes Fleisch verzichten. Aber vielleicht sind die Gelüste wieder so stark wie beim letzten Mal. Dann würde ich es wahrscheinlich wieder nicht aushalten und essen.

Sabrina, 29, hat in ihrer Schwangerschaft durchgehend geraucht.

Sabrinas Hand mit einer Zigarette. Ihr Gesicht will sie nicht zeigen.

(Bild: Privat)

Ich dachte immer, wenn ich mir vornehme, schwanger zu werden, dann höre ich auch mit dem Rauchen auf. Aber als ich im Dezember 2017 von meiner ungeplanten Schwangerschaft erfahren habe, wurde daraus nichts. Mein Ehemann und ich haben uns zwar sehr gefreut und ich habe versucht, es zu reduzieren. Aber ich habe dennoch die gesamte Schwangerschaft über ungefähr fünf bis zehn Zigaretten am Tag geraucht. Davor war es jeden Tag eine Schachtel.

Mein Ehemann fand das nicht so toll. Aber er meinte, dass das meine Entscheidung sei. Meine Eltern rauchen auch und da meine Mutter selbst in der Schwangerschaft geraucht hat, konnte sie nicht wirklich etwas dagegen sagen. Bei meinen Freunden war das anders. Es gab einige, die mich deswegen sehr stark kritisiert haben. Auch meine Schwiegermutter: Als wir sie einmal für ein paar Tage besucht haben, hat sie mich ständig darauf hingewiesen, wie schädlich das Rauchen ist. Irgendwann meinte ich dann, dass es nichts ändert, wenn sie mir das jeden Tag sagt.

Rauchen in der Schwangerschaft

Rauchen ist in jeder Lebensphase gefährlich. Während einer Schwangerschaft schaden die giftigen Substanzen allerdings nicht nur der Mutter, sondern auch dem Baby. Kohlenmonoxid und Nikotin bewirken, dass der Embryo schlechter mit Nährstoffen versorgt wird. Es kommt häufiger zu Fehl- und Frühgeburten. Außerdem sind Babys von Raucherinnen oft kleiner, leichter und werden eher krank. Auch Passivrauchen ist schädlich. Mehr Infos bei "Gesund ins Leben" (Bundeszentrum für Ernährung)

Ich war mir der Risiken nämlich durchaus bewusst. Ich machte mir ständig darüber Gedanken und hatte die ganze Schwangerschaft über ein schlechtes Gewissen. Mir war die ganze Zeit bewusst: Wenn etwas mit dem Kind passiert, werden das alle auf das Rauchen schieben und ich werde für immer mit diesem schlechten Gewissen leben müssen. Aber ich habe es nicht geschafft aufzuhören. Allerdings habe ich es auch nicht so sehr versucht. 

Mein Kind ist kerngesund auf die Welt gekommen und ist es immer noch. Aber ich will das Rauchen nicht verharmlosen. Nur weil mein Kind gesund ist, heißt das nicht, dass andere Kinder das auch sein müssen. 

Charlotte, 31, würde heute – 11 Jahre nach ihrer ersten Schwangerschaft – alles anders machen. 

Ich habe bis zur 12. Schwangerschaftswoche Alkohol getrunken und geraucht. Das lag allerdings daran, dass ich nichts von meiner Schwangerschaft wusste. Nachdem ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, habe ich mir das schöngeredet und gedacht: Jetzt hast du 12 Wochen geschafft – wird schon nichts passieren. 

Damals war aber alles anders. Ich war mitten im Studium. Nachdem ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, habe ich zwar mit dem Rauchen und mit dem Trinken aufgehört. Aber ich habe weiterhin rohen Schinken und Sushi gegessen. Außerdem war ich abends sehr oft weg und saß zusammen mit meinen Freunden in Bars und Kneipen, in denen geraucht wurde. 

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Ich wusste, dass ich kein rohes Fleisch essen sollte, und auch, dass ich neben Rauchern ein Risiko eingehe. Aber ich bin nicht auf die Idee gekommen, das zu ändern. Ich dachte mir immer: "Wenn ich einmal in eine Bar gehe oder einmal Sushi esse, passiert schon nichts." Aber das ist dann alles zu einer Regelmäßigkeit geworden.

Meine Schwangerschaft war nicht geplant, sie fiel zwischen Studium und Examen. Am Montag hatte ich mein schriftliches Examen und am Mittwoch dann den Kaiserschnitt. Das Kind musste irgendwie dazwischen passen. Ich hätte damals nie gedacht, dass das alles nicht funktionieren kann. Ich war sehr leichtsinnig und überfordert mit der ganzen Situation.

Alkohol in der Schwangerschaft

Trinkt eine Frau in der Schwangerschaft Alkohol, kann das beim Kind zu Fehlbildungen, Wachstumshemmungen, Schädigung von Gewerbe- und Nervenzellen führen sowie zu Intelligenzminderung. Außerdem kann es auch Auswirkungen auf das Verhalten des Kindes haben, in Form einer Hyperaktivität, Ablenkbarkeit oder sozialen Reifestörung. Alkohol sollte deswegen während der Schwangerschaft überhaupt nicht konsumiert werden. Mehr Infos bei "Gesund ins Leben" (Bundeszentrum für Ernährung)

Wenn ich heute schwanger wäre, würde ich ganz anders damit umgehen. Ich wäre die klassische Schwangere, die sich an alle Regeln hält und ich würde mich komplett auf meine Schwangerschaft und auf das Kind konzentrieren.

*Alle Frauen in diesem Artikel heißen eigentlich anders. Ihre echten Namen sind der Redaktion bekannt.


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