Die eine wird bald Mama, die andere nicht – und jetzt?

Wie verändert sich eine Freundschaft durch die Geburt eines Babys? Kann es trotzdem gelingen, in Kontakt zu bleiben – und Dinge miteinander zu teilen, die einem wichtig sind?

Mila ist 30 Jahre alt. Theoretisch alt genug, um ein Kind zu bekommen. Theoretisch – denn in ihrem Leben spielte das Thema bisher keine Rolle. Die einzigen, die hin und wieder nachfragen, warum noch kein Enkelkind auf dem Weg ist (geschweige denn der passende Mann dazu), sind ihre Eltern.

Mila selbst kann sich zwar gut vorstellen, eines Tages eine Familie zu gründen. Doch dazu müsste sie erstmal eine Beziehung führen. Auch in ihrem Freundeskreis spielte das Kinder-Thema bisher keine Rolle. Bis zu einem Herbsttag vor zwei Jahren, als Milas beste Freundin Jule anrief.

Jule und Mila kennen einander seit der Einführungswoche ihres Bachelor-Studiums. Sie tanzten Nächte durch, stritten und versöhnten sich wieder. Inzwischen sind sie seit zehn Jahren befreundet.

Hier erzählen die beiden, die für diese Geschichte unerkannt bleiben möchten, wie ihre Freundschaft sich durch die Schwangerschaft und die Geburt des Kindes verändert hat.

1.

Der Anruf

Mila: Als Jule mich anrief, klang ihre Stimme anders als sonst. Irgendwie angespannt und begeistert zugleich. "Ich muss dir was erzählen, ich bin schwanger", sagte sie. Ich dachte an all die Pläne, die wir gemeinsam hatten. Sie lebte damals in Frankfurt, wollte aber schon bald zurück nach Köln ziehen – und wir hatten uns so auf die gemeinsame Zeit gefreut. Die Vorstellung, dass daraus vorerst nichts wurde, machte mich traurig. 

Gleichzeitig schämte ich mich für diese egoistischen Gedanken. Und sagte:  

Oh krass, herzlichen Glückwunsch. Ahhh. Wie geht es dir damit?

Sie berichtete mir von den ersten Wochen, in denen sie nur mit ihrem Freund darüber gesprochen hatte, aus Angst, das Kind im ersten Trimester wieder zu verlieren. Dass sie mich nicht einbezogen hatte, traf mich: Auf Platz eins und zwei der Lieblingsmenschen in ihrem Leben rangierten jetzt dieses kleine Wesen in ihrem Bauch und ihr Freund. 

Als die Nachricht ein wenig gesackt war, freute ich mich trotz der augenblicklichen Veränderung meiner Position als beste Freundin für sie. Ich nahm mir fest vor, sie bei allem, was kommen würde, zu unterstützen.

Jule: Meine Schwangerschaft war nicht geplant und ich wusste, dass mir eine aufregende Zeit bevorstehen würde. Ich freute mich und war gleichzeitig unsicher, ob ich das alles hinbekommen würde.

Ich hatte das Bedürfnis, meine Gefühle zu teilen. Zum Glück konnte ich mit meinem Freund über alles reden. Aber ich sehnte mich auch nach dem Menschen, mit dem ich über viele Jahre gelacht, geweint und gestritten hatte. Meine beste Freundin Mila musste her. Niemand kennt mich so gut wie sie. Ich wollte, dass sie bei mir ist. Doch das ging nicht – denn damals wurde klar, dass ich vorerst nicht nach Köln zurückkehren sondern das Kind in Frankfurt bekommen würde.

2.

Die Schwangerschaft

Mila: In der ersten Hälfte der Schwangerschaft änderte sich an unserer Freundschaft wenig. Wir redeten über meine Männerprobleme und ihre Beziehung, gingen Tanzen oder Kaffee trinken, ich freute mich über ihre Gelassenheit. Fast hatte ich das Gefühl, alles würde beim Alten bleiben.

Doch dann sprachen wir am Telefon immer häufiger über Kindererziehung und Babynamen. Ich fand es wunderschön, dass sie das mit mir teilte – wirklich weiterhelfen konnte ich ihr aber nicht. 

​Meine Gefühlslage schwankte zwischen Vorfreude auf ihr Baby und Trauer.

Trauer um die Zeit unserer Freundschaft, in der es nur uns beide gab. Und zwischendurch fühlte ich mich im Gegensatz zu ihr wie ein pubertärer Teenager. Unglaublich unreif und sogar unfähig, eine Beziehung zu führen. Außerdem bedauerte ich, dass unsere Kinder nie zusammen aufwachsen werden würden, obwohl wir uns das doch früher so ausgemalt hatten.

Jule: Je größer die Kugel wurde, desto größer wurden auch meine Ängste. Ich stellte mir grundlegende Fragen: Werde ich diese Verantwortung meistern können?

Ich wollte so gerne mit ihr reden – doch Mila war damit beschäftigt, ihren Umzug nach München zu planen. Sie hatte dort einen neuen Job gefunden und musste viel organisieren. Ich habe in der Zeit viel für mich behalten. Ich wollte ihr keine Fragen stellen, für die sie keine Zeit und auf die sie keine Antwort hatte. Gleichzeitig fehlte sie mir – sie fühlte sich weit weg an. Es war eine komplizierte Zeit für unsere Freundschaft.

3.

Die Geburt

Mila: Das ist das schönste Baby Welt, dachte ich, als ich eine Woche nach der Geburt die kleine Tochter von Jule auf dem Arm hielt. Ich war so stolz auf die beiden.

Schon ein paar Monate später besuchten die beiden mich in meiner winzigen Münchner Wohnung. Ich hatte gehofft, wir hätten endlich ein bisschen Zeit für uns – und dann war es doch viel zu wenig.

Denn Jule schlief super früh ein, sie war völlig übermüdet.

Ein wenig sprechen konnten wir trotz allem und sie erzählte mir von ihrem Geburtstrauma. Ich las nach, was das bedeutet, helfen konnte ich ihr aber kaum. Ich beneidete die Mütter in ihrer Babygruppe, die so viel mehr wussten als ich und mit denen Jule viel Zeit verbrachte. Ich fühlte mich unvollständig. Jule als Mama in einem Frankfurter Vorort. Und ich als Single unglücklich mit dem ersten Job im für mich noch fremden München.

Jule: Mila kam mich eine Woche nach der Geburt besuchen. Es war schön, dass sie einfach mit dem Umzugswagen einen Zwischenstopp bei mir einlegte. Ich weiß noch, dass ihre Umarmung gut getan hat. Leider hatten wir an diesem Tag viel zu wenig Zeit für uns. Auch in den nächsten Monaten sahen wir uns nur selten.

Ich war glücklich mit meinem Baby. Doch gleichzeitig musste ich mit der Müdigkeit, den hormonellen Schwankungen und den Erfahrungen im Krankenhaus klarkommen.

In meinem Leben war in kurzer Zeit so viel passiert, dass die gelegentlichen Treffen mit Mila nicht ausreichten, um das alles auszubreiten. Lange Telefonate fielen mir schwer, weil meine Tochter mich sehr einspannte. Und in den kurzen Augenblicken, die ich für mich hatte, wollte ich am liebsten gar nichts tun. Ich hatte ein schlechtes Gewissen – und rief Mila trotzdem nicht an.

4.

Ein Jahr später

Mila: Unsere Freundschaft wurde nach und nach wieder intensiver. Das lag vor allem an einem Treffen in Köln, bei dem wir einander gestanden haben, dass wir uns davor fürchten, mit der anderen nicht mithalten zu können – ob es nun beim Mama-Dasein der einen oder beim wilden Leben der anderen ist.

Es wurde ein langer Abend, bei dem die kleine Ida zwischen uns im Kinderwagen schlummerte und wir darüber sprachen, was in den letzten 16 Monaten in unserem Leben eigentlich los war. Wir versprachen uns, dass wir ab jetzt mehr füreinander da sein wollten. 

Egal, wie unterschiedlich die Probleme, die wir gerade hatten, auch sein mochten.

Jule: Ich habe mich inzwischen an den Alltag als Mutter gewöhnt, Mila hat ihre eigene Krise mit der neuen Arbeitssituation in München weitestgehend überwunden.

Wir geben unserer Freundschaft wieder mehr Raum, führen ehrliche Telefonate, in der wir Dinge nicht mehr aussparen, weil wir denken, wir müssten einander schonen. Zwar sehen wir uns nur alle zwei Monate und müssen das, was uns bewegt, meistens bündeln, weil sich dann doch immer viel angestaut hat.

Aber ich denke, dass es nicht wirklich darauf ankommt, ob wir uns alle zwei Tage oder alle zwei Monate sehen. Wichtig ist, dass wir uns überhaupt regelmäßig besuchen. Mila hört mir zu, wenn ich rede und sie ist für mich da, wenn ich sie brauche. 

Mila: Inzwischen bin ich zurück nach Köln gezogen. Und: Jule ist wieder schwanger! Das zweite Kind kann ich aber mit einer ganz anderen Gelassenheit begrüßen. Weil ich weiß, dass sich an unserer Freundschaft nichts ändern wird. Im Gegenteil: Wir stehen uns noch näher, als wir uns jemals standen.  


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FBI-Agent will in Kneipe mit Rückwärtssalto angeben und schießt einen Mann an
Dabei wollte er nur zeigen, wie gut er tanzen kann.

Den Satz "show us your killer dance moves" hat ein FBI-Agent aus Denver wohl etwas zu ernst genommen. In seiner Freizeit wollte er eigentlich nur etwas Spaß in einer Bar haben und verwundete dabei einen Mann.